Dr. de Moll, Wuppertal - „Als Arzt bekommt man aus allen Lebensbereichen so viele Impulse“

31.01.2019 Seite 59
Dr. Heinz de Moll ist der Meinung, dass Pflegeberufe in Deutschland eine höhere gesellschaftliche Anerkennung verdienen. © Dana Reese

Neben ihrem Beruf engagieren sie sich ehrenamtlich für ihre Kolleginnen und Kollegen: Kreis- und Bezirksstellenvorsitzende der Ärztekammer Nordrhein. Doch was machen die Vorsitzenden eigentlich und warum? Diese Fragen stellten wir Dr. Heinz de Moll, Vorsitzender der Kreisstelle Wuppertal, in unserer Reihe „Mein Engagement“.

RhÄ: Was steht auf Ihrem Schreibtisch?
de Moll: Eine kleine Statue – es ist eine Hand, an die sich ein Kind kuschelt. Sie dokumentiert die Geborgenheit und Annahme die Patienten beim Arztbesuch empfinden sollen. Die Menschen, die in die Praxis kommen, finden diese Idee sehr schön und fragen mich meist, wo man die Staue kaufen kann (lacht). Dann steht da noch eine orangefarbene Schale, die von südafrikanischen Frauen aus alten Telefondrähten hergestellt wurde. Eine Patientin sagte mal dazu: „Das ist gelebtes Feng-Shui.“ Weil ich ja auch die Wupper direkt vor meinem Fenster hätte.

RhÄ: Wie war das damals, als Sie sich entschieden, Medizin zu studieren?
de Moll: Ich habe mit einem Mathematikstudium begonnen – das war immer mein Traum, weil ich bereits in der Schule gut darin war. Unmittelbar vor dem Start der Vorlesungen wurde ich zum Zivildienst eingezogen. Meine Mutter sagte: „Jetzt ist alles aus.“ Für mich war das eigentlich der Beginn. Ich bin als Zivildienstleistender in ein Krankenhaus gekommen, habe dort in der Pflege gearbeitet. Von da an war das mathematische Interesse zweitranging, denn ich merkte, das ist der Beruf, den du eigentlich ausüben möchtest. Ich habe dann erst in Berlin Medizin studiert. Durch die Pflegehelferausbildung während meines Zivildienstes und der Tatsache, dass mein Vater kriegsversehrt war, kam ich in den „sozialen“ Numerus Clausus der Universität, das waren damals besondere Bedingungen. Der Liebe wegen habe ich nach zwei Jahren an die Universität in Münster gewechselt.

„Ich denke, manchmal ist die Ärzteschaft zu sehr damit beschäftigt die Bürokratie anzuprangern, statt den jungen Leuten die Schönheit dieses Berufes aufzuzeigen.“

RhÄ: Was hat Sie dazu bewegt, sich ehrenamtlich in der Ärztekammer zu engagieren?
de Moll: Ich bin vor rund 15 Jahren von Kollegen angesprochen worden, die auch ehrenamtlich tätig werden wollten. Wir wollten frischen Wind in die ganze Sache reinbringen. Mittlerweile bin ich einer von den Alten (lacht). Den jungen Leute heutzutage ist das Engagement in der Familie unheimlich wichtig. Mütter und Väter wollen die Zeit, die sie abends haben, mit ihren Kindern verbringen. Es wird eine Herausforderung sein, diese Generation für das Ehrenamt in der Ärztekammer zu begeistern.

RhÄ: Mit welchen Themen befassen Sie sich typischerweise in einer Sitzung Ihrer Bezirksstelle?
de Moll: Wir befassen uns zum einen mit dem Beschwerdemanagement, die Fälle sind in den letzten drei, vier Jahren deutlich weniger geworden. Ich schätze besonders, dass ich die Standpunkte der anderen Ärzte kennenlerne. Wir beschäftigen uns auch mit dem Ärztemangel in der Region. Ich denke, manchmal ist die Ärzteschaft zu sehr damit beschäftigt die Bürokratie anzuprangern, statt den jungen Leuten die Schönheit dieses Berufes aufzuzeigen. Als Arzt bekommt man aus allen Lebensbereichen so viele Impulse. Nach meiner Niederlassung dachte ich: Was sind das hier alles für nette Menschen. In der Kreisstelle unterstützen wir natürlich auch die Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten. Ich finde es immer wieder schön die Ärztekammer Nordrhein bei den Lossprechungsfeiern zu vertreten. Mir fällt auf, dass viele MFAs einen Migrationshintergrund haben, denn in vielen Ländern werden die Pflegeberufe hoch angesehen und respektiert. Hier in Deutschland ist diese Ansichtsweise leider verloren gegangen. Nicht zu vergessen und für uns in der Kreisstelle sehr wichtig sind die Nachrufe. Die gestalten wir immer sehr persönlich und wertschätzend.

RhÄ: Was überwiegt in Ihrem Amt als Kreisstellenvorsitzender: Pragmatismus oder Idealismus?
de Moll: Ich würde sagen, beides hält sich bei mir die Waage. Ich übe diese Tätigkeit sehr gerne aus, aber manchmal muss man einfach pragmatisch sein.

RhÄ: Was verbinden Sie mit Wuppertal?
de Moll: Von Münster nach Wuppertal zu gehen war erst ein Kompromiss. Seitdem ich aber dort lebe, habe ich die Stadt sehr schätzen gelernt. Es leben viele verschiedene Menschen in Wuppertal, eine tolle kulturelle Vielfalt ist hier beheimatet. Das Zusammenleben der verschiedenen Nationen und der Studenten, die sich alle für ihre Stadtteile einsetzen, finde ich bemerkenswert. Hier leben noch sehr bodenständige Leute, die sich für ihre Mitmenschen interessieren.

Das Interview führte Vassiliki Latrovali.

Dr. Heinz de Moll ist in Wuppertal in einem Medizinischen Versorgungszentrum als Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe tätig. De Moll ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 15 Jahren ist der Großvater von drei Enkeln im Vorstand der Kreisstelle Wuppertal tätig.