Stürze und Knochenbrüche bei alten Menschen durch Training von Kraft und Balance vermeiden − Modellprojekt der Ärztekammer Nordrhein mit Hausärzten und Betriebskrankenkassen

Krafttraining mit 85

Düsseldorf, 8.8.2007. Die Zahl von Hüftbrüchen bei alten Menschen ist in Nordrhein-Westfalen nach einer Studie der Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 15 Prozent gestiegen.

Um diesen Trend zu brechen hat die ÄkNo jetzt ein neues Modellprojekt zur Vermeidung von Stürzen und Hüftbrüchen bei zu Hause lebenden alten Menschen aufgelegt - mit Beteiligung der Hausärzte und Unterstützung des BKK-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, des BKK-Bundesverbandes und der BKK Deutsche Bank.

Die Kurse zum Training von Kraft und Balance laufen zurzeit in Seniorenbegegnungsstätten in Düsseldorf und werden überregional ausgeweitet. „Die Aufklärungs- und Trainingsprogramme von ÄkNo und BKK verfolgen das Ziel, die Zahl der Stürze alter Menschen zunächst um 10 bis 20 Prozent zu reduzieren“, sagte der Vizepräsident der ÄkNo, Dr. Arnold Schüller, 8. August 2007 in Düsseldorf.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland über 100.000 ältere Menschen bei Stürzen einen Hüftbruch, wie die ÄkNo-Studie zeigt. Allein in Nordrhein-Westfalen waren im Jahr 2004 rund 22.000 Senioren betroffen.

Schon durch die unmittelbare medizinische Behandlung von Hüftverletzungen entstehen nach Angaben von Theo Giehler, Vorstandsmitglied des BKK-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, bundesweit Kosten von über einer Milliarde Euro pro Jahr. Dabei sind Kosten zum Beispiel für die medizinische Rehabilitation oder Leistungen der Pflegeversicherung noch gar nicht mit eingerechnet.

20 Prozent der betroffenen Senioren werden auf Dauer pflegebedürftig. Etwa die Hälfte der über 65 Jahre alten Menschen erlangt nach einem Hüftbruch die ursprüngliche Beweglichkeit nicht mehr zurück. Neben diesem Mobilitätsverlust führt auch die Angst vor erneuten Stürzen zu einem enormen Verlust an Lebensqualität.

Besonders stark gefährdet sind Menschen mit Balance- und Gangstörungen, an die sich das neue Programm von ÄkNo und BKK richtet. Deren erhöhtes Sturzrisiko können Hausärzte in der Praxis mit Hilfe des so genannten hausärztlich-geriatrischen Basisassessments, das aus einfachen Untersuchungen besteht, rechtzeitig feststellen.

„Hausärzte können ihre Patientinnen und Patienten dann zur Teilnahme am Kraft- und Balancetraining zur Vermeidung von Stürzen motivieren“, sagte Dr. Andre Schumacher vom Vorstand des Hausarztnetzes Düsseldorf. Nach seinen Angaben haben jetzt schon über die Hälfte der rund 400 Düsseldorfer Hausärzte Informationen zu den Trainingskursen angefordert.

Bereits Anfang 2004 hatte die ÄkNo im Rahmen ihrer Initiative „Gesund und mobil im Alter“ das Projekt „Sturzprävention in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen“ gestartet, das ebenfalls von den Betriebskrankenkassen gefördert wird. Die Vermeidung von Stürzen bei alten Menschen ist auch einer von vier Schwerpunkten im Präventionskonzept des Landes Nordrhein-Westfalen.

Informationsflyer zum Projekt mit Kursorten und Kontaktdaten in Düsseldorf (427 KB)


Sturzprävention Beispiel
1,06 MB

Sturzprävention Beispiel
273 KB

ÄkNo/BKK


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letzte Änderung am: 24.09.2010



Rheinisches Ärzteblatt
Heft 3/2013

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