Der Wettbewerb um gute Mitarbeiterinnen beginnt
Wird es angesichts eines schrumpfenden
Bewerberpotenzials langfristig noch
genügend Medizinische Fachangestellte
geben?
Foto: Ch. Adolph
Während das Wort vom Lehrstellenmangel noch immer die Runde macht, sollte sich die Ärzteschaft jetzt bereits gegen einen drohenden Mangel an geeigneten Bewerbern für den Beruf der Medizinischen Fachangestellten wappnen.
Denn die Zahl der Schulabgänger wird nach einer Prognose der Kultusministerkonferenz bis 2020 um etwa 180.000 auf dann 780.000 sinken. Das entspricht einem Minus von 20 Prozent im Laufe des kommenden Jahrzehnts. Dieser Trend wird lediglich in den Jahren der doppelten Abiturjahrgänge unterbrochen. Die Abgängerzahlen von Realschule und Hauptschule werden gleichwohl kontinuierlich sinken.
Noch ist der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen stabil, allerdings bei erheblichen regionalen Unterschieden. So ist in einigen Regionen Nordrheins die Zahl der von Ärzten neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge deutlich zurückgegangen. Erste Kolleginnen und Kollegen klagen bereits über einen Mangel an geeigneten Bewerberinnen (siehe auch „Thema“ Seite 12).
Gleichzeitig steht die ambulante ärztliche Versorgung vor neuen Herausforderungen, die sich nur mit qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewältigen lassen. Personalintensive Aufgaben im Bereich der Langzeitbetreuung chronisch Kranker und multimorbider Patienten werden aufgrund der demographischen Entwicklung zunehmen. Auch in Bereichen wie Informations- und Kommunikationstechnologien, Qualitätsmanagement und Praxismanagement steigen die Anforderungen. Ärztinnen und Ärzte haben jedoch nur dann genügend Zeit für die eigentlichen ärztlichen Aufgaben, wenn sie andere Arbeiten konsequent auf gut ausgebildetes Personal delegieren können.
Vor diesem Hintergrund haben die Ärztekammern, nach dem Berufsbildungsgesetz für die Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten zuständig, deren Qualifikationsprofil den aktuellen Anforderungen angepasst. Die Absolventinnen und Absolventen des modernisierten Berufsbildungsganges sollen in der Lage sein, gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten die Patienten in Haus- oder Facharztpraxen kontinuierlich über verschiedene Lebensphasen zu begleiten.
Zusätzlich vermitteln zahlreiche Fortbildungen spezielle Fähigkeiten zum Beispiel in den Bereichen Patientenkoordinierung, Prävention, Ernährungsmedizin und Versorgung älterer Menschen einschließlich Hausbesuchs- und Wundmanagement. Passgenaue Aufstiegsmöglichkeiten, etwa zur Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung oder zur Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen, machen das Berufsbild attraktiver.
Der Erfolg einer Praxis wird erheblich davon abhängen, dass auch langfristig genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Deshalb tun wir Ärztinnen und Ärzte gut daran, rechtzeitig Medizinische Fachangestellte auszubilden und durch attraktive Arbeitsbedingungen an unsere Praxen zu binden.
Angesichts der chronischen Unterfinanzierung der ambulanten ärztlichen Versorgung mögen sich manche Kolleginnen und Kollegen fragen, ob sie sich die Aufwendungen für Auszubildende überhaupt leisten können. Da mag es überraschen, dass nach einer Expertenberechnung die Erträge aus der Ausbildung von Medizinischen Fachangestellten die Kosten übersteigen. Zu einer längerfristig lohnenden Investition wird die betriebliche Ausbildung vor allem dann, wenn Auszubildende als Fachkräfte übernommen werden. Sie zeichnen sich häufig durch hohe Identifikation mit der Praxis aus. Sie kennen die Patientinnen und Patienten der Praxis und sind diesen vertraute Bezugspersonen.
Ausbilden lohnt sich also nicht nur aus gesellschaftspolitischer Verantwortung für die junge Generation. Ausbilden lohnt sich gerade aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive der Praxen. Angesichts der sinkenden Zahl möglicher Bewerberinnen und Bewerber sind wir gut beraten, uns rechtzeitig auf den Wettbewerb um gute Mitarbeiterinnen einzustellen.
Es macht mich seit über 15 Jahren stolz, dass Kolleginnen und Kollegen nahezu regelhaft die Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung bieten. Wir gehören zusammen in unsere Praxen zu unseren Patienten - nicht in Verwaltungen.
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letzte Änderung am: 31.08.2010
Rheinisches Ärzteblatt
Heft 09/2010

Titelthema
Medizinische Fachangestellte: Ausbilden heißt Zukunft sichern
Vertrauen auf Vertraulichkeit ?!
Patientenschutz und Datenschutz im Gesundheitswesen

Kolloquium der Ärztekammer Nordrhein
Samstag, 2. Oktober 2010, 9:00 bis 14:00 Uhr
Düsseldorf, Haus der Ärzteschaft, Tersteegenstraße 9
Begrüßungsveranstaltung im Video
Ab sofort sind Ausschnitte der Begrüßungsveranstaltung neuer Kammermitglieder als Videostream online.

