Zeit für eine ethische Debatte

Im neuen Jahr wird sich der Bundestag mit ethischen Fragestellungen zur nicht-invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) auseinandersetzen. Aufhänger der Debatte ist die Evidenzbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zu den diagnostischen Eigenschaften dieser Tests.

Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein (oben), Bernd Zimmer, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein Fotos: Jochen Rolfes

Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein
Foto: Jochen Rolfes

Das Institut kommt zu dem Schluss, dass die NIPD bei Trisomie 21 mit über 99 Prozent als ähnlich sensitiv und spezifisch anzusehen sei wie die derzeit von der GKV bei Risikoschwangerschaften bezahlten invasiven Methoden. Der Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wird unter anderem auf Grundlage dieser Bewertung entscheiden, ob die Kosten für solche Tests künftig von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Professor Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA, hat schon im Vorfeld des Methodenbewertungsverfahrens darauf hingewiesen, dass der Trisomie-Test nur am Anfang einer Reihe von neuen molekulargenetischen Untersuchungsmethoden steht, die auf Zulassung warten oder schon im Selbstzahlersegment eingeführt sind. Daher sei es „zwingend notwendig, eine parlamentarische Diskussion und Willensbildung zu der Fragestellung herbeizuführen, ob und wie weit molekulargenetische Testverfahren in der Schwangerschaft zur Anwendung gelangen können“.

Ich schließe mich dem Urteil von Professor Hecken an. Die Fortschritte in der genetischen Diagnostik zwingen uns als Gesellschaft dazu, die Frage zu beantworten, wie wir mit den dadurch gewonnenen Möglichkeiten umgehen wollen. Im Bundestag müssen wir klären, mit welchen Verfahren wir  künftig die Einführung ethisch umstrittener Diagnostik- und Therapieverfahren bewerten und welche Instanz sich damit auseinandersetzen soll.

Aber ich möchte diese Debatte auch in unseren eigenen Reihen führen. Dabei möchte ich betonen, dass es nicht darum geht, den für Mutter und Kind risikoärmeren Bluttest zu verhindern. Nein, es geht um etwas Grundlegenderes. Es geht um unser Menschenbild der Zukunft. Deshalb sollten wir uns jetzt mit der Frage auseinandersetzen, ob auch in Zukunft die Geburt eines Kindes ein unbeeinflusstes und natürliches Ereignis bleiben soll, oder ob nur noch genetisch getestete Kinder das Licht der Welt erblicken dürfen? Wir sollten klären, wie sich unser Menschenbild verändert, wenn wir Kinder, „die irgendwie anders sind“, ablehnen. Wir beginnen heute mit einem Test auf Trisomie 21, doch wo werden wir enden? Wer setzt die Norm? Und wie soll eine entsprechende  Beratung werdender Eltern dazu aussehen? Und wir sollten uns auch fragen, ob die Einführung der Tests in der Konsequenz nicht dazu führen wird, die Verantwortung und Kosten für Krankheiten vermehrt den betroffenen Familien zuzurechnen, denen ja die Chance zur Vermeidung gegeben wurde?

Ganz unabhängig wie die Debatte ausgeht, eines scheint mir schon jetzt sicher: wir müssen der ethischen und psychosozialen Beratung in der Schwangerenvorsorge vor dem Einsatz der NIPD ausreichend Raum geben, damit werdende Eltern eine eigenverantwortliche Entscheidung treffen können, ob sie den Test für sich – auch in Kenntnis der möglichen Konsequenzen – wirklich wollen. Einen gesellschaftlichen Druck dazu darf es nicht geben.

  Zum Seitenanfang

letzte Änderung am: 24.11.2018



Datenschutzgrundverordnung

Europasterne mit Paragraphenzeichen Foto: BillionPhotos com/Fotolia.com und froxx/Fotolia.com

interner Link Informationen zur Datenschutzgrundverordnung, die am 25.5.2018 Gültigkeit erlangt.

Neue Infoblätter und Mustervorlagen

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 10/2018

Titel 12/2018 Titelgestaltung: Montage: Eberhard Wolf / Foto: Shutterstock

Titelthema

Alles digital, alles gut?

aktuelle Ausgabe

IQN: Arthroseschmerzen
Logo IQN  

Das Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) veranstaltet am Mittwoch 12. Dezember 2018 eine Fortbildung zum Thema "Arthroseschmerzen - Prävention und Behandlungsmöglichkeiten in Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Unter anderem stehen konservative sowie naturheilkundliche Therapieansätze bei Arthrose auf dem Programm der Fortbildung.

interner Link Programm

Materialbestellung

Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

Interner Link Materialbestellung

Logo Cochrane Library
Jobbörse für MFA
Screenshot Jobbörse

Suchen Sie eine neue Praxis-Mitarbeiter/in oder haben Sie einen Ausbildungs- / Praktikums- / Hospitationsplatz frei? Über die Jobbörse auf unserer Homepage haben Sie die Möglichkeit, schnell und kostenlos ein Inserat aufzugeben. Auch Job-Suchende können hier eine Anzeige schalten.

interner Link Jobbörse

Critical Incident Reporting System NRW. Melde- und Lernsystem für medizinische Beinahe-Fehler für NRW.

 Internetlink www.cirs-nrw.de

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen

Wir befolgen den HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen.
Kontrollieren Sie dies hier.


Medisuch-Siegel

Die Medizinsuchmaschine "Medisuch" bestätigt der Ärztekammer Nordrhein, dass die Homepage ohne kommerzielle Einflussnahme erstellt ist.

Video über die Ärztekammer Nordrhein
Screenshot-Image-Video

Video (7 Minuten): Die Aufgaben der Ärztekammer Nordrhein

Interner Link Imagevideo