Spezialambulanz für geflüchtete Kinder und Jugendliche eröffnet

29.03.2019 Seite 19
RAE Ausgabe 4/2019

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 4/2019

Seite 19

Stellten in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie der Uniklinik Köln die neue Spezialambulanz und weitere Therapieverfahren für geflüchtete Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen vor (v.r.n.l.): Professor Dr. Stephan Bender, Direktor der Klinik, Dr. Heidrun-Lioba Wunram, Dr. Janina Hackl und Dr. Ricarda Mertens, Dr. phil. Marco Walg, Daniela Perri und Pia Jakob. © Michael Ganter

Welche Hilfe können geflüchtete Kinder und Jugendliche in Anspruch nehmen, die mit psychischen Problemen und Traumata zu kämpfen haben? Nach einer viermonatigen Vorlaufzeit eröffnete nun an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Köln eine Spezialambulanz für geflüchtete Kinder und Jugendliche bis maximal 21 Jahre.

von Michael Ganter

Die Erlebnisse und Erfahrungen, die Kinder im Krieg und auf der Flucht machen, können tiefe seelische Wunden hinterlassen. Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen, aggressives Verhalten und jahrelange psychosomatische Leiden sind häufige Folgen und beeinträchtigen die weitere Entwicklung eines Kindes nachhaltig. Ebenso werden immer öfter minderjährige Kinder auf der Flucht von ihren Eltern und Familienangehörigen getrennt und leben fortan als Waisenkinder in Deutschland weiter. Sie alle sind auf eine schnelle und besondere Hilfestellung angewiesen, denn neben den sprachlichen Hürden und der Ungewissheit um die eigene Zukunft, sind es die traumatischen Erlebnisse, die sie mit sich tragen.

Die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie der Uniklinik Köln hat aus diesem Grund eine Spezialambulanz für geflüchtete Kinder und Jugendliche eingerichtet. Sie soll geflüchteten Kindern emotionalen und psychischen Halt für den Alltag in Deutschland geben. Dr. Heidrun-Lioba Wunram, Funktionsoberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, stellte das Gruppenstabilisierungstraining vor, welches zusammen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie Remscheid/Wuppertal entwickelt wurde. Es umfasst sechs Trainingseinheiten über sechs Wochen, zu denen das Benennen von Gefühlszuständen, Fähigkeiten zur Emotionsregulation und die Fokussierung auf positive Aspekte der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zählen. Das Training wird sowohl im Gruppensetting als auch in der Einzeltherapie durchgeführt. Deutschkenntnisse werden nicht vorausgesetzt und bei Bedarf kann ein Dolmetscher hinzugezogen werden. Marco Walg, Psychologischer Psychotherapeut und Mitentwickler des Konzepts, berichtete von ersten positiven Erfahrungen, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Remscheid/Wuppertal damit gemacht wurden.

Trauma-Ambulanz und Einbeziehung der Eltern

Wenn die psychischen Probleme zu groß sind und eine Gruppentherapie nicht hilfreich ist, vermitteln die Ärztinnen und Ärzte der Spezialambulanz die Patientinnen und Patienten unter anderem an die Trauma-Ambulanz für seelisch traumatisierte Kinder und Jugendliche weiter. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Pia Jakob stellte die Arbeit der Trauma-Ambulanz vor, die allen Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre unmittelbare diagnostische und therapeutische Hilfe bei posttraumatischen Belastungsstörungen anbietet.

Neben der Trauma-Ambulanz können die Kinder und Jugendlichen auch an das Ausbildungsinstitut für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Uniklinik Köln (AKiP Köln) vermittelt werden. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Daniela Perri vom AKiP Köln stellte die Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) vor. Kinder und Jugendliche sollen hierbei lernen, wie sie ihre Gefühle erkennen, benennen und regulieren können. Ihre Erlebnisse und Geschichten schreiben oder zeichnen sie auf, um die negativen Gefühle äußern und sortieren zu können. Im gemeinsamen Dialog werden mithilfe von Arbeitsblättern hinderliche Gedanken hinterfragt und aufgearbeitet. Damit Eltern die Traumafolgestörungen ihrer Kinder ernstnehmen und nicht herunterspielen, werden sie engmaschig in die Therapie miteinbezogen. Die Experten wiesen darauf hin, dass vor allem mit einer frühzeitigen und professionellen Diagnostik Traumafolgestörungen verhindert beziehungsweise vorhandene Symptome gelindert oder behoben werden können. Unter der Rufnummer 0221 478-5337 können Termine für Erstgespräche in der Spezialambulanz vereinbart werden.