Startschuss für die ärztliche Präventionsempfehlung

Ab dem 1. Januar 2017 können Ärztinnen und Ärzte ihren Patienten eine primärpräventive Empfehlung für die Teilnahme an von den Krankenkassen zertifizierten Kursangeboten aus den Handlungsfeldern „Bewegung“, „Ernährung“, „Stressmanagement“, „Suchtmittelkonsum“ und „Sonstiges“ aussprechen. Die ärztliche Präventionsempfehlung stellt eine Maßnahme dar, mit der der Gesetzgeber die Gesundheitsförderung der Versicherten im Land stärken möchte.

von Oliver Funken und Sabine Schindler-Marlow

Ärztinnen und Ärzte nehmen eine zentrale Rolle bei der Prävention ein. Sie sind die wichtigsten Ansprechpartner in Gesundheitsfragen für nahezu die gesamte Bevölkerung. Sie kennen die gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung und spezifischer sozialer Gruppen. Mit dem Präventionsgesetz sollen die primärpräventiven Aktivitäten der Ärzteschaft wie auch der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen gestärkt werden. Bindeglied zwischen beidem stellt die neu in das SGB V eingeführte ärztliche Präventionsempfehlung dar.

Schriftliche Empfehlung nach § 20 Abs. 5 SGB V

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Juli gemäß den Vorgaben des Präventionsgesetzes eine „Ärztliche Präventionsempfehlung“ im Kontext von Gesundheitsuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene verabschiedet. Darüber hinaus können schriftliche Empfehlungen vom Arzt im Kontext einer jeden ärztlichen Untersuchung (§ 20 Abs. 5 SGB V), im Rahmen einer arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung und Beratung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ausgestellt werden, ohne dass hier die Regelungen des G-BA greifen (siehe Schaubild). Mit den Leistungen zur individuellen Primärprävention wird das Ziel verbunden, verhaltensbezogene Risikofaktoren für bestimmte Erkrankungen zu senken. Dabei geht es um die Handlungsfelder Bewegungsgewohnheiten, Ernährung, Stressmanagement und Suchtmittelkonsum.

Möchten Ärztinnen und Ärzte bestimmte verhaltensbezogene Präventionsmaßnahmen im Rahmen von Gesundheitsuntersuchungen anraten, können sie diese künftig auf einem entsprechenden Formular vermerken. Darauf sind Felder für die Präventionsempfehlung in den vom G-BA festgelegten vier Bereichen vorgesehen. Die Bereiche orientieren sich an dem „Leitfaden Prävention“ des GKV-Spitzenverbandes. Darin werden für Handlungsfelder wie Ernährung oder Bewegung Kriterien festgelegt, nach denen Kurse oder Beratungsangebote zertifiziert und damit auch bezuschusst werden. Die Zertifizierung wird von der Zentralen Prüfstelle Prävention, einer Einrichtung der gesetzlichen Krankenkassen, übernommen.

Ärztliche Prävention ab 1.1.2017 Verlaufsschema 

Die Empfehlung kann von den Ärztinnen und Ärzten durch eigene Hinweise auf dem Vordruck konkretisiert werden und es können Kontraindikationen vermerkt werden. KBV und GKV-Spitzenverband haben den Auftrag erhalten, bis Jahresende 2016 einen entsprechenden Vordruck zu vereinbaren. Ob es für das Ausstellen der Empfehlung im Kontext der Vorsorgeuntersuchungen eine eigene Vergütungsziffer geben wird, wird derzeit im Bewertungsausschuss (eine Entscheidung lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor) verhandelt.

Kassen müssen Angebote bereitstellen

Es handelt sich bei der ärztlichen Präventionsempfehlung jedoch nicht um eine ärztliche Verordnung im Sinne einer veranlassten Leistung, sondern lediglich um eine Empfehlung, mit der ein Patient zum Beispiel einen Sportkurs oder eine Ernährungsberatung bei seiner Krankenkasse beantragen kann. Die ärztliche Präventionsempfehlung ist von der Krankenkasse zu berücksichtigen, wenn sie über den Leistungsanspruch eines Versicherten entscheidet.

Bei seiner Kasse erfährt der Versicherte auch, welche Angebote diese bereithält und finanziell fördert. Die Krankenkassen stehen daher in der Pflicht, möglichst regional gut erreichbare Angebote bereitzustellen. Sie können dazu auch entsprechend zertifizierte Leistungen (Kurse) zum Beispiel des organisierten Sports oder der Fitnessstudios bezuschussen. Weiterhin müssen die Krankenkassen dafür sorgen, dass die Angebote zielgruppengenau sind und sich somit klar von Angeboten für gesundheitlich vorbelastete Versicherte abgrenzen. Die Präventionskurse im Handlungsfeld Bewegung stellen keinen Ersatz für Reha-Sport dar. Krankenkassen fördern ausschließlich zeitlich befristete Maßnahmen, der Versicherte muss gegenüber seiner Krankenkasse die regelmäßige Teilnahme an dem Kurs dokumentieren.

Wie bisher haben Versicherte weiterhin die Möglichkeit, auch ohne ärztliche Präventionsempfehlung entsprechende Leistungen oder Zuschüsse bei ihrer Krankenkasse zu beantragen. Pro Jahr werden nach dem gültigen Leitfaden des GKV-Spitzenverbandes zwei Kurse für einen Versicherten bezuschusst.

Ein erster Schritt zu mehr Verhaltensprävention

Aus Sicht der Bundesärztekammer kann die in dieser Form vorliegende Präventionsempfehlung aber nur ein erster Schritt zu mehr Verhaltensprävention sein. Sie fordert statt einer bloßen Präventionsempfehlung für zertifizierte Angebote der Krankenkassen – wie im Gesetz vorgesehen − ein umfassendes ärztliches Präventionsmanagement. Dazu gehören eine Exploration gesundheitlicher Belastungen, eine ärztliche Beratung und Begleitung von Präventionsaktivitäten auch außerhalb der von Krankenkassen bezuschussten Kursangebote und die Bewertung ihrer Wirksamkeit. Zusätzliche ärztliche Leistungen sind bei der Honorierung dann entsprechend zu berücksichtigen. Die Bundesärztekammer stüzt sich mit ihrer Kritik auf entsprechende Beschlüsse des 117. Deutschen Ärztetages 2014 in Düsseldorf, in der die Prävention als integraler Bestandteil ärztlicher Tätigkeit definiert wurde.

Dr. med. Oliver Funken ist Vorsitzender des Ausschusses Prävention und Gesundheitsberatung der Ärztekammer Nordrhein. Zum Thema lesen Sie auch einen Beitrag in Heft 7/2014, Seiten 12 ff. (818,49 KB)  des Rheinischen Ärzteblatts.

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letzte Änderung am: 22.12.2016



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