Ärztepräsident Hoppe warnt vor Gefahr durch multiresistente Erreger

Tuberkulose: Ärzte starten Hilfsprojekt für Kaliningrad

Düsseldorf 23.6.2004. Ein Hilfsprojekt zur Bekämpfung der in Teilen Osteuropas völlig außer Kontrolle geratenen Tuberkulose-Epidemie haben nordrhein-westfälische Ärzte heute in Düsseldorf vorgestellt. Das von der Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) unterstützte Projekt des medizinisch-humanitären Vereins Agitas-Circle dient dem Schutz der Bevölkerung im Gebiet um Kaliningrad (früher Königsberg). Dort erkranken etwa zwölf Mal so viele Menschen an Tuberkulose wie in Nordrhein-Westfalen (2003: 117,9 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner im Vergleich zu 10,2 in NRW).

Eine gewaltige Gefahr geht von den so genannten multiresistenten Bakterienstämmen aus, die gegen die üblichen Anti-Tuberkulose-Medikamente widerstandsfähig geworden sind. Diese Stämme nehmen im Gebiet um Kaliningrad, das eine russische Exklave ist und unmittelbar an die EU-Neumitglieder Polen und Litauen grenzt, dramatisch zu.

Das mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abgestimmte Hilfsprojekt des Agitas-Circle mit Sitz in Erkrath bei Düsseldorf umfasst zum Beispiel eine Kampagne zur Information der Bevölkerung und Schulungen von Ärzten und Krankenschwestern vor Ort, wie der Lungenfacharzt Dr. Dietrich Rohde aus Mülheim (Ruhr), der Leiter des Kaliningrad-Projekts, berichtete. Die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland rief der Präsident der Ärztekammer Nordrhein und der Bundesärztekammer, Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, zu verstärkter Wachsamkeit gegenüber der Tuberkulose auf.

Zwar dürfe die aktuelle Gefahr für Westeuropa durch multiresistente Tuberkulose-Erreger nicht überdramatisiert werden, so Hoppe. „Dennoch dürfen wir die Probleme nicht ignorieren, die durch eine zunehmende Migration vom Osten in den Westen Europas auf uns zukommen können“, sagte er. Der Kammerpräsident wies auf eine in Deutschland durchgeführte Studie hin, nach der sich bei Patienten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion die höchsten Multiresistenzraten zeigen. Die Ärztekammer Nordrhein wird nach seinen Worten verstärkt ärztliche Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Tuberkulose anbieten.

Im Frühjahr hatte die Weltgesundheitsorganisation vor einer weltweiten Gefahr durch die so genannten multiresistenten Tuberkulose-Bakterienstämme gewarnt. Die Zahl der Neu-Infektionen mit diesen gefährlichen Erregern schätzt die WHO auf 300.000 pro Jahr. In 79 Prozent dieser Fälle handelt es sich um Bakterienstämme, die gegen mindestens drei der vier wichtigsten Medikamente resistent sind. „Diese Gefahr kann mit der Osterweiterung der EU auch für uns näher rücken“, befürchtet Hoppe.

Im Jahr 2002 wurden in Nordrhein-Westfalen nach Angaben des Landesinstituts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst 1.989 Tuberkulose-Fälle gemeldet (Deutschland: 7.684). Die Quote der durch multiresistente Erreger hervorgerufenen Erkrankungen lag in NRW bei 2,7 Prozent.

Agitas-Circle, Projektleiter Kaliningrad: Dr. Dietrich Rohde, Heini-Dittmar-Str. 11, 45470 Mülheim Tel.: 0208/373551, Fax: 0208/371089, E-Mail: rohded@t-online.de

Spendenkonto für das Kaliningrad-Projekt: Agitas-Circle e.V.,
Konto-Nr.: 1 333 313, BkLz: 480 201 51, Bankhaus Lampe Düsseldorf, Stichwort: Kaliningrad


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letzte Änderung am: 30.09.2008



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