Professor Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe

Bericht zur Lage bei der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein am 20. März 2010 in Düsseldorf

Aktuelle Themen der Berufs- und Gesundheitspolitik

Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

bis zur Landtagswahl hier bei uns in Nordrhein-Westfalen sind es nur noch wenige Wochen. Das spürt man natürlich auch im politischen Berlin.

Wegen schlechter Umfragewerte erhöhen Union und FDP die Schlagzahl und arbeiten in verschiedenen Politikbereichen an konkreten Gesetzesinitiativen.

Die Finanzpolitiker der Koalition wollen noch im April ein abgespecktes Steuerkonzept vorlegen, und auch Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat seine Reformpläne konkretisiert.

Gut möglich, dass der Minister mit seinen Einsparplänen im Arzneimittelbereich gleich in zweifacher Hinsicht beim Wähler punkten kann: Die bekannt gewordenen Vorhaben signalisieren, dass die Regierung aktiv wird, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Und Rösler entkräftet mit den geplanten Einschnitten bei der Pharmaindustrie Vorwürfe, er und seine Partei würden sowieso nur Klientelpolitik für die Wirtschaft betreiben.

Dazu passt es, dass der Minister beharrlich darauf hinweist, das Bundesgesundheitsministerium werde jeden Bereich des Gesundheitswesens unter die Lupe nehmen und nichts aussparen.

Die Schlagzeilen zur Reform des Arzneimittelmarktes fielen positiv aus. Wir wissen zwar nicht genau, wie die noch sehr vagen Pläne des Bundesgesundheitsministeriums das Licht der Welt erblickten. Aber das Anfang März öffentlich gewordene Papier zu Einsparungen bei Medikamenten signalisierte zumindest, dass an Kostendämpfungsmaßnahmen gearbeitet wird.

Konkret wird vorgeschlagen, die Arzneimittelhersteller per Gesetz zu Preisverhandlungen mit den Krankenkassen zu zwingen. Bislang darf die Industrie die Preise für neue, innovative Medikamente willkürlich selbst festlegen − die Kassen müssen zahlen.

Die Hersteller sollen nun verpflichtet werden, über eine Studie den Zusatznutzen eines Medikaments für Patienten wissenschaftlich zu belegen.

Können sich Kassen und Hersteller auf dieser Basis nicht innerhalb eines Jahres auf einen Preis einigen, soll das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen, kurz IQWiG, eine Kosten-Nutzen-Bewertung für die jeweilige Arznei machen und einen Höchstpreis festlegen. Bis das Gesetz greift, soll es kurzfristige Kostenbremsen wie Zwangsrabatte und Preismoratorien geben.

Die Pläne Röslers decken sich in wesentlichen Punkten mit Vorschlägen von Gesundheitspolitikern der Unions-Fraktion für Einsparungen im Arzneimittelbereich. Die Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat entsprechende Neuregelungen bei ihrer Klausursitzung am 11. und 12. März diskutiert.

Minister Rösler und der Sprecher der Unions-Arbeitsgruppe, Jens Spahn, verständigten sich dabei auf ein gemeinsames Vorgehen. In den nächsten Wochen sollen konkrete Reformeckpunkte erarbeitet werden. Spahn kündigte ein Gesetz noch vor der Sommerpause an.


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Geld im Gesundheitswesen ist knapp. Deshalb ist es richtig, dass sich die Regierung die Arzneimittelpreise vornimmt, und nicht etwa versucht, wieder einmal das Finanzloch der Krankenkassen auf Kosten von uns Ärztinnen und Ärzte zu schließen. Das wollen wir nicht und das wollen auch die Patientinnen und Patienten nicht.

In Deutschland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten sind die Arzneimittelpreise viel höher als in anderen Ländern. Die einen sind die Finanziers, die anderen profitieren − das muss gerechter gestaltet werden.

Gut möglich, dass der Bundesgesundheitsminister bei den Bürgern auch mit den Schlagzeilen der vergangenen Tage über angeblich geplante Einschnitte beim Arzneimittelgroßhandel und bei Apotheken punkten kann.

Es heißt, er wolle die gesetzlichen Handelsspannen des Großhandels um 400 Millionen Euro jährlich kürzen. Auf diese Weise sollten die Händler dazu gebracht werden, allzu großzügig bemessene Rabatte an die Apotheken zu kürzen.

Solche Überlegungen auf Arbeitsebene hat das Ministerium bestätigt. Als Signal an die Bürger, dass der Minister hier die Sparschraube anzieht, sind solche Aussagen offenbar tauglich, auch wenn sie noch wenig konkret sind.

Problematisch für die Koalition ist und bleibt jedoch die Diskussion über ein Prämiensystem im Gesundheitswesen. Am Mittwoch tagte die Regierungskommission zur Ausarbeitung einer Finanzreform für die Gesetzliche Krankenversicherung zum ersten Mal.

Der Minister hat danach bekräftigt, dass man das Prämiensystem schrittweise einführen wolle. Es gelte aber das Motto „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ − dies sicherlich auch aufgrund taktischer Erwägungen.

Jedenfalls ist schon vor der Sitzung durchgesickert, dass Zwischenergebnisse der Kommissionsarbeit nicht vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen bekannt gegeben werden sollen.

Mittlerweile werden dennoch konkrete Pläne des Ministeriums öffentlich diskutiert. Gerüchteweise sollen die gesetzlich Versicherten ab dem Jahr 2011 eine Gesundheitsprämie in Höhe von 29 Euro im Monat zahlen. Um die Bürger zu entlasten, soll der 2005 eingeführte Zusatzbeitrag der Arbeitnehmer in Höhe von 0,9 Prozent gestrichen werden.

Manchem würde eine solche Miniprämie − von einer renommierten Wochenzeitung jetzt auch „Bonsai-Prämie“ genannt − vermutlich weniger Angst einjagen als ein kompletter Systemwechsel.

Impulse für Neuregelungen im Gesundheitswesen kommen auch von der Union. Bei ihrer Klausurtagung haben die Fachpolitiker der Fraktion neben den Arzneimittelplänen auch Neuregelungen für die ambulante Versorgung und Änderungen beim Medizin-Studium beraten. Man will in der ambulanten ärztlichen Versorgung dem zunehmenden Ärztemangel vor allem im ländlichen Bereich begegnen.

Die Union will deshalb mehr Anreize für Ärztinnen und Ärzte setzen, sich in unterversorgten Regionen niederzulassen. CDU und CSU haben dabei wesentliche Forderungen der Ärzteschaft nach einer zielgenaueren Bedarfsplanung sowie neuer Zugangsvoraussetzungen zum Medizinstudium übernommen.

Arbeitsgrundlage war unter anderem ein Positionspapier zur Verbesserung der ambulanten Versorgung. Eine zielgenauere Bedarfsplanung soll dadurch erreicht werden, dass in der jeweiligen Region ein sektorübergreifender Ausschuss zur ärztlichen Versorgungsplanung gebildet wird. Diesem sollen Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung, der Ärztekammer, der Krankenhausgesellschaft, der gesetzlichen Krankenkassen und des zuständigen Landesministeriums angehören. Der Ausschuss soll unter anderem die Befugnis haben, Planungsbezirke zur zielgenaueren Sitzverteilung bei Bedarf kleinräumiger zu gestalten.

Auch sollen die Notdienstbezirke in den ländlichen Räumen neu gestaltet werden, damit sich für den einzelnen Arzt die Zahl der Dienste reduziert.

Für die vertragsärztliche Honorierung wird unter anderem vorgeschlagen, die Regelleistungsvolumina so auszugestalten, dass – ich zitiere – „die medizinische Grundversorgung der Facharztgruppe damit ausreichend gesichert ist“. − Zitat Ende –

Dabei sollen die Regelleistungsvolumina nicht durch extrabudgetäre Leistungen gemindert werden.

Die Koalition hat sich also einiges vorgenommen. Für zusätzlichen Reformdruck haben Äußerungen des Präsidenten des Bundesversicherungsamtes, Maximilian Gaßner, gesorgt.

Er sagt, selbst wenn die Ausgaben im Gesundheitswesen im kommenden Jahr konstant bleiben würden, werde es eine Finanzlücke von etwa 6,4 Milliarden Euro geben. Wenn man die übliche Kostensteigerung für Kliniken, Ärzte und Medikamente einbeziehe, könne das Defizit sogar auf 15 Milliarden Euro ansteigen. Die zuvor vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte GKV-Finanzentwicklung wies für 2009 ein Defizit von 1,4 Milliarden Euro aus.

Dabei gab es 2009 die dem Volumen nach größten Ausgabesteigerungen im GKV-System bei der ambulanten Behandlung (plus 7,4 Prozent je Versichertem auf 30,6 Milliarden Euro) und bei den Krankenhäusern (plus 6,6 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro). Grund sind nach Angaben des Ministeriums die zusätzlichen Kosten aufgrund der um 3,5 Milliarden Euro aufgestockten Finanzierung der Krankenhäuser sowie das Plus aus der Honorarreform für die Ärzte.

Dabei dürfte aber auch innerhalb der Regierung unstrittig sein, dass mit dem zusätzlichen Geld die chronische Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung der vergangenen zehn Jahre nur teilweise ausgeglichen wurde.

Ob das zusätzliche Geld für die ambulante Versorgung richtig eingesetzt wird, will Rösler nach eigener Aussage überprüfen. Er strebe ein faires Vergütungssystem an, sagte er kürzlich. In diesem Zusammenhang hat der Minister kritisiert, dass er von der KBV bislang keine Daten über die genauen Auswirkungen der Honorarreform erhalten habe.

Die Große Koalition hatte festgelegt, dass über die Folgen der Reform für das erste Quartal 2009 eigentlich bis zum 15. November berichtet werden müsste.

Offensichtlich ist das Ministerium wegen der Verwerfungen bei der Honorarreform besorgt. Dass Praxen in Existenzgefahr geraten können, hat der Minister erkannt.

Und wenn er sich denn die Zahlen aus Nordrhein und Westfalen-Lippe genau anschaut, da bin ich sicher, wird er selbst als Niedersachse einsehen: Da ist etwas völlig schiefgelaufen, und das muss korrigiert werden!

Allerdings wenn wir hier und heute über die Vergütung in der vertragsärztlichen Versorgung und die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen an den Kliniken diskutieren, dann sollten wir eines auf keinen Fall aus dem Blick verlieren: Wir dürfen uns in der gesundheits- und sozialpolitischen Debatte, wir dürfen uns in der öffentlichen Wahrnehmung nicht auf Einkommens- und Honorierungsfragen reduzieren lassen.

Erst recht dürfen wir uns nicht selbst darauf reduzieren, denn das würde unser Ansehen und unsere politische Glaubwürdigkeit gefährden. Wir müssen vielmehr deutlich machen, dass unsere Berufsauffassung geprägt ist von sozialer Verantwortung und von einer Berufsethik, die das Wohl der Patientinnen und Patienten in den Vordergrund stellt – was eben auch bedeutet, dass wir unsere eigenen Interessen immer wieder dahinter zurückstellen.

Das kann nun jedoch nicht bedeuten, dass wir uns in der Ethikfalle festsetzen lassen. Niemand kann uns Ärztinnen und Ärzten dauerhaft abverlangen, dass wir ausschließlich altruistisch handeln und die Selbstausbeutung zum Lebensprinzip machen.

Wenn sich das vertragsärztliche Honorar auf einen Insolvenzverschleppungsbeitrag reduziert, dann können wir uns das natürlich nicht gefallen lassen!

Das ist ja auch nicht im Interesse der Patientinnen und Patienten. Niemand wird uns verwehren, ebenso entschieden für unsere eigenen Interessen einzutreten wie für eine gute Versorgung. Es ist unser gutes Recht, eine der Leistung, dem Können und der Verantwortung entsprechende Wertschätzung der ärztlichen Arbeit einzufordern.

Es war und es ist daher richtig, die chronische Unterfinanzierung der ambulanten Medizin anzuprangern, im Interesse von Patient und Arzt.

Wir stehen geschlossen hinter den Forderungen der Kassenärztlichen Vereinigungen in Nordrhein-Westfalen nach Honorargerechtigkeit.

Wir unterstützen es, dass der Marburger Bund so konsequent für angemessene Einkommen und würdige Arbeitsbedingungen unserer Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken eintritt. Deshalb stehen wir ebenso geschlossen hinter dem Warnstreik gegen die uneinsichtigen kommunalen Arbeitgeber am kommenden Montag in Köln.

Die haben doch tatsächlich behauptet, in den nächtlichen Bereitschaftsdiensten werde mehr geschlafen als gearbeitet. Zu Recht empört das die Kolleginnen Kollegen.

Alles in allem kommt es bei der ärztlichen Interessenvertretung zurzeit mehr denn je darauf an, mit Augenmaß zu handeln und den richtigen Ton zu finden. Wir alle wissen, dass die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise noch nicht überwunden ist. Wir alle kennen die desolate Lage der öffentlichen Haushalte. Wir alle verfolgen die Sozialstaatsdebatte einschließlich der gesundheitspolitischen Entwicklung, die ich eingangs skizziert habe.

Wir können uns von diesem Umfeld nicht abschotten, sondern wir sollten uns in die Diskussionen einschalten, und das mit klaren Worten, aber eben auch in einem Stil, der unseres Berufes würdig ist. Selbstverständlich haben wir eigene berechtigte Interessen. Doch sollten wir − im beruflichen Alltagshandeln wie auch im öffentlichen Meinungsstreit − eines immer vermitteln:

Wir sind keine Klientel, die nun trotz harter Zeiten üppig bedient werden will, sondern wir haben eine Klientel, und das sind unsere Patientinnen und Patienten!

Deshalb auch kümmern wir uns in unserer Ärztekammer um die Qualität der Patientenversorgung, und ein ganz wesentlicher Beitrag dazu ist eine gute Weiterbildung. Dieses Thema ist von höchstem Interesse für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen, und es ist von größter Bedeutung für die Strukturqualität der Medizin in Deutschland.

Deshalb haben sich Bundesärztekammer und Landesärztekammern entschieden, die Situation in der Weiterbildung regelmäßig alle zwei Jahre evaluieren zu lassen. Vielleicht haben Sie schon die Ergebnisse der ersten Befragung des Jahres 2009 im Deutschen Ärzteblatt oder auf der Homepage unserer Kammer zur Kenntnis nehmen können, sie sind vor wenigen Tagen veröffentlicht worden. Beteiligt haben sich bundesweit immerhin knapp 10.000 Weiterbildungsbefugte, das entspricht einer Quote von rund 60 Prozent, und fast 19.000 Weiterbildungsassistenten, das ist etwa ein Drittel. Sicherlich ist Letzteres noch steigerungsfähig.

Unter dem Strich lässt sich sagen, dass die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung grundsätzlich mit ihrer Situation in Klinik oder Praxis einigermaßen zufrieden sind. In Schulnoten ausgedrückt, liegt die allgemeine Bewertung so um die zwei minus bis drei plus, auch hier bei uns in Nordrhein. Allerdings wird aus der Befragung auch deutlich, dass hohe Arbeitsbelastung, Bürokratie und Überstunden den Berufsalltag der Assistentinnen und Assistenten prägen. Wir werden die Befragungsergebnisse sorgfältig auswerten mit dem Ziel, den Weiterbildungsalltag zu verbessern.

Hier bei uns in Nordrhein gehen wir neue Wege mit unseren Initiativen zur Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin. Es ist unser Ziel, den Beruf des Hausarztes für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen wieder attraktiver zu machen.

Sie wissen, dass etwa 20 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte über 60 Jahre alt sind. Damit zeichnet sich in den nächsten Jahren ein Versorgungsengpass ab, der speziell in ländlichen Regionen zur Unterversorgung führen kann. In Nordrhein müssten bei rund 6.000 hausärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen jährlich 200 junge Kolleginnen und Kollegen nachrücken, tatsächlich ist es nur rund die Hälfte.

Unser Vorstand hat ein Handlungskonzept entwickelt und mit viel Unterstützung durch die Kreis- und Bezirksstellen regionale Initiativen ins Leben gerufen, etwa im Oberbergischen Kreis, in Essen, Mülheim, Oberhausen und im Kreis Viersen.

Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte haben dort ein gemeinsames Weiterbildungsprogramm erstellt. Für die Assistenten gibt es bereits zu Beginn ihrer Weiterbildung ein komplettes fünfjähriges Programm bis zur Facharztprüfung. Damit entfällt damit die oft mühsame Suche nach Weiterbildern für einzelne Abschnitte, verbunden mit Wohnungswechsel und anderen administrativen Aufwendungen.

Gleichzeitig entwickelt sich im Rahmen der Verbundbefugnisse eine engere Zusammenarbeit vor Ort.

Ich freue mich, am Montagabend in Essen den Startschuss geben zu können für den Weiterbildungsverbund Ruhr mit sieben regionalen Verbünden und bedanke mich bei allen Beteiligten für ganz herzlich für ihr Engagement.


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der im Juni von Ihnen neu gewählte Vorstand unserer Kammer hat im ersten dreiviertel Jahr seiner Tätigkeit bereits intensive inhaltliche Arbeit geleistet – der heute hier vorgelegte Leitantrag zum Thema Telematik ist nur ein Beispiel dafür.

Im Rahmen einer Klausursitzung hat der Vorstand über drei Schwerpunktthemen beraten, die für die Arbeit der nächsten Monate von besonderer Bedeutung sein werden.

Das erste dieser Themen ist die Frage der Sicherung der hausärztlichen Versorgung, dazu habe ich schon einiges gesagt.

Zweitens hält der Vorstand die Kooperation von Ärztinnen und Ärzten mit anderen Gesundheitsberufen für ein ganz wichtiges Thema in diesem Jahr. Sie wissen, dass das Land Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterrolle bei der Weiterentwicklung der nicht-akademischen Gesundheitsberufe anstrebt und hierzu eine neue Fachhochschule für Gesundheitsberufe in Bochum gegründet hat.

Die zunehmende Akademisierung der nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe und die Entwicklung neuer Berufsbilder wie der des „operationstechnischen Assistenten“ fordern uns Ärztinnen und Ärzte heraus. Wir müssen unsere Vorstellungen von einer gelungenen Kooperation der Gesundheitsberufe noch weiter präzisieren und klar kommunizieren.

Wir müssen immer wieder deutlich machen, dass die ärztliche Gesamtverantwortung und die Einheitlichkeit des Behandlungsprozesses im Interesse unserer Patientinnen und Patienten nicht gefährdet werden dürfen.

Die Weiterentwicklung der Medizin und die Zunahme chronischer Erkrankungen bringen es mit sich, dass Behandlungsprozesse heute oft ein komplexes Zusammenspiel verschiedener ärztlicher und nicht-ärztlicher Berufsgruppen erfordern. Die Herausforderung für uns Ärztinnen und Ärzte liegt darin, unsere Fähigkeiten zur Steuerung solcher komplexen Behandlungsprozesse weiterzuentwickeln.

Es liegt bei uns, klar zu definieren, welche Aufgaben in ärztlicher Hand bleiben müssen und welche Tätigkeiten wir im Rahmen der Delegation auf andere Berufsgruppen übertragen können. Den Belangen der ärztlichen Weiterbildung muss dabei Rechnung getragen werden.

Unser Vorstand hat zu diesem Themenfeld einen Ad-hoc-Ausschuss unter Vorsitz von Frau Kollegin Dr. Anja Mitrenga-Theusinger und unseres Vizepräsidenten Bernd Zimmer eingesetzt. Ich freue mich auf die Ergebnisse dieser Arbeit, die wir mit der Ärztekammer Westfalen-Lippe abstimmen und dann gemeinsam in die landes- und bundespolitische Diskussion einbringen werden.

Nicht zuletzt stellt sich aus Sicht des Vorstands die Frage nach der weiteren Entwicklung unserer der ärztlichen Selbstverwaltung. Wir hören immer wieder von den Kolleginnen und Kollegen, dass sie die Kammer als die letzte verbliebene Institution sehen, in der ärztliche Selbstverwaltung im eigentlichen Sinne dieses Wortes überhaupt noch möglich ist.

Umso mehr müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir das Anliegen der Selbstverwaltung − nämlich dass wir Ärztinnen und Ärzte unsere beruflichen Belange so weit wie nur möglich eigenständig regeln − stärken und weiterentwickeln. Ganz besonders müssen wir uns fragen, wie wir junge Kolleginnen und Kollegen für die Selbstverwaltung begeistern und sie zu einem Engagement in der Kammer ermutigen können. Da gibt es, das müssen wir unumwunden zugeben, noch Defizite.

Deshalb haben wir erstmals im vorigen Jahr die neuen Mitglieder unserer Ärztekammer Nordrhein zu einer festlichen Veranstaltung eingeladen und ihnen bei dieser Gelegenheit die Kammer als „ihre“ Selbstverwaltung nahebringen können.

Diese Einführung hat eine sehr positive Resonanz gefunden, und deshalb findet eine solche Veranstaltung in einer Woche hier in diesem Saal zum zweiten Mal statt. Dazu sind Sie herzlich eingeladen.

Natürlich kann dies nur einer von vielen Schritten auf dem Weg sein, die zukünftigen Ärztegenerationen für die Selbstverwaltung in der Kammer zu gewinnen. Der Vorstand hat deswegen eigens einen „Zukunftsausschuss“ eingesetzt, der unter Vorsitz von Herrn Kollegen Dr. Dr. Lars-Benjamin Fritz ein Konzept erarbeiten wird. Wir sind auch hier gespannt auf die Ergebnisse und die Beratungen in Vorstand und Kammerversammlung.

Neben den erwähnten Gremien hat der Vorstand in den vergangenen Monaten eine große Zahl weiterer Ausschüsse und Kommissionen berufen, die die Arbeit der Kammer in dieser Wahlperiode tragen. Viele dieser Gremien führen die bewährte Arbeit aus der letzten Wahlperiode weiter, andere sind neu, wie zum Beispiel der Ausschuss zu den Themen „Ärztegesundheit“ und „Vereinbarkeit von ärztlichem Beruf und Familie“ unter dem Vorsitz der Kolleginnen Dr. Christiane Friedländer und Dr. Christiane Groß. In diesem Ausschuss, und das finde ich sehr gut so, sind auch zwei Männer drin.


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Thema Telematik ist der inhaltliche Schwerpunkt unserer heutigen Kammerversammlung. Der Vorstand hat hierzu einen Antrag vorbereitet, den Frau Kollegin Dr. Groß als Vorsitzende des Vorstandsausschusses „E-Health“ in den wesentlichen Punkten erläutern wird.

Darüber hinaus berichten Herr Gilbert Mohr, Leiter der Abteilung IT in der Arztpraxis der KV Nordrhein, und last but not least Herr Kollege Dr. Ludger Wollring, der ja unsere Kreisstelle in der Testregion Essen leitet und der auch für den von der KV Nordrhein zu dem Thema eingerichteten Fachausschuss spricht.

Ich freue mich auf die Diskussion und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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letzte Änderung am: 20.03.2010

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Rheinisches Ärzteblatt

Heft 5/2018

Titel 5/2018 Titelgestaltung: Eberhard Wolf

Titelthema

Darum delegiere ich

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Jugendgesundheit im Fokus

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Auf dem 7. Kammerkolloquium Kindergesundheit steht die Gesundheit von Jugendlichen im Fokus. Auf dem Programm stehen die Theman Hirnentwicklung, soziale Ungleichheit und Gesundheit, Essverhalten, selbstverletzendes Verhalten und Schulabsentismus. Die Veranstaltung findet statt am Samstag, 16. Juni 2018 10 Uhr im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft.

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Update Gesundheitspolitik 2018
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Am Donnerstag, 7. Juni 2018 lädt die Ärztekammer Nordrhein alle Interessierten zum Diskussionsforum "Update Gesundheitspolitik 2018" ins Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft ein. Zentrale Fragen der Gesundheits- und Berufspolitik stehen im Mittelpunkt der Diskussion mit Ihnen, dem Vorstand und der Geschäftsführung der Ärztekammer Nordrhein

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Dokumentation: PsychKG-Forum

Dokumentation der Vorträge auf dem PsychKG-Forum - Erwartungen und Erfahrungen nach der Gesetzesnovelle, das die Bezirksregierung Düsseldorf am 13. April 2018 veranstaltet hatte.

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Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

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Jobbörse für MFA
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Critical Incident Reporting System NRW. Melde- und Lernsystem für medizinische Beinahe-Fehler für NRW.

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