Die Eigenverantwortung stärken

Rudolf Henke

Die Gesundheit der Bevölkerung hängt keineswegs nur von
den Leistungen der kurativen Medizin ab, auch die Verbreitung
eines gesundheitsbewussten Lebensstils ist von
herausragender Bedeutung. Foto: JochenRolfes.de

Wir Ärztinnen und Ärzte sind zu Recht stolz auf unsere Erfolge. Der medizinisch-technische Fortschritt gibt uns immer neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten an die Hand, sodass wir Krankheiten immer besser erkennen, heilen und lindern können.

Doch trotz allen Fortschritts wissen wir auch um die Grenzen der kurativen Medizin. Der Mensch ist keine Maschine, und Ärztinnen und Ärzte sind keine Mechaniker für das Produkt Gesundheit im Reparaturfall.

Die ärztliche Verantwortung ist eben keine rein medizinisch-technische, und eine Behandlung kann nur in einer vertrauensvollen, von partnerschaftlichem Zusammenwirken geprägten Patient-Arzt-Beziehung gelingen.
Das gilt für die kurative Medizin, und das gilt auch für die präventive Medizin. Die millionenfachen Patient-Arzt-Kontakte bieten auch eine hervorragende Chance, die eigene Kompetenz unserer Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihrer Gesundheit zu stärken. Denn die ­Gesundheit der Bevölkerung hängt keineswegs nur von den Leistungen der kurativen Medizin ab, auch die Verbreitung eines gesundheits­bewussten Lebensstils ist von herausragender Bedeutung.

Wenn also die Ärzteschaft mehr Eigenverantwortung im Gesundheitswesen fordert, so ist damit nicht nur eine finanzielle Eigenbeteiligung gemeint. Vielmehr ist es ein ärztliches Anliegen, dass jeder Einzelne durch Prävention und Gesundheitsvorsorge aktiv zur Minderung seiner Krankheitsrisiken beiträgt.

Prävention ist ein originär ärztliches Auf­gabengebiet – so hat es auch der Deutsche ­Ärztetag festgestellt. Angesichts der Zunahme chronischer Erkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus und der steigenden Zahl alter Menschen haben Information und Beratung hinsichtlich eines gesunden Lebensstils stark an Bedeutung gewonnen. Dies wird sich weiter fortsetzen, ­zumal die Grenze zwischen der ­Behandlung von Krankheiten und der Gesundheitsberatung fließend ist.

Im Vorstand unserer Ärztekammer Nordrhein haben wir uns daher entschieden, unsere langjährigen Präventionsaktivitäten – etwa zur Gesundheitserziehung in der Grundschule und zur Sturzprophylaxe bei betagten Menschen – um ein neues Projekt zu ergänzen: Hausärztinnen und Hausärzte werden Patientinnen und Patienten mit Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsarmut im Rahmen einer auf zwei Jahre angelegten Studie einen gesundheitsbewussteren Lebensstil empfehlen, sprich: mehr Bewegung. 10.000 Schritte pro Tag sind das Ziel (siehe auch „Thema“).

Die Evaluation der Pilotstudie liegt in den Händen des Instituts für Bewegungs- und Neurowissenschaft der Deutschen Sporthochschule Köln (Professor Dr. Dr. med. Christine Graf). Ich bin schon jetzt gespannt, zu welchen Ergebnissen die zu mehr Bewegung motivierende Beratung in der Hausarztpraxis führen wird. Ein ­Gerät, das meine eigenen täglichen Schritte zählt, begleitet mich bereits seit einigen Wochen in der Hosentasche.


Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein

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letzte Änderung am: 26.04.2013



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Heft 3/2013

Titel 5/2013

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