Rheinische Ärzte diskutieren Nutzen und Risiken von Früherkennungsprogrammen

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Düsseldorf, 16.12.2014. „Krebsfrüherkennung: Chancen – Risiken - Grenzen“ lautete der Titel eines Symposiums der Ärztekammer Nordrheins am Freitag, 12. Dezember im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Auf der mit 200 Teilnehmern gut besuchten Veranstaltung stellten ärztliche Experten aktuelle Erkenntnisse und grundlegende Fakten aus verschiedenen Früherkennungs-Programmen wie dem Mammographie-, dem Kolon-, dem Prostata- und dem Hautkrebs-Screening vor.

„Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, zum Auftakt des Symposiums. „Aufgrund der demographischen Entwicklung ist die Zahl der Krebserkrankungen weiterhin ansteigend, die Mortalität an Krebserkrankungen sinkt jedoch erfreulicherweise.“ Es stelle sich also die Frage, ob der Grund hierfür ausschließlich in der Verbesserung der Therapiemöglichkeiten liege oder ob dies möglicherweise auch auf einen Erfolg der eingeführten Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zurückzuführen sei. Die Untersuchungen hätten sich in vielen Bereichen etabliert. Seit einigen Jahren werde indes vermehrt die Frage nach der Nutzen-Risiken-Relation mancher Untersuchung gestellt, so der Kammerpräsident.

Aktuell werde besonders das Verhältnis von Risiken und Nutzen sowie die Aufklärungssituation der Patientinnen beim Mammographiescreening diskutiert. Ebenso thematisiere die Öffentlichkeit das Risiko-Nutzen-Verhältnis beim Prostatascreening im Hinblick auf eine mögliche Überdiagnostik und Übertherapie. Dem Arzt komme jedenfalls eine Schlüsselrolle zu, den Patienten über Nutzen und Risiken der Krebsfrüherkennung zu informieren und ihn in seiner Entscheidungsfindung zu unterstützen, sagte Henke.

Die „informierte Entscheidung“ des Patienten war denn auch neben der Vorstellung der einzelnen Screenings ein Schwerpunkt des Symposiums. Dr. Odette Wegwarth vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz in Berlin kritisierte, dass bei der Vorstellung des Nutzens in erster Linie auf relative statt auf absolute Risiken abgestellt werde. Kommuniziert werde zum Beispiel folgendes relatives Risiko: „Die regelmäßige Teilnahme am Prostata-Screening senkt das Risiko, an Prostatakrebs, zu sterben um 20 Prozent.“ Der Blick auf das absolute Risiko zeige dann aber: „Die regelmäßige Teilnahme am Screening senkt das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, von fünf auf vier Männer pro Tausend, also um 0,1 Prozent“.

André Karger, Psychoonkologe am Klinischen Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf, stellte Wege vor, Chancen und Risiken von Früherkennungsprogrammen für den Patienten so zu kommunizieren, dass dieser eine informierte Entscheidung treffen kann. So plädiert er dafür, statt des absoluten das persönliche Risiko eines Patienten zu erörtern und dem Patienten darzulegen, wie oft es zu „richtig-positiven“, „falsch-negativen“  sowie „falsch-positiven“ Früherkennungsergebnissen kommt. Darüber hinaus empfiehlt er, darzulegen, ob die Heilungschance bei früher Erkennung besser ist, als wenn der Krebs später erkannt wird, und wie viele Menschen durch Untersuchungen Schäden davontragen.

lokaler Link Ein ausführlicher Bericht über das Symposium wird in der Februar-Ausgabe des Rheinischen Ärzteblattes zu lesen sein.

ble


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letzte Änderung am: 16.12.2014



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