„Im Kinderschutz ist Kooperation gefragt“

Dr. Gabriele Polland, Leiterin der Ärztlichen

Dr. Gabriele Polland, Leiterin der Ärztlichen

KinderschutzAmbulanz am Evangelischen

Krankenhaus in Düsseldorf: „Wenn Eltern

verstehen, dass es um Sorge und nicht um

Anklage geht, ist schon viel im Sinne des

Kindes erreicht.“
Foto: Jessika Kuehn-Velten.]

Die KinderschutzAmbulanz (KSA) am Evangelischen Krankenhaus wurde vor 25 Jahren auf Initiative des Kinder- und Jugendpsychiaters Dr. Eugen Jungjohann gegründet. Seither kümmert sich die Einrichtung um minderjährige Opfer von Misshandlung und Vernachlässigung. 1994 folgte der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Eberhard Motzkau, der zum 1. Juli 2012 den Staffelstab an seine Nachfolgerin Dr. Gabriele Polland weiterreichte. Im Interview mit dem Rheinischen Ärzteblatt stellt Polland neue Projekte der Ambulanz vor.


RhÄ: Frau Dr. Polland, haben Sie sich als Leiterin in der Kinderschutzambulanz gut eingelebt?
Dr. Polland: Ja, das ist ganz eindeutig so. Es ist mir auch von allen Seiten leicht gemacht worden – von Kooperationspartnern, den Kolleginnen und Kollegen des Evangelischen Krankenhauses und nicht zuletzt von meinem kompetenten und wertschätzenden Team, als dessen Teil ich mich verstehen darf.

RhÄ: Welches Hilfe- und Schutzkonzept liegt Ihrer Arbeit zugrunde?
Dr. Polland: Unsere Hilfen sollen möglichst früh und niedrigschwellig greifen, ­unter größtmöglicher Beteiligung der ­Kinder, ihrer Eltern und Familien. Wichtig ist, dass jeder Einzelne nach seinen Möglichkeiten für Hilfe gewonnen wird und insbesondere das Kind – um das es ja geht – nicht aus dem Blick gerät. Wir lernen das Kind mit und in seinen Beziehungen kennen. Unser Tätigkeitsschwerpunkt ist dabei das Verstehen: Diagnostik mit kinderpsychiatrischer und kinderpsychologischer Untersuchung einschließlich Entwicklungs-, Interaktions- und Bindungsdiagnostik. Hinzu kommen auch Krisenbegleitung und in begrenztem Ausmaß Kindertherapie, ebenso präventive und therapeutische Angebote in unserer Babysprechstunde, tiergestützte Interventionen sowie Beratung und Fortbildung für Fachkräfte, aber auch Informationsveranstaltungen für Jugendliche und Eltern. Nach Abschluss
einer Diagnostik empfehlen wir Hilfen und bahnen diese bei Bedarf an.

RhÄ: Welche Entwicklung der Kinderschutzambulanz haben Sie vor Augen?
Dr. Polland: Wir ringen immer wieder darum, unsere Arbeit für die Kinder möglichst schonend und die Diagnostik effizient im Sinne passgenauer Empfehlungen zu gestalten. Erhalt und Erweiterung traumatherapeutischer Kompetenzen sind von Bedeutung, um die Kinder während der Prozesse in unserer Ambulanz diesbezüglich unterstützen zu können, aber auch ­Offenheit für neue Angebote ist gefragt – und vorhanden. Beispiele sind ein in jüngs­ter Zeit von uns initiiertes Heilpädago­gisches Reitprojekt und ein Gruppenangebot im Sinne einer Nachbeelterung für Mütter mit Säuglingen und Kleinkindern in unserer Babysprechstunde. Bei positivem Verlauf könnten diese Projekte dann fester Bestandteil unseres Angebots werden.

RhÄ: Welche Auswirkungen hat das Bundes­kinderschutzgesetz auf Ihre Arbeit?
Dr. Polland: Es macht deutlich, dass das, was in der Kinderschutzambulanz letztlich schon lange angestrebt und gelebt wurde, von großer Relevanz ist, gibt ihm einen Rahmen und fordert es ein: Kooperation der Systeme Gesundheitswesen, Jugendhilfe und Bildung im Sinne eines gemeinsamen Blicks auf den Kinderschutz. Für diesen Kinderschutz eröffnet das Gesetz Räume, die natürlich zum Teil erst noch gefüllt werden müssen.

RhÄ: Mit wem arbeiten Sie zusammen?
Dr. Polland: Wir arbeiten mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, Kliniken, dem Gesundheitsamt, Jugendämtern, Jugend­hilfeträgern und -einrichtungen, Schulen und Kindergärten sowie Kitas zusammen, immer wieder auch mit Polizei, Familien­gericht und vereinzelt der Staatsanwaltschaft. Diese vielfältigen Kooperationen sind Grundlage für gelingenden Kinderschutz.

RhÄ: Wie finanziert sich die Kinderschutzambulanz heute?
Dr. Polland: Wenn sich auch Details immer wieder verändern, das Grundprinzip der Mischfinanzierung aus Geldern von Jugendamt, Kommunen, Krankenkassen sowie Spenden und Sponsoring bleibt bestehen.

RhÄ: Was wünschen Sie sich für die ­Zukunft der Kinderschutzambulanz?
Dr. Polland: Ich wünsche mir, dass ­unsere Arbeit präventiv Früchte trägt, dass so der Anteil an Diagnostik- und nachfolgend Therapiebedarf immer weiter abnimmt. Auf dem Weg dorthin ist weiterhin gutes Kooperieren gefragt, auch greife ich gerne auf die Ressource der unterschiedlichen Professionen in unserer Ärztlichen KinderschutzAmbulanz zurück, in der ich neben Psychologinnen, Heil-, Diplom- und Sozialpädagoginnen und -pädagogen die einzige Ärztin bin.

RhÄ: Wie können Ärztinnen und Ärzte bei einem Verdacht auf Kindesmisshandlung helfen?
Dr. Polland: Wichtig ist, die eigene Vermutung zunächst einmal ernst zu nehmen, gut zu dokumentieren, sich trotz Termindrucks Zeit zu nehmen und dabei Wertschätzung für alle Beteiligten – in jedem Fall für Kind und Eltern – zu behalten und auszudrücken. Wenn Eltern verstehen, dass es um Sorge und nicht um Anklage geht, ist schon viel im Sinne des Kindes erreicht. Ärztinnen und Ärzte haben ein Recht auf Beratung, das sie in Anspruch nehmen sollten; Vernetzung ist ein weiterer Schritt. So kann die Situation gemeinsam von unterschiedlichen Fachleuten – möglichst unter Einbeziehung der Eltern und des Kindes – eingeschätzt und Handlungsschritte können entwickelt werden. Hierzu bieten wir gerne unsere Mitarbeit an.

Interview: Karola Janke-Hoppe

Weitere Informationen/Spendenkonto
www.kinderschutzambulanz.de

•    Förderverein EVK
Konto-Nr. 43 000 900, BLZ 300 501 10
Stadtsparkasse Düsseldorf
Stichwort: KinderschutzAmbulanz

  Zum Seitenanfang

letzte Änderung am: 30.08.2013



Datenschutzgrundverordnung

Europasterne mit Paragraphenzeichen Foto: BillionPhotos com/Fotolia.com und froxx/Fotolia.com

interner Link Informationen zur Datenschutzgrundverordnung, die am 25.5.2018 Gültigkeit erlangt.

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 11/2018

Titel 11/2018 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: Phanie/Yourphototoday

Titelthema

Draußen vor der Stadt

 aktuelle Ausgabe

Häusliche Gewalt und Kindeswohl

Hände hinter Stoff Foto: Photocreo Bednarek Fotolia.com 

Gemeinsam mit der Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein veranstaltet die Ärztekammer Nordrhein am Freitag, 16. November 2018 ab 10.00 Uhr im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft eine Fachtagung zum Thema "Häusliche Gewalt und Kindeswohl".

interner Link Programm und Anmeldung

Blickwechsel Demenz: "Operation gelungen, Patient verwirrt?"
Grafik Operationssaal, Ärzte, Patient Illustration: depositphoto.com, leremy/Tina Ennen

Illustration: depositphoto.com, leremy/Tina Ennen

Unter dem Titel "Blickwechsel Demenz: "Operation gelungen, Patient verwirrt?" veranstaltet die Ärztekammer Nordrhein zusammen mit der Paritätischen NRW und der Krankenhausgesellschaft NRW eine Fachtagung zum Umgang mit dementen Patienten im Krankenhaus. Die Veranstaltung findet am Samstag, 17. November 2018 von 10 bis 15 Uhr im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft statt.

interner Link Programm und Anmeldung

Materialbestellung

Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

Interner Link Materialbestellung

Logo Cochrane Library
Jobbörse für MFA
Screenshot Jobbörse

Suchen Sie eine neue Praxis-Mitarbeiter/in oder haben Sie einen Ausbildungs- / Praktikums- / Hospitationsplatz frei? Über die Jobbörse auf unserer Homepage haben Sie die Möglichkeit, schnell und kostenlos ein Inserat aufzugeben. Auch Job-Suchende können hier eine Anzeige schalten.

interner Link Jobbörse

Critical Incident Reporting System NRW. Melde- und Lernsystem für medizinische Beinahe-Fehler für NRW.

 Internetlink www.cirs-nrw.de

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen

Wir befolgen den HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen.
Kontrollieren Sie dies hier.


Medisuch-Siegel

Die Medizinsuchmaschine "Medisuch" bestätigt der Ärztekammer Nordrhein, dass die Homepage ohne kommerzielle Einflussnahme erstellt ist.

Video über die Ärztekammer Nordrhein
Screenshot-Image-Video

Video (7 Minuten): Die Aufgaben der Ärztekammer Nordrhein

Interner Link Imagevideo