Dr. Thomas Fell, Aachen - „Es war immer mein Ziel, Arzt auf einem Rettungshubschrauber zu werden“

01.04.2019 Seite 59
RAE Ausgabe 4/2019

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 4/2019

Seite 59

Mit dem gelben Hubschrauber der ADAC-Luftrettung gGmbH fliegt Dr. Thomas Fell vom Flugplatz in Würselen zu den Einsätzen. © Vassiliki Latrovali

Neben ihrem Beruf engagieren sie sich ehrenamtlich für ihre Kolleginnen und Kollegen: Kreis- und Bezirksstellenvorsitzende der Ärztekammer Nordrhein. Doch was machen die Vorsitzenden eigentlich und warum? Diese Fragen stellten wir Dr. Thomas Fell, Vorsitzender der Bezirksstelle Aachen, in unserer Reihe „Mein Engagement“.

RhÄ: Was steht auf Ihrem Schreibtisch?
Fell: Da falle ich schon komplett aus dem Rahmen. Als Anästhesist arbeitet man ohne Schreibtisch. Auch zu Hause habe ich nur einen mobilen Arbeitsplatz – wo ich gerade bin, da arbeite ich. Dort liegt dann der Papierkram, den ich bearbeiten muss. Den Klassiker, mit Fotos und dergleichen, gibt es bei mir nicht.

RhÄ: Wie war das damals, als Sie sich entschieden, Medizin zu studieren?
Fell: Bei mir bestand ehrlich gesagt nie ein anderer Berufswunsch. Ich war von klein auf fasziniert von Blaulicht. Die Puppen meiner Schwestern mussten auch unter diesem Wunsch leiden (lacht), die wurden dann immer operiert. Es war eigentlich immer mein Ziel, Arzt auf einem Rettungshubschrauber zu werden. Ich habe in Homburg/Saar per ZVS-Bescheid meine ersten Erfahrungen gesammelt und bin dann über Heidelberg nach Aachen gekommen. Heutzutage lebe ich die Liebe zu meinem Beruf auch in meiner Freizeit aus. Ich bin Rennarzt beim Deutschen Motorsportbund (DMSB), sitze beispielsweise bei der DTM (Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft) im Medical Car oder bin auf dem Nürburgring als einer der leitenden Ärzte mit dabei. Ich sitze mit einem Rettungsassistenten im Wagen und wir fahren im Renntempo mit. Nebenher mache ich noch Ambulanz-Rückholungen mit kleinen Lear-Jets von Köln aus. Mein letzter Einsatz war in Afrika, da waren wir fast 19 Stunden unterwegs, denn der Jet muss alle drei bis vier Stunden betankt werden.

 „Wenn wir nicht selber aktiv das Ruder übernehmen, bekommen wir irgendwann einen Fahrer vorgesetzt.“

RhÄ: Was hat Sie dazu bewegt, sich ehrenamtlich in der Ärztekammer zu engagieren?
Fell: Ich stamme aus einer Politikerfamilie. Bei uns wurde immer mitgestaltet und mitgemacht. Gerade bei der ärztlichen Selbstverwaltung gilt: Wenn wir nicht selber aktiv das Ruder übernehmen, bekommen wir irgendwann einen Fahrer vorgesetzt. Es gibt heutzutage genügend negative Beispiele von Fremdsteuerung, das sollte einem zu denken geben. Leider werden die Ärztekammern von den meisten jungen Ärztinnen und Ärzten als selbstverständlich angesehen. Das ist so eine „Vollkasko-Mentalität“, die sich durch die jüngere Ärzteschaft zieht. Daher gilt es, die jüngere Generation besser über die Bedeutung des Ehrenamtes aufzuklären und dafür zu gewinnen.

RhÄ: Mit welchen Themen befassen Sie sich typischerweise in einer Sitzung Ihrer Bezirksstelle?
Fell: Ich bin relativ neu in der Position als Vorsitzender, habe sie quasi von meinem Vorgänger Dr. Köhne geerbt. Tatsächlich hat es bis dato erst eine Sitzung gegeben. Die Kreisstellen kümmern sich aber hervorragend um alle anfallenden Angelegenheiten. Wir versuchen gemeinsam möglichst schnell und effizient zu handeln. Wie in jeder anderen Bezirksstelle befassen wir uns mit der  Krankenhausplanung und natürlich mit den Lossprechungen unserer MFAs.

RhÄ: Was überwiegt in Ihrem Amt als Bezirksstellenvorsitzender: Pragmatismus oder Idealismus?
Fell: Ich würde sagen, da ist mehr Realismus. Es zeigt sich, dass auch in der Ärztekammer sehr viele Sachen nur sehr langsam bewegt werden können. Am Ende ist es wohl eine gesunde Mischung aus Idealismus und Pragmatismus. Die Realität bringt einen dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück (lacht). Nicht zuletzt durch das Übermaß an Bürokratie, dass einem die Arbeit nun einmal nicht vereinfacht. Das führt zu großem Frust unter uns Ärzten.

RhÄ: Was verbinden Sie mit Aachen?
Fell: Ich bin jetzt seit knapp 20 Jahren als Arzt hier tätig und kenne wirklich fast jeden Ort. Wir haben hier eine gesunde Mischung aus Stadt und Dorf. Aachen ist familiär, es ist keine anonyme Großstadt. Man kann hier viel in seiner Freizeit unternehmen. Die Nähe des Dreiländerecks ist von Vorteil, das gibt der Region so ein internationales Flair.

Das Interview führte Vassiliki Latrovali.


Dr. Thomas Fell ist als Anästhesist im Rhein-Maas-Klinikum tätig. Regelmäßig fliegt der gebürtige Mönchengladbacher mit dem Hubschrauber „Christoph Europa 1“ der ADAC-Luftrettung gGmbH Einsätze. Der Familienvater ist Mitglied der nordrheinischen Kammerversammlung und seit März 2017 Vorsitzender der Bezirksstelle Aachen. Seit diesem Jahr ist Fell zudem im Wahlausschuss des Regierungsbezirks Köln der Ärztekammer tätig.