Fürsorge statt Tod auf Bestellung
Die Selbsttötung eines Fußballidols hat im März eine öffentliche
Debatte um assistierten Suizid und Sterbehilfe entfacht. Beides
lehnt die Ärzteschaft entschieden ab. Unsere ärztliche
Alternative ist eine gute Palliativmedizin. Foto: JochenRolfes.de
Auf viel Aufmerksamkeit ist Mitte März die Nachricht gestoßen, dass Fußball-Legende Timo Konietzka sich wegen einer unheilbaren Krebserkrankung im Alter von 73 Jahren das Leben genommen hat. Er habe in seiner Wahlheimat Schweiz, so die Berichte, im Beisein von Vertretern der Sterbeorganisation Exit einen Giftcocktail zu sich genommen.
Diese assistierte Selbsttötung hat auch in Deutschland die Debatte über die Bedingungen eines guten Sterbens und über den assistierten Suizid ein weiteres Mal neu entfacht. Timo Konietzka hat seine Entscheidung öffentlich angekündigt und damit selbst für Berichterstattung gesorgt. Wer so handelt, wird akzeptieren, dass über den eigenen Weg - bei allem Respekt vor der Person und der Intimität einer persönlichen privaten Entscheidung - auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Ich denke, dass er ein beklemmendes Signal ausgesendet hat: Denn er hat seine - bereits früher angekündigte - Selbsttötung auch damit begründet, dass er niemandem zur Last fallen wolle.
Wenn ich Hilfe annehme, dann verliere ich meine Würde - diese Botschaft an die Öffentlichkeit kann nicht unwidersprochen bleiben: Hängt denn die Würde des Menschen wirklich von seiner Autonomie und Leistungsfähigkeit ab? Hängt der Wert des Lebens von der Gesundheit ab? Meine Antwort auf diese Fragen lautet: Nein.
Eine Gesellschaft, die den Wert des menschlichen Lebens von der Gesundheit abhängig machte, wäre inhuman. Eine humane Gesellschaft, wie ich sie mir vorstelle, achtet die Würde kranker Menschen, altersschwacher Menschen, behinderter Menschen, und das ganz uneingeschränkt. Eine humane Gesellschaft gibt die Zuwendung und Unterstützung, die hilfsbedürftige Menschen benötigen.
In einer Gesellschaft, wie ich sie mir vorstelle, braucht niemand Teams aus Ärzten und Pflegern, die Menschen zuhause aufsuchen, um sie zu töten. Genau das passiert leider seit dem 1. März auch in den Niederlanden.
Berichte über Suizide wirken häufig wie eine Reklame für die Selbsttötung. Dabei bleibt verborgen, dass viele der Menschen eigentlich gar nicht sterben, sondern nur anders leben wollten - ohne Schmerzen, ohne Atemnot, ohne Übelkeit und in menschlicher Geborgenheit.
Deshalb ist eine fürsorgliche Medizin am Lebensende unsere ärztliche Alternative zur Tötung auf Verlangen und zur Assistenz beim Suizid. Deshalb setzen wir weiter auf den Ausbau der humanen Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen mit den Mitteln der modernen Palliativmedizin und mit den Erfahrungen der Hospizbewegung.
Dabei hat es hierzulande in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gegeben. Die Hospizbewegung findet auch bei uns im Rheinland immer mehr Anhänger, die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen hat sich mit der Einrichtung zahlreicher Hospize und Palliativstationen sowie einem immer dichter geknüpften Netz an ambulanten Versorgungsmöglichkeiten deutlich verbessert. Doch bleibt noch immer viel zu tun, bis wirklich allen schwer kranken und sterbenden Patienten die guten Möglichkeiten der Palliativmedizin zugute kommen können.
Eine ärztliche Assistenz beim Suizid hat die Ärztekammer Nordrhein, dem Deutschen Ärztetag folgend, in ihrer soeben vom Aufsichtsministerium genehmigten Berufsordnung für die nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte ausdrücklich ausgeschlossen. Unsere Aufgabe bleibt es, Leben zu erhalten und Gesundheit zu schützen, aber in tödlicher Krankheit auch Sterbenden beizustehen und sie sterben zu lassen, ohne zu töten und ohne den Giftbecher zu reichen.
letzte Änderung am: 05.04.2012
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Rheinisches Ärzteblatt
Heft 3/2013
Titelthema
Bewegung als Medizin: Startschuss für Modellprojekt in Köln
Fachtagung: Weibliche Genitalbeschneidung

Am Samstag, 15. Juni 2013 findet zwischen 9 und 17.00 Uhr die Fachtagung zum Thema Weibliche Genitalbeschneidung - Medizinische Versorgung und Prävention im Gesundheitsbereich im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft statt.
Aktuelle Infektionskrankheiten
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Am Samstag, 22. Juni 2013 veranstaltet die Ärztekammer Nordrhein ein Symposium zum Thema "Aktuelle Infektionskrankheiten" im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr und endet um 14.30 Uhr.
3. Kammerkolloquium Kindergesundheit

Am Samstag, 29. Juni 2013 veranstaltet die Ärztekammer Nordrhein das 3. Kammerkolloquium zum Thema "Kindergesundheit". Die Veranstaltung beginnt um 10.00 Uhr im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft.
Begrüßung neuer Kammermitglieder im Frühjahr 2013
Rund 100 junge Ärztinnen und Ärzte folgten der Einladung ins Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Die Ärztekammer Nordrhein hat zum fünften Mal neue Mitglieder mit einer eigenen Veranstaltung begrüßt.
Critical Incident Reporting System NRW. Melde- und Lernsystem für medizinische Beinahe-Fehler für NRW.
Image-Video der ÄkNo
Ab sofort steht ein rund siebenminütiges Video bereit, das die Aufgabengebiete und Services der Ärztekammer Nordrhein erklärt.




