Ein philosophisch-ethischer Blick auf die Demenz

Das Fremde akzeptieren lernen

Dr. Ivo G. Grebe

Dr. Ivo G. Grebe,
Vorsitzender der
Kreisstelle Stadt-
kreis Aachen

Den Umgang mit demenziell erkrankten Menschen aus einer ethischen Perspektive zu betrachten, dies stand im Fokus eines Symposiums der Kreisstelle Stadtkreis Aachen der Ärztekammer Nordrhein Ende Oktober im "Forum M".  "Würde und Anerkennung – Ethische Probleme beim Umgang mit demenziellen Erkrankungen in Forschung, Versorgung und Betreuung“ war die Veranstaltung überschrieben. Es gehe vor allem darum, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten und die ihrer Angehörigen zu verbessern, eröffnete Professor Dr. Dieter Sturma von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn seinen Vortrag. Dazu müssten vor allem ethische Prinzipien den Umgang mit demenziell Erkrankten bestimmen.

Prof Schwalen

Professor Dr.
Susanne Schwalen,
Geschäftsführende
Ärztin der Ärztekam-
mer Nordrhein

Dem schloss sich Professor Dr. Susanne Schwalen, Geschäftsführende Ärztin der Ärztekammer Nordrhein, an: „Die Lebensqualität von Menschen mit Demenz hängt davon ab, wie die Gesellschaft mit Demenzerkrankungen umgeht. Daher sind wir alle angehalten, unsere Haltung im Umgang mit Demenz zu überdenken.“ Die Umgebung müsse sich an die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz anpassen, nicht umgekehrt, so Schwalen.

Das "Fremdpsychische" sei ein bedeutendes Problem im Umgang mit Menschen mit demenziellen Erkrankungen, sagte Professor Sturma, der Direktor des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften ist: „Auch wenn Menschen mit Demenzerkrankungen immer passiver werden, wissen wir, dass sie ein Bewusstsein haben, aber wir haben immer weniger Zugang zu diesem Bewusstsein.“

Professor Dr. Dieter Sturma

Professor Dr.
Dieter Sturma, Direk-
tor des Instituts für
Wissenschaft und
Ethik

Die Interpretation des Verhaltens durch die Außenwelt habe immer weniger mit dem zu tun, was die demenziell erkrankten Personen selber erleben, so Sturma: „Mit fortschreitender Erkrankung divergieren zunehmend das subjektive Erleben und die äußere Perspektive, also die Beobachtung und das Mitgefühl.“ Es sei daher notwendig, das Verhalten eines demenziell erkrankten Menschen als fremd und unverständlich zu akzeptieren, anstatt von dem Patienten zu verlangen, sich anzupassen. Erst dann seien Außenstehende in der Lage, darüber nachzudenken, was dieses Verhalten eventuell noch bedeuten könne, meinte Professor Sturma.

Nach seinen Worten ist es daher im Umgang mit Menschen mit Demenz entscheidend, ethischen Prinzipien wie Schadensvermeidung, Fürsorge und Autonomie sowie Gerechtigkeit zu folgen und damit die Würde und Anerkennung der Patientinnen und Patienten zu wahren.

Jocelyne Fischer


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letzte Änderung am: 31.10.2014



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Heft 11/2017

Titel 11/2017 Titelgestaltung: Eberhard Wolf

Titelthema

Ärztliche Kommunikation als medizinisches Handeln

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