Gut beraten mit der Ärztekammer Nordrhein

Mehr als 200 junge Ärztinnen und Ärzte folgten der Einladung ihrer Ärztekammer und informierten sich an einem Beratungstag über viele Aspekte ihres Berufs und besondere Vorteile, die sich aus der Kammermitgliedschaft ergeben.

von Bülent Erdogan

Mitarbeiter der Ärztekammer Nordrhein im Gespräch mit jungen Ärztinnen und Ärzten Foto: Jochen Rolfes

Viel Arbeit, viel Freude: Ganz nach dem Geschmack der Mitarbeiter der Hauptstelle bildeten sich zu Beginn des Beratungstags regelrecht Schlangen am Empfang. 17 Infostände, interessante Vorträge, die daran anschließenden Workshops sowie ein Niederlassungsseminar der Kollegen der KV Nordrhein sorgten für einen profunden inhaltlichen Input, für das leibliche Wohl sorgte die Kammer mit einem Brunch-Buffet. Am Stand der Meldeabteilung (kleines Foto) konnten die Teilnehmer ihren elektronischen Arztausweis im Chipkartenformat beantragen
und gleich mitnehmen. Foto: Jochen Rolfes

War es das eher maue Wetter? Oder die intensive Werbung? Oder das umfassende Info-Angebot mit Vorträgen, Ständen und Workshops? Schon eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn wurde den Mitarbeitern der Hauptstelle jedenfalls klar, dass der diesjährige Beratungstag der Ärztekammer Nordrhein im Haus der Ärzteschaft das Interesse vieler junger Ärztinnen und Ärzte geweckt hatte. Entsprechend lang waren die Schlangen an der Anmeldung. Entsprechend zufrieden waren die Verantwortlichen an den insgesamt 17 gut besuchten Infoständen über den Anklang, den sie mit ihrem Programm am letzten Samstag im September unter den jungen Medizinern gefunden hatten. Entsprechend gefüllt war schließlich auch der große Veranstaltungssaal, in welchem Kammerpräsident Rudolf Henke den ärztlichen Nachwuchs begrüßte.

„Ich freue mich über die große Resonanz mit mehr als 250 Anmeldungen“, sagte Henke, der sogleich einen Bogen schlug zu den Anfängen seiner Arztlaufbahn: Die Situation der Ärzteschaft habe sich in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten sehr zugunsten der heutigen Medizinergeneration gewandelt. Als er selbst ein junger Arzt gewesen sei, habe er einen Ausschuss bei der Kammer geleitet, dessen Titel „Ärztliche Arbeitslosigkeit“ gelautet habe. Damals habe man zum Beispiel erörtert, wie man als Schiffsarzt anheuern oder in einem städtischen Bauamt als Experte für Umweltmedizin einen Job ergattern könnte, wenn es mit der Stelle in der Klinik nicht klappen sollte.

Ärztinnen und Ärzte beim Beratungstag im Haus der Ärzteschaft Foto: Jochen Rolfes

Foto: Jochen Rolfes

In der heutigen Zeit ärztlicher Vollbeschäftigung, deutete Henke auf die Moderatorin der Einführungsveranstaltung, Kammervorstandsmitglied Dr. Anja Mitrenga-Theusinger M. Sc., versuche die Ärztekammer mit dem von der Kollegin geleiteten Ausschuss „Junge Ärztinnen und Ärzte, Ärztliche Arbeitsbedingungen“, die ärztliche Lebenswelt vor dem Hintergrund eines Ärztemangels so mitzugestalten, dass die nachwachsenden Generationen nicht in arztferne Tätigkeiten abwandern. Zu diesem Gestaltungswillen gehört neben der Beschäftigung mit den (teils weiterhin schwierigen) Arbeitsbedingungen zum Beispiel auch der Blick auf die ärztliche Gesundheit – oder den weiter steigenden Anteil von Ärztinnen in der Ärzteschaft, wie er sich auch am Beratungstag deutlich widerspiegelte.

Lassen Sie sich die einzelnen Abschnitte von Ihrem Weiterbilder abzeichnen

Karl-Dieter Menzel, Leiter der Weiterbildungsabteilung, stellte die Grundlagen der Weiterbildung in Nordrhein vor. Dabei hob er insbesondere darauf ab, was Ärztinnen und Ärzte, die ihre Weiterbildung absolvieren, selbst tun können und sollten, um diese berufliche Phase von mindestens 60 Monaten auch mit Blick auf die Zulassungsvoraussetzungen zur Facharztprüfung zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Dazu gehöre zum Beispiel, sich einen Überblick über den Umfang der Befugnis eines Weiterbilders zu schaffen. Bei den einzelnen Weiterbildungsabschnitten handele es sich in aller Regel um mindestens sechsmonatige Phasen. „Wenn Ihnen nicht passt, was Sie zurzeit machen und Sie die Stelle wechseln möchten, dann halten Sie zumindest sechs Monate aus, damit Ihnen diese Zeit für die Weiterbildung nicht verloren geht.“ Ärzte während der Weiterbildung sollten darauf achten, für jeden absolvierten Abschnitt ein Zeugnis zu erhalten. Das obligatorische Logbuch zur Weiterbildung sollte vom Weiterzubildenden selbst geführt werden, so Menzel: „Lassen Sie sich die einzelnen Abschnitte von Ihrem Weiterbilder abzeichnen.“ Menzel verwies auf die hohe Bestehensquote von circa 95 Prozent bei den Facharztprüfungen in Nordrhein, die als halbstündiges kollegiales Fachgespräch organisiert sind. „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf dem Weg zum Facharzt“, sagte Menzel.

Dr. Anja Mitrenga-Theusinger M. sc. Foto: Jochen Rolfes

Moderierte die Veranstaltung im Haus der Ärzteschaft wie gewohnt in
souveräner Manier: Dr. Anja Mitrenga-Theusinger M. sc., Leitende Oberärztin
am Klinikum Leverkusen und Vorstandsmitglied der Ärztekammer Nordrhein.
Foto: Jochen Rolfes

Anhand von elf Fall-Beispielen stellte Dr. iur. Dirk Schulenburg, MBA, Justiziar der Ärztekammer Nordrhein, die juristischen Beratungsleistungen der Rechtsabteilung vor. Kammermitglieder können sich in allen rechtlichen Belangen rund um ihre Berufsausübung an ihre Ärztekammer wenden. In vielen Fällen, als Beispiele seien der Mietvertrag für die Praxis (Stichwort: Konkurrenzschutz im Ärztehaus), die Kooperation mit anderen Ärzten oder Kliniken (Stichwort: Antikorruptionsgesetz) oder die Beteiligung an der Privatliquidation genannt (Stichwort: Berufsrecht), kann eine fundierte Auskunft Gold beziehungsweise Geld wert sein. Lediglich die Vertretung vor Gericht ist nicht Bestandteil des umfassenden Serviceangebots der Rechtsabteilung. „Wir bieten Ihnen eine rechtliche Orientierung, wir beraten Sie“, sagte Schulenburg: „Auch ob Sie besser einen Rechtsanwalt aufsuchen, das können wir Ihnen in der Regel sagen.“ Das Beratungsangebot der Ärztekammer für ihre Mitglieder ist zudem kostenlos.

Dr. iur. Steffen Breuer, Leiter des Geschäftsbereichs I der Nordrheinischen Ärzteversorgung (NÄV), stellte die berufsständische Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrente vor. Anders als in der Deutschen Rentenversicherung (DRV), die eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren voraussetzt, besteht der Rentenversicherungsschutz bei der Nordrheinischen Ärzteversorgung schon ab dem ersten Beitragsmonat, sagte Breuer. Das hat auch entscheidende Bedeutung für die Absicherung im Falle der Berufsunfähigkeit: sie ist ebenfalls ab der ersten Beitragszahlung versichert. Breuer: „Darüber hinaus gewährt die Nordrheinische Ärzteversorgung uneingeschränkten Berufsschutz.“ Ist die Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit auf Dauer unmöglich, liegen die Voraussetzungen für die Gewährung einer Berufsunfähigkeitsrente vor. Eine Verweisungstätigkeit außerhalb des ärztlichen Berufsbildes wird den Mitgliedern nicht zugemutet. Allerdings kann innerhalb des ärztlichen Berufsbildes auf andere ärztliche Tätigkeiten verwiesen werden.

Da Ärztinnen und Ärzte unabhängig von einer Mitgliedschaft bei der gesetzlichen Rentenversicherung Pflichtmitglied beim ärztlichen Versorgungswerk ihrer Ärztekammer sind, empfiehlt es sich, sich im Falle einer angestellten Tätigkeit von der Deutschen Rentenversicherung befreien zu lassen, da andernfalls in jedem Fall ein zusätzlicher (Mindest-)Beitrag an das Versorgungswerk zu zahlen ist – zumal das Rentenniveau der NÄV bei gleicher Beitragszahlung deutlich über dem der gesetzlichen Rente liege, so Breuer. Voraussetzung
für die Befreiung von der gesetzlichen Rente sei, dass Ärzte bei der DRV fristwahrend einen Befreiungsantrag stellen – und den Antrag jedes Mal neu stellen, wenn sie den Arbeitsplatz wechseln, auch innerhalb der Klinik.

"Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit (...)" (Art. 24 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)

Dr. Christiane Groß, Vorstandsmitglied der Kammer und Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, lenkte den Blick der Zuhörer schließlich auf das Thema ärztliche Gesundheit. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 postuliere in Artikel 24: „Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub“, so Groß. Die Wirklichkeit in Klinik und Praxis sieht nach den Worten der Allgemeinärztin und Ärztlichen Psychotherapeutin indes oft anders aus: So kämen Ärzte durchschnittlich auf Wochenarbeitszeiten von 50 Stunden. Erhebungen zufolge müsse davon ausgegangen werden, dass sich bis zu 40 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in einer Burnout-Situation befinden. Groß zitierte eine anonyme Ärztin: „Fast zwei Jahre lang hatte ich höchstens ein freies Wochenende pro Monat und ständig Nachtschicht. Ich habe als Internistin in einem Krankenhaus in (…) gearbeitet. Wenn auf meiner Station ein Kollege krank war, haben wir keinen Ersatz bekommen. Dann mussten wir mit anderthalb Stellen die Arbeit von zweieinhalb machen. In dieser Zeit hatte ich fast kein soziales Leben mehr. Tagsüber habe ich geschlafen, nachts gearbeitet. Ich habe meine Freunde kaum noch gesehen, musste das Tanzen aufgeben und war oft zu müde zum Kochen.“ Ausgerechnet diejenigen Berufe, die sich um die Gesundheit der Gesellschaft kümmern, so Groß, unterlägen großen psychischen Belastungen. Sie forderte die anwesenden Kolleginnen und Kollegen dazu auf, trotz aller beruflichen Anforderungen unbedingt an Freundschaften und Kontakten festzuhalten, Gemeinschaft zu leben, Hobbys zu pflegen und Rollenstereotypen aufzubrechen. Hilfreich sei zum Beispiel, Kliniken mit flexiblen Teilzeitlösungen als Arbeitgeber auszusuchen, Verträge zu verhandeln und auf die Einhaltung vereinbarter Arbeitszeiten zu dringen.

Die Zukunft im Blick

Philipp Linde Foto: Jochen Rolfes

Foto: Jochen Rolfes

Bereits im Vorfeld hatte ich mich über den Veranstaltungsort des Beratungstages, das Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf-Golzheim, informiert: 32.900 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, die circa fünf Fußballfeldern entsprechen, für die Büros der KV, Ärztekammer und Ärzteversorung.

Bei meiner Ankunft am frühen Samstagmorgen bin ich dann wirklich von der imposanten Größe und modernen Architektur positiv überrascht worden. Mich hat noch viel mehr begeistert, dass viele andere jungen Ärztinnen und Ärzte ebenfalls den Weg in die Rheinmetropole angetreten haben – dazu noch einige ehemalige Kommilitonen, über deren Wiedersehen ich mich besonders gefreut habe. Jeder einzelne der hier gehaltenen Kurzvorträge konnte inhaltlich an meine stillen Fragen anknüpfen: Wo finde ich Informationen zur Weiterbildung? Kenne ich Maßnahmen zur Erhaltung meiner persönlichen Gesundheit? Weiß ich, ab wann ich Fortbildungspunkte sammeln muss? Gebündelt finden sich ähnliche Fragen in einem praktischen Checkheft der Ärztekammer Nordrhein, um sich auch noch nach dem Beratungstag möglichst effektiv und erfolgreich orientieren zu können.

Neben der Beantwortung fast aller meiner Fragen kann ich als besonders beruhigend für mich feststellen, dass ich nun weiß, welch solide Organisation aus erfahrenen Kolleginnen und Kollegen hinter uns jungen Ärztinnen und Ärzten steht, die uns zukünftig mit Rat und Tat zur Seite stehen werden – und dabei immer die Zukunft im Blick haben.

Philipp Linde, Köln


  Zum Seitenanfang

letzte Änderung am: 30.10.2017



Ärztliche Flüchtlingshilfe

Flüchtlinge in Deutschland Foto: picture alliance/AP Images/Hussein Malla

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 11/2017

Titel 11/2017 Titelgestaltung: Eberhard Wolf

Titelthema

Ärztliche Kommunikation als medizinisches Handeln

 aktuelle Ausgabe

Dokumentation Kammersymposium zur Arzt-Patienten-Kommunikation

Ärztin spricht mit Patientin Foto: Westend61/fotolia.com 

Mitte September fand das Kammersymposium zur Arzt-Patienten-Kommunikation statt.

Die Vorträge stehen nun für Interessierte bereit

interner Link Dokumentation

Materialbestellung

Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

Interner Link Materialbestellung

Logo Cochrane Library
Jobbörse für MFA
Screenshot Jobbörse

Suchen Sie eine neue Praxis-Mitarbeiter/in oder haben Sie einen Ausbildungs- / Praktikums- / Hospitationsplatz frei? Über die Jobbörse auf unserer Homepage haben Sie die Möglichkeit, schnell und kostenlos ein Inserat aufzugeben. Auch Job-Suchende können hier eine Anzeige schalten.

interner Link Jobbörse

Critical Incident Reporting System NRW. Melde- und Lernsystem für medizinische Beinahe-Fehler für NRW.

 Internetlink www.cirs-nrw.de

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen

Wir befolgen den HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen.
Kontrollieren Sie dies hier.


Medisuch-Siegel

Die Medizinsuchmaschine "Medisuch" bestätigt der Ärztekammer Nordrhein, dass die Homepage ohne kommerzielle Einflussnahme erstellt ist.

Video über die Ärztekammer Nordrhein
Screenshot-Image-Video

Video (7 Minuten): Die Aufgaben der Ärztekammer Nordrhein

Interner Link Imagevideo