Jörg-Dietrich Hoppe wird 65

Düsseldorf, Berlin, 24.10.2005. Als „Antifunktionär“, den eine „Mischung aus Chuzpe, Charme, Understatement und Hartnäckigkeit“ charakterisiert, beschrieb ihn Kritiker „Momo“ in der Zeit nach einem Fernsehauftritt im Jahre 1984. Das passt noch heute gut auf Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, der als Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages seit 1999 Spitzenvertreter der fast 400.000 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ist. Am Montag, 24. Oktober 2005, vollendet Hoppe, der seit 1993 auch Präsident der Ärztekammer Nordrhein ist, sein 65. Lebensjahr.

Der Umgangston des Ärztepräsidenten, sei es in Reden oder im persönlichen Gespräch, ist stets freundlich und verbindlich, wie es seinem Streben nach Ausgleich entspricht. Aber er scheut sich auch nicht, in Zeiten der heftigen Auseinandersetzungen über den Kurs der Gesundheitspolitik auf beharrliche und gelegentlich sogar provokante Art das Recht des einzelnen Patienten auf eine gute ärztliche Versorgung einzufordern und die berufspolitischen Interessen der Ärzteschaft zu vertreten.

Dabei schreckt Hoppe vor der offenen Auseinandersetzung nicht zurück. Die Politik der Gesundheitsminister − von Horst Seehofer über Andrea Fischer bis hin zu Ulla Schmidt − kritisierte der Kammerpräsident als kurzatmige Kostendämpfungspolitik. Deshalb förderte er das „Bündnis Gesundheit 2000“, ein breites Bündnis aller Gesundheitsberufe für eine patientengerechte Gesundheitsreform.

Die jüngste Gesundheitsreform, das GKV-Modernisierungsgesetz, führt nach Hoppes Analyse zu einer verschärften schleichenden Rationierung von Gesundheitsleistungen für gesetzlich Krankenversicherte. Der Ärztepräsident warnt vor einer „Ökonomisierung“ des Gesundheitswesens, die den Arzt zu einem „durch Leitlinien und Therapievorschriften gelenkten umfassend überwachungsbedürftigen Medizindienstleister macht, der den Träger einer Krankheit möglichst kostengünstig abzufertigen hat.“

Stetig kämpfte der Ärztepräsident gegen Bürokratisierungs- und Verstaatlichungstendenzen im deutschen Gesundheitswesen. Als ebenso wenig Erfolg versprechend sieht er Wettbewerbslösungen an. Vielmehr setzt Hoppe auf das bisher erfolgreiche Zusammenspiel der Ärzteschaft mit den Partnern in der Selbstverwaltung. Als Dreh- und Angelpunkt der medizinischen Versorgung sieht er die vertrauensvolle individuelle Patient-Arzt-Beziehung an, die nach seiner Auffassung von Rationierungsentscheidungen frei gehalten werden muss.

Früh hat sich Hoppe in der innerärztlichen Politik und der Gesundheitspolitik engagiert, so als Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen/Rheinland Pfalz (1976 bis 1991) und als Bundesvorsitzender (1979 bis 1989) des Marburger Bundes, dessen Ehrenvorsitzender er seither ist. Seit über drei Jahrzehnten setzt er sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Klinik und Berufschancen für junge Ärztinnen und Ärzte ein.

Ab Ende der 80er Jahre konzentrierte Hoppe sein berufspolitisches Engagement auf die Arbeit in der Ärztekammer und legte hier den Grundstein für seine heutige Stellung als Integrationsfigur der Ärzteschaft. Bei Interessengegensätzen zwischen Klinikärzten und niedergelassenen Ärzten sowie zwischen Hausärzten und Fachärzten ist der Kammerpräsident als Anwalt eines fairen Interessenausgleichs breit akzeptiert. Er strebt ein möglichst geschlossenes Auftreten der gesamten Berufsgruppe an, um so deren politische Einflussmöglichkeiten zu erhalten.

Seit 1975 war Hoppe Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, 1991 wurde er Vizepräsident der Bundesärztekammer. Er profilierte sich als Experte in Fragen der ärztlichen Aus- und Weiterbildung und machte sich auch auf europäischer Ebene einen Namen. In jüngerer Zeit widmet er sich der Unterstützung osteuropäischer Länder beim Aufbau eines selbstverwalteten Gesundheitswesens. Darüber hinaus nahm sich Hoppe ethischer und medizinisch-juristischer Fragen des Arztberufes an und trat als Gegner der aktiven Sterbehilfe hervor.

Jörg-Dietrich Hoppe wurde am 24. Oktober 1940 in Thorn/Weichsel als Sohn eines Studiendirektors geboren. Als Kind musste er mit den Eltern aus der Heimat fliehen und besuchte nach der Volksschule das St. Michael-Gymnasium in Münstereifel, später das humanistische Gymnasium in Köln-Mülheim. Anschließend studierte er Medizin an der Universität zu Köln. 1968 erhielt Hoppe seine ärztliche Approbation; 1975 wurde er Facharzt für Pathologie sowie Arzt für Allgemeinmedizin. Er war dann als Oberarzt am Pathologischen Institut der Städtischen Krankenanstalten Solingen tätig. Seit 1982 ist Hoppe Chefarzt des Instituts für Pathologie der Krankenhaus Düren gGmbH. Als Lehrbeauftragter unterrichtet er seit 1987 am Institut für Rechtsmedizin der Universität zu Köln, seit 1994 ist er Honorarprofessor an der Medizinischen Fakultät. Im Jahr 2002 verlieh ihm die rumänische Universität für Medizin und Pharmazeutik „Victor Babes“ in Timisoara einen Doktortitel ehrenhalber.

Seit 1966 ist der Kammerpräsident mit Erika Hoppe verheiratet. Er hat zwei Töchter und einen Sohn. Ursprünglich wollte er von Beruf Musiker werden; kein Wunder also, dass die klassische Musik Hoppes große Leidenschaft geblieben ist. Er besucht gerne Konzerte und spielt auch selbst Violine.

ÄkNo/BÄK

Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe


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letzte Änderung am: 30.09.2008



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