Qualität planen

Rudolf Henke

Strukturmerkmale wie die Personalausstattung müssen bei
einer qualitätsorientierten Krankenhausplanung der Länder
eine wichtige Rolle spielen. Von einer seriösen
risikoadjustierten Basis für Pay-for-performance-Ansätze
und ernsthafte Ergebnisvergleiche sind wir weit entfernt.
Foto: Jochen Rolfes

Ende August hat das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) einen wichtigen Bericht an den Gemein­samen Bundesausschuss der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen (G-BA) übergeben. Dabei geht es um Qualitätskriterien, die künftig in der Krankenhaus­planung der Bundesländer berücksichtigt werden sollen. Der Bericht steht bisher nicht öffentlich zur Verfügung, ­einige allgemeine Anmerkungen zur Berücksichtigung von Qualitätskriterien in der Krankenhausplanung seien dennoch erlaubt.

Die ersten Weichen für eine qualitätsorientierte Krankenhausplanung sind in einer Reihe von Bundesländern in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts gestellt worden. In Nordrhein-Westfalen gilt dies zum Beispiel für den Krankenhausplan, der 2013 erstellt wurde (zum Stand der Krankenhausplanung NRW siehe auch Seiten 16 f.).

Danach ist das Thema „qualitätsorientierte ­Planung“ auch auf der Bundesebene aufgegriffen worden. Das IQTIG erhielt den Auftrag, Qualitätsindikatoren zu erarbeiten, die dann von den Bundesländern in der Krankenhausplanung verwendet werden können.

Offenbar hat das Institut mit einem sehr großen methodischen Aufwand die bereits bekannten Qualitätsindikatoren der externen stationären Qualitätssicherung auf ihre Tauglichkeit für die Krankenhausplanung hin überprüft. Das verdient Respekt. Ob dies auch für die Ergebnisse gilt, bedarf allerdings der Diskussion.

Denn nach dem bisherigen Eindruck könnten Fragen der Strukturqualität zu kurz gekommen sein. Gerade diese Fragen sind jedoch nach Überzeugung der Ärzteschaft für die Krankenhausplanung besonders relevant. Es sollen wenige Indikatoren verblieben sein, denen womöglich die Repräsentativität für das Behandlungsgeschehen von ganzen Fachabteilungen fehlt – das würde ihre Nutzbarkeit für eine ­sinnvolle Krankenhausplanung erheblich einschränken.

Die Bundesärztekammer hat bereits kritisiert, dass das IQTIG-Konzept eine Verkürzung des bisher erreichten Verständnisses von Patientensicherheit auf das Konstrukt einer „Patientengefährdung“ vornimmt. Dies würde einen Rückschritt beim Aufbau einer Sicherheitskultur bedeuten, die auf Prävention setzt und nicht auf Schuld und Sanktion.
Besonders relevant aus Landessicht ist ein weiterer Aspekt: Das IQTIG-Konzept soll ein zentralisiertes Verfahren vorsehen. Das IQTIG selbst soll – unterstützt durch den MDK − für ganz Deutschland verifizieren, welche Kliniken wirklich auffällig sind. Damit bleibt außer Acht, dass zum Beispiel Nordrhein-Westfalen mit ­seiner Geschäftsstelle Qualitätssicherung und dem Strukturierten Dialog bereits über bewährte Strukturen verfügt, die diese Aufgabe sicherlich sachnäher erledigen könnten. Allerdings gibt es keinen Automatismus, mit dem die Bundesvorgaben auf die Krankenhausplanung durchschlagen. Die Bundesländer haben die Möglichkeit, hierzu eigene Regelungen zu treffen.

Alles in allem sollten Qualitätsvorgaben dazu da sein, zu echten Verbesserungen in der ­Patientenversorgung zu kommen. Sie eignen sich nicht als elegantes Mittel zum Kapazitätsabbau oder gar als verkappte Sparprogramme. Im Gegenteil: Wer Qualität fordert, muss auch bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen. Von ­einer seriösen risikoadjustierten Basis für ­Pay-for-performance-Ansätze und ernsthafte Ergebnisvergleiche sind wir weit entfernt.

Deshalb sind Strukturmerkmale ein so wichtiger Ansatz. Denn wer eine Krankenhausabteilung betreiben will, braucht dazu vor allem genügend qualifizierte Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte. Strukturmerkmale gestatten auch, die mit ihnen verbundenen zusätzlichen Kosten zu ermitteln und ihre Refinanzierung zu überprüfen. Setzen wir uns dafür ein, dass dieser Weg beschritten wird.

Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein

Weitere Beiträge dieser Rubrik

  Zum Seitenanfang

letzte Änderung am: 19.09.2016



Ärztliche Flüchtlingshilfe

Flüchtlinge in Deutschland

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 10/2016

Titel 10/2016

Titelthema

Moderne Medizin zwischen Erfahrung, Evidenz und Enhancement

aktuelle Ausgabe

Dokumentation des Krankenhausplanung NRW - eine Zwischenbilanz
Krankenhausplanung Zwischenbilanz

Am Samstag, 3. September 2016, fand das Symposium "Krankenhausplanung NRW - eine Zwischenbilanz" im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft statt. Ärztekammer, Landesgesundheitsministerium sowie Krankenhausgesellschaft und Krankenkassen nahmen Stellung zum Stand der Krankenhausplanung in NRW. Einige der gehaltenen Referate stehen zur Verfügung.

Interner Link Dokumentation

Euskirchen: Resilienz - Krisenbewältigung und Selbstheilungskräfte in persönlicher und gesellschaftlicher Perspektive

Faktoren, die uns widerstandsfähig gegen Krisen machen, und Möglichkeiten, die eigene Resilienz zu stärken, stehen im Mittelpunkt des 15. Euskirchener Symposiums am Mittwoch, 5. Oktober 2016.

interner Link Nähere Informationen zum Programm

Materialbestellung

Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

Interner Link Materialbestellung

Logo Cochrane Library
Jobbörse für MFA
Screenshot Jobbörse

Suchen Sie eine neue Praxis-Mitarbeiter/in oder haben Sie einen Ausbildungs- / Praktikums- / Hospitationsplatz frei? Über die Jobbörse auf unserer Homepage haben Sie die Möglichkeit, schnell und kostenlos ein Inserat aufzugeben. Auch Job-Suchende können hier eine Anzeige schalten.

interner Link Jobbörse

Critical Incident Reporting System NRW. Melde- und Lernsystem für medizinische Beinahe-Fehler für NRW.

 Internetlink www.cirs-nrw.de

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen

Wir befolgen den HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen.
Kontrollieren Sie dies hier.


Medisuch-Siegel

Die Medizinsuchmaschine "Medisuch" bestätigt der Ärztekammer Nordrhein, dass die Homepage ohne kommerzielle Einflussnahme erstellt ist.

Video über die Ärztekammer Nordrhein
Screenshot-Image-Video

Video (7 Minuten): Die Aufgaben der Ärztekammer Nordrhein

Interner Link Imagevideo

Dokumentation einiger Vorträge des Kammerkolloquiums Kindergesundheit

Kinderzeichnung Krankenhaus 

Am 18. Juni 2016 veranstaltete die Ärztekammer Nordrhein das 5. Kammerkolloquium Kindergesundheit. Hauptthema: "Soziale Situation und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen". Einige der Vorträge können auf der Homepage abgerufen werden.

interner Link Dokumentation