Niedergelassene und Klinikärzte diskutieren über Situation der Versorgung in Essen

Dr. Ludger Wollring

Dr. Ludger Wollring, Vorsitzender
der Kreisstelle Essen der ÄkNo.
Foto: privat

Düsseldorf, Essen, 29.04.2016.  Die gesundheitliche Lage geflüchteter Menschen, die besonderen Strukturbedingungen in der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung und die Zusammenhänge von Arbeitslosigkeit und Gesundheit standen im Fokus der diesjährigen Mitgliederversammlung der Kreisstelle Essen der Ärztekammer Nordrhein am Mittwoch, 27. April 2016 in der Evangelischen Huyssens-Stiftung der Kliniken Essen-Mitte.

Unter dem Motto „Medizin in Essen – Update 2016“ stellte deren Vorsitzender Dr. Ludger Wollring den zahlreich erschienen interessierten Kolleginnen und Kollegen grundlegende Zahlen und Fakten zur Ärzteschaft und zur gesundheitlichen Situation der Menschen in Essen vor. Auch in der Ruhrmetropole sei der Anteil der über 60-jährigen hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen stark gestiegen – von 15 Prozent im Jahr 2006 auf inzwischen 35 Prozent. Gleichzeitig sei es aufgrund einer im bundesweiten Vergleich niedrigeren ambulanten Vergütung schwieriger als anderswo, junge Ärztinnen und Ärzte für eine Niederlassung im Ruhrgebiet zu gewinnen. Auch als Antwort auf dieses Nachwuchsproblem habe man in Essen mit der Etablierung hausärztlicher Weiterbildungsverbünde reagiert, so Wollring.

Der Augenarzt wies darauf hin, dass die Essener Ärzteschaft auch viele Patienten aus anderen Kommunen mitversorge – und das vor dem Hintergrund, dass in Essen  (wie im gesamten Ruhrgebiet) eine aus Ärztesicht ungünstigere Verhältniszahl zwischen Medizinern und Einwohnern gelte (siehe dazu auch unseren Beitrag im Rheinischen Ärzteblatt: http://www.aekno.de/downloads/archiv/2016.04.015.pdf).

Vorstandsmitglied Privat-Dozent Dr. Michael Koldehoff zeichnete die Entwicklungen in der Essener Krankenhauslandschaft nach und zeigte auf, dass die derzeitige Systematik der Krankenhausfinanzierung auch in der stationären Versorgung zu „Hamsterrad-Effekten“ führt. Hinzu komme die unzureichende Finanzierung von Investitionen in die Krankenhäuser, für die die Bundesländer verantwortlich zeichnen, sodass Kliniken gezwungen sind, Investitionen aus Betriebserlösen zu tätigen, sagte der am Universitätsklinikum Essen tätige Oberarzt.

Dr. Rainer Kundt, Leiter des Essener Gesundheitsamts, berichtete über die Versorgung von geflüchteten Menschen. Derzeit leben 5.000 Geflüchtete in der Stadt, unter ihnen 1.400 Kinder und Jugendliche. Die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen liegt bei circa 400. Er überblicke nun 30 Jahre amtsärztliche Tätigkeit, führte Kundt aus und sagte: „So viel wie im Moment hatten wir noch nie zu tun – aber es macht Spaß.“ Die Geflüchteten seien sehr dankbar für die medizinische Hilfe und zum Beispiel Impfungen gegenüber sehr aufgeschlossen. Kundt dankte den Niedergelassenen für ihren Einsatz. Es sei gelungen, die neuen Bürger in die ambulante Versorgung zu integrieren.

Die Arbeit des Essener Obleute-Gremiums als „Scharnier zwischen Vorstand und Basis“ beleuchtete dessen Sprecher und stellvertretender Vorsitzende der Kreisstelle, Dr. Ralph-Detlef Köhn. Themen des 33-köpfigen Gremiums, das einmal im Quartal zusammenkommt, seien zum Beispiel die Ermächtigungen, der ambulante Notdienst oder die Kooperation von Haus- und Organfachärzten, stellte der Internist einige der derzeitigen Arbeitsschwerpunkte vor. Seit einigen Monaten entsenden neben den Niedergelassenen und Kliniken auch die Essener MVZ einen Obmann.

Das Projekt „Arbeitslosigkeit und Gesundheit“ des Essener Jobcenters stellte Thomas Mikoteit vor. Zielsetzung des 2015 mit dem Gesundheitspreis NRW ausgezeichneten Ansatzes sei der Aufbau von Motivation und die Identifikation von Empfängern von Arbeitslosengeld II, „die eine echte Veränderungsbereitschaft aufweisen“, so der Abteilungsleiter. Ein interdisziplinäres Team analysiere dabei gemeinsam mit dem Hartz-IV-Empfänger die aktuelle Lebens-, Arbeits- und Gesundheitssituation und erstelle einen individuellen Gesundheits- und Integrationsfahrplan. Der Förderplan stelle eine Kombination von gesundheitsfördernden und arbeitsmarktintegrativen Maßnahmen dar. Bereits jetzt stelle sich heraus, so Mikoteit, dass bei vielen der anfangs in das Programm aufgenommenen Menschen ein deutlich schlechterer Gesundheitszustand zu konstatieren sei, als man dies ursprünglich angenommen habe.

ble


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letzte Änderung am: 29.04.2016



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