Meine erste Assistenzarztstelle

8 wichtige Punkte, die man beachten sollte

von Dr. med. Sabine Marten*

Inhaltsübersicht

Weiterbildungsszene
  1. Hat mein zukünftiger Chef die Weiterbildungsbefugnis, die ich brauche und auch in dem zeitlichen Umfang, den ich brauche?
  2. Welche Weiterbildungspunkte muss ich abgearbeitet haben und kann ich das in meiner zukünftigen Klinik?
  3. Wie lang ist der kürzeste Weiterbildungszeitraum, der mir anerkannt werden kann?
  4. Was mache ich, wenn mein Chef mir kein Zeugnis ausstellt
  5. Was passiert, wenn ich die Weiterbildung wegen Schwangerschaft oder Krankheit unterbrechen muss?
  6. Brauche ich die Fachkunde nach Röntgenverordnung?
  7. Wann darf ich „Notarzt fahren“?
  8. Ihre Ärztekammer Nordrhein

 

1. Hat mein zukünftiger Chef die Weiterbildungsbefugnis, die ich brauche und auch in dem zeitlichen Umfang, den ich brauche?

Es gibt nichts Ärgerlicheres, als nach Abschluss eines Weiterbildungsabschnittes zu erfahren, dass Zeiten wegen fehlender Befugnis nicht anerkannt werden oder man seinen Facharzt später machen muss, weil die Weiterbildungsbefugnis nicht ausreichte.

Hierzu zwei Beispiele:

Der Chef, bei dem man angefangen hat, hört plötzlich auf. Die Leitung wird von einem Oberarzt kommissarisch übernommen. Dieser erhält aber nur auf Antrag von der Ärztekammer eine kommissarische Weiterbildungsbefugnis für ein Jahr (Umfang wie der Vorgänger). Bei Chefarztwechsel sollte deshalb jeder Arzt in Weiterbildung frühzeitig nachfragen, wie es sich mit der Weiterbildungsbefugnis verhält. Wird sie nicht rechtzeitig auf andere Personen übertragen, können „Leerzeiten“ entstehen.

Ein Arzt in Weiterbildung möchte die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin machen. In einem Haus der Maximalversorgung fängt er an zu arbeiten. Er rotiert in drei Jahren durch alle Abteilungen der Inneren. Der Chef verspricht, dass der Kollege seine Weiterbildung in der Klinik beenden kann. Dies ist leider nicht richtig, da für diesen Facharzt 24 Monate in der ambulanten hausärztlichen Versorgung absolviert werden müssen.

Insofern sollte man sich frühzeitig über die Weiterbildungsinhalte und über die bestehenden Befugnisse informieren.

lokaler Link Weiterbildung

lokaler Link Weiterbildungsordnung

Telefonnummer 0211/4302 0

 

2. Welche Weiterbildungspunkte muss ich abgearbeitet haben und kann ich das in meiner zukünftigen Klinik?

Es ist wichtig, sich ständig mit der Weiterbildungsordnung auseinander zu setzten! Hier wird das Erlernen von Fähigkeiten verlangt, die unter Umständen nicht selbstverständlich erscheinen.

lokaler Link Weiterbildungsordnung Abschnitt B Gebiete, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen

Es könnte verhängnisvoll sein, erst kurz vor der Facharztprüfung die Weiterbildungsordnung zu lesen, um dann festzustellen, dass unter Umständen die Prüfung aufgrund fehlender Inhalte verschoben werden muss. Die Inhalte dienen dazu, eine qualifizierte Weiterbildung zum Facharzt zu gewährleisten.

Sowohl dem Weiterzubildenden als auch dem Weiterbildungsbefugten sollen deshalb die Logbücher als Leitfaden und Kontrolle für die zu erfüllenden Inhalte der Weiterbildungsordnung dienen. Die regelmäßig auf den aktuellsten Stand gebrachten Logbücher dienen dem kontinuierlichen Nachweis der Erfüllung der Weiterbildungsinhalte und bilden die Grundlage für das mindestens einmal jährlich zu führende Gespräch.

lokaler Link § 8 Dokumentation der Weiterbildung

 

3. Wie lang ist der kürzeste Weiterbildungszeitraum, der mir anerkannt werden kann?

Grundsätzlich muss man mindestens 6 Monate eine Vollzeitstelle oder mindestens ein ganzes Jahr eine Halbtagsstelle in Weiterbildung absolviert haben, um einen anerkennbaren Weiterbildungsabschnitt zu erwerben. Eine Ausnahme gibt es zur Zeit nur beim Facharzt für Allgemeinmedizin. Hier sind in bestimmten Fällen auch Abschnitte über drei Monate anrechenbar.

Beispiel:

Ein Arzt in Weiterbildung fängt in einer Klinik mit einer halben Stelle auf der Chirurgie an. Nach 9 Monaten kann er in einer anderen Klinik eine Vollzeitstelle antreten. Da die 9 Monate zu 50% nur 4,5 Vollzeitmonate ergeben, ist dieser Abschnitt gemäß der Weiterbildungsordnung nicht anrechenbar. Hier sollte der Arzt in Weiterbildung mindestens 12 Monate an der ersten Klinik bleiben, damit die 12 Monate zu 50 % 6 Vollzeitmonate ergeben.

Soll eine Weiterbildung in Teilzeit erfolgen, muss sie vor Antritt durch die Kammer genehmigt werden. Dabei ist eine Kopie des Arbeitsvertrages dem Antragsformular beizufügen.

Antrag auf Genehmigung einer Weiterbildung in Teilzeit (45,44 KB)

 

4. Was mache ich, wenn mein Chef mir kein Zeugnis ausstellt?

Jeder Chefarzt, der über eine Weiterbildungsbefugnis verfügt, ist verpflichtet, Ihnen zeitnah ein Weiterbildungszeugnis auszustellen. Kommt der Chef dieser Verpflichtung nicht von selbst nach, sollten Sie schriftlich mit Fristsetzung (4 Wochen) ein Zeugnis einfordern. Um Missverständnisse zu vermeiden, lassen Sie sich den Empfang des Schreibens vom Chefsekretariat bestätigen oder senden das Schreiben als Einschreiben mit Rückschein. Erfolgt keine Reaktion, schalten Sie die Ärztekammer ein. Diese wird dann weitere Schritte einleiten und Ihnen zu einem Zeugnis verhelfen.

Wieder ein Beispiel:

Drei Ärzte in Weiterbildung haben ihre erste Stelle angetreten. Nach drei Monaten scheidet der Chef plötzlich und unerwartet aus, um eine neue Stelle als Leitender Arzt in einem anderen Bundesland anzunehmen. Trotz mehrmaliger schriftlicher und mündlicher Aufforderung stellte der Chefarzt die Zeugnisse nicht aus. Die Ärzte hielten Rücksprache mit der Ärztekammer und schickten ein Einschreiben mit Rückschein an den Chefarzt. Nach weiteren drei Wochen Wartezeit stellten die Ärzte in Weiterbildung den gesamten Schriftverkehr der Ärztekammer zur Verfügung. Diese hat sich mit dem ehemaligen Chefarzt in Verbindung gesetzt und ihn über mögliche Konsequenzen (z. B. Entzug der Befugnis) informiert. Innerhalb von vier Wochen waren die Zeugnisse in den Briefkästen der Ärzte.

lokaler Link § 9 Erteilung von Zeugnissen

 

5. Was passiert, wenn ich die Weiterbildung wegen Schwangerschaft oder Krankheit unterbrechen muss?

Wird die Weiterbildung durch

  • längere Erkrankung,
  • Schwangerschaft,
  • Elternzeit oder
  • Wehr- und Ersatzdienst

unterbrochen, ist diese Zeit nicht anrechenbar. Die Mindestweiterbildungszeit verlängert sich dementsprechend. Dagegen stellt tariflicher Erholungsurlaub keine Unterbrechung dar.

lokaler Link § 4 Arzt, Inhalt und Dauer

Auch hierzu ein Beispiel:

Zum 1.10. hat ein Arzt in Weiterbildung seine Stelle angetreten. Durch einen Verkehrsunfall fällt er am 1.12. für drei Monate aus. Um diese drei Monate verlängert sich seine Mindestweiterbildungszeit. Außerdem muss er beachten, dass ein anerkennbarer Weiterbildungsabschnitt in diesem Fall erst nach 9 Monaten erreicht wird.

 

6. Brauche ich die Fachkunde nach Röntgenverordnung?

In einer Klinik muss mindestens ein Arzt der anwesenden(!) Ärzte über die Fachkunde verfügen. Sollte dies nicht der Fall sein, dürfen keine Röntgenverordnungen ausgestellt werden. Wird dies übersehen, kann unter Umständen ein Bußgeld gegen den Aussteller verhängt werden. Die Einhaltung dieser Vorschrift wird durch die Bezirksregierungen stichprobenartig (auch nachts) überprüft.

Es kann also für Ihre Dienste wichtig sein, dass sie über diese Fachkunde verfügen. Vergessen Sie bitte nicht, dass zu den Kursen auch ein praktischer Teil absolviert werden muss.

lokaler Link Informationen zur Fachkunde im Strahlenschutz nach der Röntgenverordnung

Hier wieder ein kleines Beispiel:

Ein kleines Krankenhaus hat nur die Anwesenheitsbereitschaft eines Chirurgen und eines Internisten. Der Radiologe ist nicht im Haus. Er erledigt seine CT-Notfallbefundung von zuhause aus. Die normalen Röntgenbilder werden von den Diensthabenden selbst befundet. Die Kollegen sind jung, 1 bis 2 Jahre im Berufsleben. Ohne Röntgenuntersuchungen geht es in diesen Diensten nicht. Einer von beiden muss deshalb die Fachkunde besitzen, da sonst keine Röntgenverordnungen ausgestellt werden können.

Auch wenn der Strahlenschutzverantwortliche (die Verwaltung) und der Strahlenschutzbeauftragte (meistens der leitende Radiologe) die Verantwortung für die Einhaltung der Vorschrift tragen, können durch den eigenen Erwerb der Fachkunde Probleme vermieden werden.

 

7. Wann darf ich „Notarzt fahren“?

Insgesamt benötigen Sie zum Erwerb der Fachkunde eine 18-monatige klinische Tätigkeit in einem notfallmedizinisch relevanten Gebiet (Chirurgie, Anästhesiologie, Innere Medizin). In diesem Zeugnis müssen auch die anderen geforderten Einzelleistungen (endotrachiale Intubationen, venöse/zentralvenöse Zugänge sowie mindestens zwei Thoraxdrainagen am lebenden Patienten) bestätigt werden.

Weiterhin ist der Besuch eines 80 Stunden umfassenden Notarztkurses nachzuweisen. Mit diesem Kurs kann im Kammerbezirk bereits nach 12-monatiger klinischer Tätigkeit nach Approbation begonnen werden. Ferner ist ein Einsatzpraktikum auf dem Rettungswagen abzuleisten, welches durch den Ärztlichen Leiter Rettungsdienst zu bestätigen ist.

Die Unterlagen sind in einfacher Kopie mit formlosem Antrag einzureichen. Die Kammer stellt dann eine Fachkunde aus, mit der sie den „Notarzt fahren“ dürfen.

lokaler Link Informationen zur Fachkunde "Arzt im Rettungsdienst"

 

8. Ihre Ärztekammer Nordrhein

Die Ärztekammer Nordrhein beschäftigt sich, wie Sie schon anhand dieser wenigen ausgewählten Fragen sehen, mit den vielfältigen Problemen der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung. Grundsätzlich steht die Ärztekammer den jungen Kolleginnen und Kollegen während der Geschäftszeiten jederzeit gerne mit Rat und Tat zur Verfügung. Anruf, E-Mail oder bei schwierigen Fällen auch ein persönliches Gespräch sind möglich.

Allerdings hat die Ärztekammer durch das Heilberufsgesetz NRW auch hoheitliche Aufgaben übernommen. Der Gesetzgeber verlangt von der Kammer unter anderem, dass sie Regeln zur Weiterbildung aufstellt und deren Einhaltung überprüft. Dadurch wird die Ärztekammer auch zu einem Kontrollorgan und von den „Betroffenen“ manchmal als lästig und bürokratisch empfunden. Durch den Gesetzesauftrag ist sie allerdings an ein bestimmtes rechtssicheres Verwaltungshandeln gebunden.

Insofern sollte sich jede Ärztin, jeder Arzt in Weiterbildung vor Antritt einer Weiterbildungsstelle über deren Anrechenbarkeit „schlau“ machen und im Zweifelsfall vorab bei der Kammer nachfragen.

Die vielen zu erbringenden Nachweise sind notwendig, um den durch die Ärzteschaft selbst geforderten Qualitätsstandard in der Weiterbildung zu gewährleisten.

Ärztekammer Nordrhein

Tersteegenstr. 9, 40474 Düsseldorf

Telefonnummer 0211 / 4302 0

Faxnummer 0211 / 4302 2009

E-Mail  wbpruef@aekno.de


* Dr. med. Sabine Marten ist Fachärztin für Allgemeinmedizin in Düsseldorf, Mitglied der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein sowie Mitglied im Ausschuss „Ärztliche Weiterbildung“ der Ärztekammer Nordrhein.

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letzte Änderung am: 08.04.2016



Ärztliche Flüchtlingshilfe

Flüchtlinge in Deutschland

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 2/2017

Titel 2/2017 Titelgestaltung: Eberhard Wolf

Titelthema

Die latente Gefahr aus dem Auspuff

aktuelle Ausgabe

Terminhinweis: Begrüßungsveranstaltung neuer Kammermitglieder

Professor Dr. Christiane Woopen Foto: Reiner Zensen 

Die 14. Begrüßungsveranstaltung der Ärztekammer Nordrhein für neuen Mitglieder findet am Samstag, 11. März 2017 statt. Ausdrücklich sind auch interessierte Ärztinnen und Ärzte zu dieser Veranstaltung im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft herzlich eingeladen.

Den Festvortrag wird die Leiterin der Forschungsstelle Ethik am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität zu Köln, Universitätsprofessorin Dr. Christiane Woopen, zum Thema „Zukunftsszenarien der digitalisierten Medizin“ halten.

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Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

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