Stellungnahme zur kommerziellen Anwendung adulter Stammzellen

Die Ärztekammer Nordrhein warnt vor kommerzieller Therapie mit autologen Stammzellen

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Anbieter kommerzieller Stammzelltherapie zum Beispiel in Köln und Düsseldorf suchen vor allem über das Internet den Kontakt zu Patienten aus aller Welt mit einer Vielzahl von schweren und zum Teil unheilbaren Erkrankungen. Auf die Angst und Not dieser Menschen abzielend, bieten sie sehr teure Behandlungen an, deren Wirksamkeit bislang unzureichend geprüft wurde.

So soll die Transplantation von autologen Knochenmarksstammzellen bei so unterschiedlichen Erkrankungen wie

  • Amyotropher Lateralsklerose,
  • Alzheimer,
  • Arthrose,
  • Diabetes,
  • Erektionsstörungen,
  • frühkindlicher Hirnschädigung (Zerebralparese),
  • kardiovaskulären Erkrankungen,
  • Makuladegeneration,
  • Multipler Sklerose,
  • Parkinson-Krankheit,
  • Schlaganfall sowie
  • Verletzungen des Rückenmarks

zur Heilung kranken Gewebes beitragen.

Gesicherte medizinische Erkenntnisse über die Wirkungsweise und den Erfolg dieser Behandlungen bei den genannten Erkrankungen liegen bislang nicht vor. Die Kosten für diese Verfahren liegen bei vier- bis fünfstelligen Eurobeträgen.

Seriöse Wissenschaftler und medizinische Fachgesellschaften warnen nicht nur vor der fehlenden Wirksamkeit, sondern ausdrücklich auch vor den potentiell gefährlichen Nebenwirkungen dieser Therapie.

Bei den genannten Erkrankungen kann die Ärztekammer Nordrhein eine autologe Stammzelltherapie nicht empfehlen.

Was sind Stammzellen?

Stammzellen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich unbegrenzt vermehren und alle Zelltypen des Körpers (zum Beispiel Muskelzelle, Nervenzelle, Blutzelle) bilden können. Je nach Herkunftsort der Stammzellen unterscheidet man embryonale (aus dem Embryo), fetale (aus dem Fötus) und adulte  Stammzellen (von Säuglingen, Kindern und Erwachsenen). Adulte Stammzellen sind bisher in 20 Organen des Körpers, beispielsweise im Knochenmark, Blut, Gehirn und dem Nabelschnurblut nachgewiesen.

Die am längsten bekannten Quellen für adulte Stammzellen sind das Blut und das Knochenmark. Dort findet sich eine Stammzelle auf 10.000 Zellen, wobei eine Knochenmarksstammzelle das gesamte Blutsystem eines Organismus erneuern kann. Anders als embryonale Stammzellen haben adulte Stammzellen nach dem gegenwärtigen Forschungsstand ein eingeschränktes Entwicklungspotential, so ist ihre Vermehrbarkeit und ihre Lebensdauer begrenzt. Mit Hilfe von Wachstumsfaktoren können sie im Labor dazu angeregt werden, sich in spezialisierte Zellen zu entwickeln.

Wie weit ist die Behandlung mit adulten Stammzellen?

Stammzellen des Blutes können isoliert und dann in andere Organismen übertragen werden. Diese Eigenschaft ist die Grundlage für die bereits seit vielen Jahren erfolgreichen Transplantationen von blutbildenden Stammzellen aus dem Knochenmark zur Regeneration des Blutes bei bösartigen Blutkrankheiten, beispielsweise der Leukämie sowie anderen schweren Störungen des Blut- und Immunsystems.

Von autologer Stammzell-Transplantation spricht man, wenn es sich bei Spender und Empfänger um dieselbe Person handelt. Eine solche Transplantation kann notwendig werden, wenn zur Behandlung einer bösartigen Erkrankung eine aggressive Chemo- oder Strahlentherapie angewandt wird, die als Nebenwirkung zu einer bedrohlichen Schädigung des Knochenmarks führen kann. In diesem Fall können dem Patienten vor der eigentlichen Tumor-Behandlung Blutstammzellen seines eigenen Knochenmarks entnommen werden, welche ihm nach der schädigenden Therapie zurückgegeben werden. Ziel ist die Neu-Besiedelung des Knochenmarks mit eigenen Stammzellen, um so die körpereigene Produktion lebensnotwendiger Blutzellen zu ermöglichen.

Welche aktuellen Probleme gibt es bei dieser Form der Stammzellenbehandlung?
Welche Risiken hat sie?

Die Identifikation von organ- und gewebespezifischen Stammzellen im Organismus sowie ihre Gewinnung in einer ausreichenden Anzahl bereitet Probleme.

Nach Transplantation adulter Stammzellen in fremde Gewebe, zum Beispiel einer Knochenmarksstammzelle in den Herzmuskel, bilden die Stammzellen nicht alle typischen Merkmale dieser Gewebe aus, so dass sie die Funktion der normalen Organzellen nicht vollständig übernehmen können.

Die Regelmechanismen, welche die Stammzellen kontrollieren, sind sehr viel komplexer als bisher vermutet. Möglicherweise beruht in einigen Fällen die Wirkung der Behandlung eher auf der Anwendung von Wachstumsfaktoren zur Gewinnung der Stammzellen als auf ihrer Transplantation.

Auch besteht der Verdacht, dass transplantierte Stammzellen über weitere Zellsignale eine Fülle von Wirkungen entfalten, die bislang wenig beachtet wurden. Neuere Untersuchungen haben sogar gezeigt, dass adulte Stammzellen unter bestimmten Bedingungen auch Tumore auslösen können.

Fazit:

Die Ärztekammer Nordrhein kann eine autologe Stammzelltherapie bei Erkrankungen wie

  • Amyotropher Lateralsklerose,
  • Alzheimer,
  • Arthrose,
  • Diabetes,
  • Erektionsstörungen,
  • frühkindlicher Hirnschädigung (Zerebralparese),
  • kardiovaskulären Erkrankungen,
  • Makuladegeneration,
  • Multipler Sklerose,
  • Parkinson-Krankheit,
  • Schlaganfall sowie
  • Verletzungen des Rückenmarks

nicht empfehlen.


Weitere Informationen

PDF-Dokument Patientenhandbuch zur Stammzelltherapie (Kompetenznetzwerk Stammzellforschung NRW)

Internetlink Kompetenznetzwerk Stammzellforschung NRW

Medizinische Fachgesellschaften

Internetlink Guidelines for the Clinical Translation of Stem Cells (International Society for Stem Cell Research)

Internetlink DPG und DGN warnen vor Parkinson-Therapie mit adulten Stammzellen (Deutsche Gesellschaft für Neurologie)

Internetlink Erneute Warnung vor der Behandlung der Multiplen Sklerose mit intrathekalen Stammzellen (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft)

Deutsche Forschungsgemeinschaft

 Internetlink Was sind Stammzellen?

 PDF-Dokument Stammzellforschung in Deutschland - Möglichkeiten und Perspektiven (Seiten 21, 23-28)

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Internetlink Stammzelltherapie löst Tumore aus (Deutsches Ärzteblatt, 18.2.2009)

Internetlink Kardiologie: Adulte Stammzellen als Hoffnungsträger (Deutsches Ärzteblatt, 12.12.2003)

Internetlink Offshore stem cell treatments (Nature, 3.12.2008)

Internetlink Stem cell society condemns unproven treatments (Nature, 26.6.2008)

Internetlink Stem Cell Clinics Online: The Direct-to-consumer Portrayal of Stem Cell Medicine (Science Direct, 4.12.2008)

Allgemeine Publikationen

Internetlink Wissenschaftler warnen vor unseriösen Stammzelltherapien (Spiegel-Online, 5.12.2008)

Internetlink Forscher warnen vor Stammzelltourismus  (Focus-Online, 19.3.2009)

Internetlink "Rogue" stem cell clinics exploit hope: report (Reuters, 4.12.2008)

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letzte Änderung am: 30.01.2013



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