Mail aus Bonn

Marie Noëlle Engels Foto: privat

Marie Noëlle Engels Foto: privat

Über die Malteser wurde ich kürzlich auf eine Fortbildung aufmerksam, die nun zum dritten Mal am Bonner Universitätsklinikum stattfand: das Symposium für interdisziplinäre Notfallmedizin. Dabei fand ich einen Vortrag besonders einprägsam. Ein junger Anästhesist des Universitätsklinikums schilderte einen Fall, bei dem Zwillinge der 23. Schwangerschaftswoche in einer Toilette zur Welt kamen. Was sich anhört wie ein Auszug aus dem Drehbuch einer Fernsehserie, ist in Realität wohl ähnlich dramatisch; endet nur seltener mit einem Happy End. Die meisten Neugeborenen atmen innerhalb von Sekunden nach der Geburt eigenständig. Lediglich ein Prozent der Neugeborenen über 2,5 kg werden postnatal reanimationspflichtig. Der Prozentsatz steigt signifikant an, sobald das Geburtsgewicht 1,5 kg unterschreitet. Besagte Zwillinge befanden sich bei Eintreffen des Rettungswagens bereits in der Toilette. Das Rettungsteam musste die Neugeborenen reanimieren. Bizarr wirkte auf mich dabei ein Foto der Beatmungssituation, auf dem die gesamten Gesichter der Frühgeborenen durch die Beatmungsmasken verdeckt waren. Pro Jahr kommen in Deutschland etwa hundert Kinder in der 22. oder 23. Schwangerschaftswoche, in einer Grauzone, zur Welt. Bei extremen Frühchen sind die behandelnden Ärzte gemeinsam mit den Eltern, Hebammen und anderen beteiligten Berufsgruppen angehalten, eine abwägende Entscheidung zu treffen: In der Leitlinie „Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit des Kindes“ (AWMF 024-019) heißt es dazu: „Bei der Behandlung extrem unreif geborener Kinder an der Grenze der Lebensfähigkeit kann durch intensivmedizinische Maßnahmen einem Teil der Kinder kurz- oder langfristig zum Überleben verholfen werden, unter Umständen aber unter Inkaufnahme erheblichen Leidens und lebenslanger körperlicher und geistiger Beeinträchtigungen. Diese einander widerstreitenden Aspekte müssen bei der Entscheidungsfindung bestmöglich abgewogen und ausgehalten werden. Unabhängig von anderen Zielen der medizinischen Behandlung hat jedes Kind ein Recht auf Grundversorgung, Linderung von Leiden und Schmerzen, bestmögliche Pflege und menschliche Zuwendung.“

Die Frage der Lebensfähigkeit lässt sich in solchen Situationen kaum objektiv beantworten und hängt immer auch von den medizinischen Möglichkeiten zum Zeitpunkt der Geburt ab. Die Fallbeschreibung des Notarztes ging mir lange Zeit nicht aus dem Kopf und machte mir klar, wie schnell Ärztinnen und Ärzte in Situationen geraten können, die ein Dilemma darstellen, auf das uns das Studium kaum adäquat vorbereiten kann. Egal welche Entscheidung das Team in solch einer Grenzsituation fällt, diese muss dann, wie es in der Leitlinie heißt „ausgehalten werden“.

Wie erlebt Ihr das Studium der Humanmedizin? Schreibt mir an medizinstudium@aekno.de.

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letzte Änderung am: 19.12.2017

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Heft 7/2018

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Die Prävention und Behandlung von Osteoporose stehen im Mittelpunkt der aktuellen Fortbildung des Instituts für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN). Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 1. August 2018 von 15.30 Uhr bis 19.00 Uhr im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft.

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Dokumentation: PsychKG-Forum

Dokumentation der Vorträge auf dem PsychKG-Forum - Erwartungen und Erfahrungen nach der Gesetzesnovelle, das die Bezirksregierung Düsseldorf am 13. April 2018 veranstaltet hatte.

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Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

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Jobbörse für MFA
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