Dr. med. Christiane Groß M. A.

Bericht der Vorsitzenden des Ausschusses „E-Health“ der Ärztekammer Nordrhein

Dr. Christiane Groß M.A.

Dr. Christiane Groß M. A.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit dem Thema Telematik haben wir uns bereits in unserer Kammerversammlung im März intensiv befasst. Wir haben mit großer Mehrheit einen Beschluss gefasst, der davon ausgeht,

  • dass innerhalb der Ärzteschaft ein Bedürfnis nach einer stärkeren Vernetzung besteht und
  • dass die Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation hierbei dienlich sein können.

Wir haben deutlich gemacht, dass bei jeder elektronischen Vernetzung

  • die Wahrung des Arztgeheimnisses,
  • die Freiwilligkeit der Anwendungen,
  • deren Praktikabilität und
  • der Nutzen für die Patientenversorgung  

unbedingt garantiert sein müssen. Sonst macht es keinen Sinn.

In insgesamt zwölf Punkten haben wir ganz konkret die Voraussetzungen für eine breite Akzeptanz der Telematik innerhalb der Ärzteschaft formuliert. Unser Kammervorstand schlägt Ihnen vor, Ihren Beschluss vom März, den Sie in der Anlage zum Vorstandsantrag im Wortlaut finden, heute zu bekräftigen.

Dass dieser unser Beschluss nach wie vor aktuell und von einem sehr breiten Konsens getragen ist, mögen Sie daran erkennen, dass der Vorstand unserer Schwesterkammer in Westfalen-Lippe heute der Kammerversammlung einen nahezu wortgleichen Antrag zur Beschlussfassung vorlegt.

Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern von großer Bedeutung, denn: Nur in einer gemeinsamen Anstrengung kann es uns Ärztinnen und Ärzten gelingen, auf die Weiterentwicklung der Telematik im Gesundheitswesen ganz unmittelbar und wirkungsvoll im Sinne von Patient und Arzt Einfluss zu nehmen. Das Thema ist zu wichtig, als dass wir es Technokraten oder Softwarespezialisten überlassen könnten, die sich im Alltag in Praxis und Krankenhaus nicht genügend auskennen!

Deshalb haben wir bei uns in Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Landesregierung den „ärztlichen Beirat zur Begleitung des Aufbaus einer Telematik-Infrastruktur“ fest etabliert. Dieser Beirat ist das bundesweit erste Gremium seiner Art, und er bringt den Sachverstand der Ärztinnen und Ärzte aus Praxis und Krankenhaus ein. Und dies bei den anstehenden Tests zu einer elektronischen Vernetzung des Gesundheitswesens in der Region Bochum/Essen ebenso wie bei vielen weiteren telematischen und telemedizinischen Projekten in unserem Bundesland. Mitglieder dieses Beirats sind unter anderem Vertreter der Kammervorstände, der Kassenärztlichen Vereinigungen und Ärzte aus der Testregion.

In diesem Gremium können wir der Stimme der Ärzteschaft wirkungsvoll Gehör verschaffen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und das mit bundesweiter Ausstrahlung!

Deshalb fordert der Vorstand unserer Kammer in dem Ihnen heute vorgelegten  Antrag, auch in anderen Bundesländern ärztliche Beiräte zu etablieren, sodass die Kolleginnen und Kollegen in den anderen Testregionen ebenfalls die Interessen von Patient und Arzt wirkungsvoll vertreten können. Und das bedeutet nichts anderes, als den medizinischen Nutzen und die Praktikabilität jeder Anwendung einer genauen Prüfung zu unterziehen und eigene Vorschläge einzubringen.

Sicherlich ist in Teilen der Kollegenschaft weiterhin Misstrauen gegen eine bundesweite Telematik-Infrastruktur vorhanden. Das ist auch der Hintergrund unserer Diskussion heute, die eine der Fraktionen dieses Hauses beantragt hat. Und das  zeigt sich auch an dem Beschluss des Deutschen Ärztetages vom Mai, der die elektronische Gesundheitskarte in der damaligen Form abgelehnt hat.

Ich rate dazu, die Bedenken ausführlich zu diskutieren, geht es doch um ein Thema, das unsere Berufsausübung bereits stark prägt und in Zukunft immer stärker prägen wird. Ich plädiere aber gleichzeitig dafür, nicht nur über die Risiken der Telematik zu sprechen, sondern auch über die daraus erwachsenden Chancen. Ohne Zweifel ist dies wegen des politisch motivierten Zeitdrucks und wegen der anfänglichen Techniklastigkeit des Projektes in der Vergangenheit zu kurz gekommen.

Ich habe den Eindruck, dass diese Fehler, die ja massive Kritik geradezu provoziert haben, gründlich analysiert worden sind, und dass es nun vernünftiger laufen könnte. Jedenfalls hat die auch von uns hier in Nordrhein schon früh geforderte und dann vom Bundesgesundheitsminister verlangte und inzwischen abgeschlossene Bestandsaufnahme des Telematik-Projektes zu neuen inhaltlichen Schwerpunkten und zu neu verteilten Verantwortlichkeiten geführt. Die elektronische Patientenakte (EPA) ist vorerst zurückgestellt, und über das elektronische Rezept, das einfach nicht praktikabel war, spricht keiner mehr.

Stattdessen handelt es sich nun bei zwei der drei als vorrangig definierten Anwendungen um solche, die unmittelbar der Patientenversorgung dienen. Das sind das Notfallmanagement und der elektronische Arztbrief

Nicht zuletzt deshalb haben wir uns im ärztlichen Beirat Nordrhein-Westfalen zunächst intensiv mit dem Arztbrief befasst – und zwar erst einmal unabhängig von der Technik. Wir haben ärztliche Kriterien entwickelt, die auch unabhängig von der Technik der Übermittlung gelten, die aber eben auch umzusetzen sind, wenn ein Arztbrief elektronisch erstellt und übermittelt wird.

Ein Votum der Kammerversammlung unterstreicht unsere Forderung nach ärztlicher vor informationstechnologischer Denkweise bei der Umsetzung des elektronischen Arztbriefes. Einmal mehr fordern wir, dass nicht ärztliches Handeln sich der Informationstechnologie beugt, sondern dass die IT in der Patientenversorgung lediglich als Werkzeug eigesetzt werden soll.

Die vom ärztlichen Beirat am 27. Oktober diesen Jahres beschlossenen „Anforderungen an den elektronischen Arztbrief aus ärztlicher Sicht“ finden Sie ebenfalls als Anlage zum Antrag des Vorstandes.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bei der Weiterentwicklung von Telematik und Telemedizin wird sich die Ärztekammer Nordrhein einsetzen für

  • die Praxistauglichkeit der Anwendungen,
  • den Nutzen für die Patientenversorgung und
  • hohe Datenschutzanforderungen, die unserer Berufsordnung auch tatsächlich gerecht werden.

Die digitale Revolution im Gesundheitswesen lässt sich nicht aufhalten. Zu einem Erfolg für Patient und Arzt können wir sie nur gestalten durch intensive ärztliche Mitarbeit, das haben die vergangenen Monate und Jahre gezeigt.

Wer sonst könnte denn die Interessen von Patienten und Ärzten vertreten wenn nicht wir selbst?

In diesem Sinne bitte ich um eine breite Zustimmung zum Antrag des Vorstandes.

Ich freue mich auf die Diskussion und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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letzte Änderung am: 26.11.2010



Ärztliche Flüchtlingshilfe

Flüchtlinge in Deutschland

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 9/2016

Titel 9/2016

Titelthema

Gesundheitskompetenz für Kinder: Das Projekt "Ich kenn mich aus"

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Krankenhausplanung NRW - eine Zwischenbilanz
Krankenhausplanung Zwischenbilanz

Am Samstag, 3. September 2016, lädt die Ärztekammer Nordrhein zum Symposium "Krankenhausplanung NRW - eine Zwischenbilanz" ins Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft ein. Ärztekammer, Landesgesundheitsministerium sowie Krankenhausgesellschaft und Krankenkassen nehmen Stellung zum Stand der Krankenhausplanung in NRW.

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Terminhinweis: PID - Wo ist die Grenze?
PID-Grafik Foto: www.colourbox.de

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Am Freitag, 16. September 2016, veranstaltet die Ärztekammer Nordrhein zwischen 15 und 19 Uhr ein Symposium zum Thema Präimplantationsdiagnostik im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Auf dem Symposium werden medizinische aber auch ethische Aspekte beleuchtet.

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Euskirchen: Resilienz - Krisenbewältigung und Selbstheilungskräfte in persönlicher und gesellschaftlicher Perspektive

Faktoren, die uns widerstandsfähig gegen Krisen machen, und Möglichkeiten, die eigene Resilienz zu stärken, stehen im Mittelpunkt des 15. Euskirchener Symposiums am Mittwoch, 5. Oktober 2016.

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Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

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Am 18. Juni 2016 veranstaltete die Ärztekammer Nordrhein das 5. Kammerkolloquium Kindergesundheit. Hauptthema: "Soziale Situation und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen". Einige der Vorträge können auf der Homepage abgerufen werden.

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