„Kinder sind unschlagbar“: Gesundheitliche Folgen häuslicher Gewalt bei Kindern

Häusliche Gewalt bei Kindern hat viele Facetten – sie reicht von Vernachlässigung über körperliche und seelische Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch. Betroffene Kinder sind darauf angewiesen, dass Erwachsene ihre Situation erkennen und den Mut haben, Hilfe zu organisieren. Dabei ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit besonders wichtig. Eine Fachtagung der Ärztekammer Nordrhein in Krefeld hat die körperlichen und seelischen Folgen häuslicher Gewalt unter die Lupe genommen und die Netzwerkangebote vor Ort vorgestellt.

von Ulrike Schaeben

Referenten und Organisatoren der Fachtagung Foto: Ulrike Schaeben

Gemeinsam gegen häusliche Gewalt an Kindern: Bürgermeisterin Gisela Klaer (li.),
Kreisstellenvorsitzender Dr. Knut Krausbauer (Mitte), Sprecherin der AG Häusliche
Gewalt und Gesundheit Silvia Hellfeier (2. v.r.), Referentinnen und Referenten der
Fachtagung. Foto: Ulrike Schaeben

Traurige Realität in Deutschland: Kindesmisshandlung ist die häufigste Todesursache für Kinder im zweiten Lebenshalbjahr, zwei bis drei Kindstötungen pro Woche sind zu beklagen. Misshandlungen finden meist im vermeintlichen Schutzraum der Familie statt. Die körperlichen und seelischen Folgen können sich bis ins Erwachsenenalter erhalten, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird.

Ärztinnen und Ärzte spielen im Kinderschutz durch den direkten Patientenkontakt eine besondere Rolle, doch häufig besteht Unsicherheit, welche weiteren Maßnahmen in einem Verdachtsfall einzuleiten sind.

Die Stadt Krefeld hat ein Netzwerk aufgebaut, durch das die behandelnden Ärztinnen und Ärzte und ihre Patienten in einem geschützten Raum begleitet werden können. Auf der von der Arbeitsgruppe „Häusliche Gewalt und Gesundheit“ in Krefeld initiierten Tagung „Gesundheitliche Folgen häuslicher Gewalt bei Kindern“ am 14. Oktober stellte sich dieses Netzwerk den am Kinderschutz beteiligten Berufsgruppen vor.

Die Veranstaltung gab einen tiefen Einblick in die körperlichen und seelischen Folgen, die häusliche Gewalt bei Kindern und Jugendlichen auslösen kann. Im Fachvortrag von Dr. Katharina Ketteler, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Marienhospital Witten, und Dr. Elke Otto, Rechtsmedizinerin an den Sana Kliniken Duisburg, ging es vor allem darum, die Teilnehmer für Anzeichen von häuslicher Gewalt an Kindern zu sensibilisieren und ihnen praktische Hilfen für Diagnostik und Dokumentation an die Hand zu geben. Wann sollten die Alarmglocken schrillen, auf welche klinischen Hinweise ist zu achten, an welche Differenzialdiagnose zu denken? Wie sollte die Fotodokumentation beschaffen sein, um eine sichere gutachtliche Einschätzung zu ermöglichen?

Anhand von Fallbeispielen wurde interaktiv erarbeitet, wie Misshandlungen anhand der – nicht immer eindeutigen – Symptome von Krankheiten, Spiel- oder Unfallverletzungen abzugrenzen sind. Kinderschutz ist oft eine Gratwanderung: Einerseits gilt es wachsam zu sein, anderererseits ist Vorsicht vor Überdiagnose oder Fehlschlüssen geboten.

Ana Novo y Fernandez von der psychotraumatologischen Ambulanz für Kinder und Jugendliche der Alexianer Krefeld GmbH referierte zu den Entstehungsfaktoren und Folgen seelischer Verletzungen bei Kindern. Traumafolgestörungen zu erkennen und sie gegen Krankheitsbilder wie ADHS abzugrenzen sei oft schwierig: „Wenn Sie mit Symptomen konfrontiert sind, die auf Traumafolgen hindeuten, seien Sie achtsam. Nehmen Sie alle Informationen auf und setzen Sie die ‚Traumabrille‘ auf, um diese zu bewerten.“

Im Praxis-Talk mit Vertretern des Kinder- und Jugendschutzes wurde deutlich, wie das interdisziplinäre Krefelder Netzwerk Ärztinnen und Ärzte in ihrer Gefährdungseinschätzung beratend unterstützen kann. Doch nicht nur die Angebote im Bereich der Intervention waren Thema der Tagung, sondern auch die Prävention durch Frühe Hilfen für Familien vor Ort.

Bürgermeisterin Gisela Klaer ermutigte die Teilnehmer, trotz steigender Fallzahlen nicht aufzugeben: „Ihre Erfahrungen in den Fachberatungs- und Anlaufstellen lehren uns, dass Gewalt in Familien viele Gesichter hat und ebenfalls ein Phänomen aller Schichten ist. Es ist ein Problem, das uns alle angeht, sei es als Nachbarn, als Lehrer, als Verwandte. Effektiver Kinderschutz kann nur im vertrauensvollen Miteinander und in gegenseitiger Akzeptanz und Wertschätzung aller Fachdisziplinen und Hilfesysteme gelingen. Kinderschutz braucht starke Netze.“

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letzte Änderung am: 26.10.2017



Ärztliche Flüchtlingshilfe

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Rheinisches Ärzteblatt

Heft 11/2017

Titel 11/2017 Titelgestaltung: Eberhard Wolf

Titelthema

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