Gangstörung, Immobilität im Alter und Sarkopenie

Diagnostische und therapeutische Überlegungen - Folge 54 der Reihe "Zertifizierte Kasuistik"

von Michael Kowar, Kai Wilhelm und Andreas H. Jacobs

Anamnese

Die Einweisung des 74-jährigen Patienten in die geriatrische Klinik erfolgte durch den Hausarzt aufgrund einer zunehmenden Immobilität seit mehreren Monaten. Der Patient gibt an, seit mehreren Wochen bettlägerig zu sein. Über eine Gangunsicherheit mit rezidivierenden Stürzen habe sich schleichend die Bettlägerigkeit entwickelt. Zuletzt sei es zu Ulzerationen im Bereich der Füße gekommen. Diesbezüglich erfolgte vor drei Monaten ein Aufenthalt in einer Gefäßchirurgie mit der Einweisungsdiagnose: „periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) im Fontainestadium 1“. Ein „Lymphödem“ werde seit Jahren mittels Lymphdrainage therapiert. An weiteren Vorerkrankungen ist ein chronisches Vorhofflimmern (VHF), eine ethyltoxische Leberzirrhose Child A und eine Prostatahyperplasie bekannt.

Körperliche Untersuchung

Patient in reduziertem Allgemeinzustand und adipösem Ernährungszustand bei gleichzeitigen Zeichen der Sarkopenie (Abbau von Muskelmasse). Transfer und Gang sind nicht möglich. Es bestand eine Lippenzyanose, mittelgradig ausgeprägte Beinödeme und offene Ulzerationen der Fußknöchel beidseits. Neurologisch bei schwachen Muskeleigenreflexen beidseits lagen die Zeichen eines inkompletten Querschnittssyndroms mit einer linksbetonten Paraparese vom Kraftgrad 3 bis 4 mit Spitzfußstellung links und Supinationsstellung rechts ohne Hinweis auf sensible Höhe vor. Psychisch war der Patient allseits orientiert mit Verlangsamung von Auffassung und Denkabläufen.

Labor

Pro-BNP 16.730 pg/ml, pO2 56 mmHg, pCO2 44 mmHg, pH 7,447, Base excess 0, weitere Routinelaborparameter einschließlich Vitamin B12, Folsäure und Schilddrüsenfunktionswerte im Normbereich.

Röntgen-Thorax

Herz global vergrößert. Unterlappenteila(dys)telektase, kein Pleuraerguss, ältere Rippenserienfraktur links.

Transthorakale Echokardiographie

Normfrequentes VHF, kein Perikarderguss, Herzhöhlen global vergrößert (LVedd 60 mm). Keine Myokardhypertrophie (IVSed 9 mm). Global deutlich hypokinetischer linker Ventrikel mit hochgradig reduzierter systolischer Pumpfunktion (EF n. Simpson 15 %). Aortenklappe kalzifiziert ohne höhergradiges Vitium. Reduzierte RV-Funktion (TAPSE = 9 mm).

Weitere radiologische Diagnostik

LWS: ausgedehnte degenerative Veränderungen mit Osteochondrose, Spondylarthrose und sekundärer Spinalkanalstenose. Baastrup-Syndrom der unteren LWS-Segmente.

MRT Schädel: Mikroangiopathische Veränderungen. Kein Nachweis einer cerebralen Raumforderung. Kein Normaldruckhydrozephalus (NPH)-typischer Befund (Abbildung 1A).

MRT LWS: Lumbale Spinalkanalstenose (Abbildung 1B).

MRT Schädel Quelle: Johanniter Krankenhaus Bonn

 Bildgebende Diagnostik des 74-jährigen Patienten mit multifaktoriell bedingter Immobilität. Im MRT Schädel (Abb. 1A) Zeichen der subkortikalen arteriosklerotischen Encephalopathie (SAE) als häufigste Ursache einer „higher level gait disorder“.


MRT Myelon Quelle: Johanniter Krankenhaus Bonn

Im MRT des Myelons (Abb. 1B) Zeichen einer fortgeschrittenen lumbalen Spinalkanalstenose mit linksbetonter Bandscheibendegeneration auf Höhe LWK 4/5. Abbildungen: Johanniter Krankenhaus Bonn.

Dr. med. Michael Kowar ist Oberarzt der Klinik für Geriatrie mit Neurologie und Tagesklinik; Professor Dr. med. Kai Wilhelm arbeitet als Chefarzt der Abteilung für Radiologie und Professor Dr. med. Andreas H. Jacobs ist Chefarzt der Klinik für Geriatrie mit Neurologie und Tagesklinik jeweils am Johanniter Krankenhaus Bonn.

Professor Dr. Malte Ludwig ist Chefarzt der Abteilung Angiologie und Phlebologie sowie Leiter des Gefäßzentrums Starnberger See am Benedictus Krankenhaus Tutzing. Er koordiniert und begleitet die Reihe inhaltlich.

Kurzanleitung zur „Zertifizierten Kasuistik“

 

Hinweis: Die 2 Fortbildungspunkte können über das System des Einheitlichen Informationsverteilers (EIV) Ihrem Punktekonto bei der Ärztekammer gutgeschrieben werden. Es werden Ihre Einheitliche Fortbildungsnummer, die Veranstaltungsnummer und die Anzahl der Punkte übermittelt.

via Rheinisches Ärzteblatt

Im ersten Rheinischen Ärzteblatt des Quartals werden jeweils veröffentlicht: der einführende Artikel zum Thema, der Fragenkatalog und die Lernerfolgskontrolle mit Bescheinigung.

Ausführliche Informationen zur Differenzialdiagnostik werden im Internet www.aekno.de/aktuelle_ausgabe im Anschluss an den Artikel veröffentlicht.

Zum Erwerb der Fortbildungspunkte müssen mindestens 70 Prozent der Fragen richtig beantwortet werden. In dem Fall können die Fortbildungspunkte über den Elektronischen Informationsverteiler (EIV) dem elektronischen Punktekonto des Arztes bei seiner Ärztekammer automatisch gutgeschrieben werden, falls die Einheitliche Fortbildungsnummer/Barcode auf die Lernerfolgskontrolle aufgeklebt und damit das Einverständnis zur Datenübermittlung dokumentiert worden ist.

Einsendeschluss: Die Lernerfolgskontrolle muss spätestens bis Mittwoch, 29. November 2017 per Fax oder per Post eingegangen sein (Poststempel). Fax: 0211 4302-5808, Postanschrift: Nordrheinische Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung, Tersteegenstr. 9, 40474 Düsseldorf.

Auflösung: im Rheinischen Ärzteblatt 12/2017 in der Rubrik Magazin.

via www.aekno.de

Die Zertifizierte Kasuistik findet sich auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein unter www.aekno.de/cme.

Anmeldung: Erstmalige Registrierung mit Nachnamen, Arztnummer, Einheitlicher Fortbildungsnummer (falls vorhanden) und einer aktuellen E-Mail-Adresse. An diese werden die Zugangsdaten geschickt. Die zukünftige Anmeldung erfolgt über Nachnamen und die per E-Mail übermittelte Benutzer-ID.

In dem geschlossenen Bereich finden sich

  • der einführende Artikel zum jeweiligen Thema,
  • die ausführlichen medizinischen Informationen und
  • der Fragekatalog inklusive Evaluation.

Die bisher veröffentlichten Kasuistiken der Reihe finden sich zu Übungszwecken unter www.aekno.de/cmetest.


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letzte Änderung am: 27.09.2017



Ärztliche Flüchtlingshilfe

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Rheinisches Ärzteblatt

Heft 11/2017

Titel 11/2017 Titelgestaltung: Eberhard Wolf

Titelthema

Ärztliche Kommunikation als medizinisches Handeln

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Ärztin spricht mit Patientin Foto: Westend61/fotolia.com 

Mitte September fand das Kammersymposium zur Arzt-Patienten-Kommunikation statt.

Die Vorträge stehen nun für Interessierte bereit

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