Professor Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe

Bericht zur Lage bei der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein am 20. November 2010 in Düsseldorf

Aktuelle Themen der Berufs- und Gesundheitspolitik

Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe

Meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Mitte Oktober ist eine bemerkenswerte Umfrage veröffentlicht worden. Die Überschrift dazu in der Online-Veröffentlichung einer Hamburger Illustrierten, die nur sehr unregelmäßig ihre Sympathien für unseren Beruf artikuliert, lautete:

„Deutsche gönnen Ärzten ihr Geld.“

Im Text heißt es:

„Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen hält es für richtig, dass Ärzte überdurchschnittlich gut bezahlt werden. In einer Umfrage für den stern erklärten 61 Prozent der Befragten, ein Jahreseinkommen von 164.000 Euro sei für Ärzte „gerade angemessen“. 20 Prozent schätzten dies sogar noch für zu niedrig ein. 13 Prozent meinten, mit dieser Summe seien Ärzte zu hoch vergütet.“

Nun lässt sich über Einkommensstatistik trefflich streiten. Sicherlich sind in den vergangenen Jahren zusätzliche Mittel für die ambulante Versorgung bereitgestellt worden. Ebenso sicher ist: das in über zwei Jahrzehnten Versäumte kann nicht in wenigen Jahren aufgeholt werden.

Doch ich will auf etwas anderes, wie ich meine Wichtigeres hinaus:

Anknüpfend an die Zuwächse der vergangenen Jahre sollte doch mit der Umfrage offenbar eine Neid-Debatte angezettelt werden. Und dies, obwohl die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen zum Teil noch immer ganz erheblich unter Honorarverfall leiden.

Aber der Plan hat nicht funktioniert. Die Befragten haben nicht mitgespielt.

In der Bevölkerung ist die Wertschätzung ärztlicher Arbeit höher, als so mancher glaubt, und das ist sehr erfreulich!

Daran können wir anknüpfen in den künftigen Auseinandersetzungen um eine gute Patientenversorgung und eine angemessene Vergütung ärztlicher Arbeit!

Das gilt auch für die Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken. Erlauben Sie mir ein weiteres Zitat:

„Was ich wahrnehme, ist der wachsende Druck, Patienten schneller abzufertigen. Das sage ich ganz bewusst so. Es geht vor allem darum, die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus niedrig zu halten. Entsprechend fällt ein höheres Arbeitspensum an, während die Zeit dafür immer kürzer wird. Das wird eher noch extremer werden, denn ich kenne eine Reihe von Kollegen, die in letzter Zeit gekündigt haben und zum Teil ins Ausland gegangen sind.“

Das hat eine junge Assistenzärztin in der vergangenen Woche bei WDR.de gesagt.

Anlass für das Interview war, dass die nordrhein-westfälischen Arbeitsschutzbehörden in 37 von 40 überprüften Krankenhäusern Nordrhein-Westfalens zum Teil eklatante Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz feststellen mussten. Das sind Zustände, die wir niemals akzeptieren werden!

Soweit zur Realität an der Basis, in Krankenhaus und Praxis.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Wirklichkeit in den Praxen und Kliniken kennt auch der Bundesgesundheitsminister, unser Kollege Dr. Philipp Rösler. Dennoch, das habe ich vor einem Jahr bereits hier an dieser Stelle gesagt, können wir von ihm keine Wunderdinge erwarten.

Zu groß ist der Reformbedarf, der sich aus medizinischem Fortschritt und der Entwicklung hin zu einer Gesellschaft des langen Lebens ergibt. Zu lange sind die Probleme geleugnet und ignoriert worden. Zu lange ist eine Finanzierungsreform der Gesetzlichen Krankenversicherung in ideologischen Schlachten auf der Strecke geblieben.

So hat der neue Bundesgesundheitsminister eine Situation vorgefunden, in der einmal mehr ein Milliardendefizit drohte, darum musste er sich zuerst kümmern. Das GKV-Finanzierungsgesetz, das der Deutsche Bundestag in der vorigen Woche verabschiedet hat, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Denn es bedeutet nicht allein eine Akutmaßnahme, nicht allein Kostendämpfung, sondern es verspricht immerhin den Einstieg in ein neues Finanzierungssystem für die GKV mit mehr Nachhaltigkeit.

Freilich haben die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wie auch die Krankenhäuser zum Teil schmerzhafte Einschnitte hinnehmen müssen, aber wenigstens sind wir nicht die einzigen.

So wird auch die Pharmaindustrie mit dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz und dem vorangegangenen Arzneimittel-Sparpaket zur Konsolidierung der GKV-Finanzen herangezogen. Mit der vorgesehenen Schnellbewertung von neuen Arzneimitteln wurden Voraussetzungen dafür geschaffen, dass in Zukunft vernünftige Preise für neue Medikamente ausgehandelt werden können.

Das begrüßen wir. Denn wenn die Ausgaben der GKV für Arzneimittel in etwa gleich hoch oder sogar höher sind als die Ausgaben für Ärzte, dann stimmt etwas nicht in unserem Gesundheitswesen!

Eines allerdings haben wir am Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz ganz deutlich zu kritisieren: Es gibt nun auch Pharmaunternehmen die Möglichkeit, als direkte Vertragspartner Verträge zur integrierten Versorgung zu schließen.

Damit erhält die Industrie einen direkten Einfluss auf die Versorgung der Bevölkerung, der weit über die Frage der Arzneimittelversorgung hinausgehen kann.

Ärzte als Subunternehmer von Pharmakonzernen – dieses Szenario müssen wir im Interesse unserer Patientinnen und Patienten verhindern!

Ich habe dazu einen Brief an den Bundesgesundheitsminister geschrieben. Heute bitte Sie darum, unserem Vorstandsantrag zu dieser Thematik zuzustimmen.

Positiv wiederum bewerten wir, dass die Verwaltungskosten der Krankenkassen für zwei Jahre eingefroren werden, das macht Sinn. Bei alledem dürfen wir nicht vergessen, dass es die Versicherten sind, die über höhere Beitragssätze ganz entscheidend zur Vermeidung eines Defizits der GKV im Jahr 2011 beitragen.

Mit den beiden Gesetzespaketen − GKV-Finanzierungsgesetz und Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz – hat die Regierung die dringendsten Aufgaben erledigt. Nun müssen weiterreichende Reformen folgen. So ist eine Neugestaltung der Bedarfsplanung längst überfällig, und diese soll mit dem so genannten  Versorgungsgesetz tatsächlich in Angriff genommen werden.

Der Gesundheitsminister weiß, dass die künftige Qualität der gesundheitlichen Versorgung entscheidend davon abhängt, wie attraktiv der Arztberuf für die nachwachsenden Generationen sein wird. Der heute bereits deutlich spürbare Ärztemangel wird in den beiden kommenden Jahrzehnten dramatische Formen annehmen, wenn wir nicht gegensteuern.

Wir brauchen endlich verlässliche Rahmenbedingungen für die Praxen. Wir brauchen mehr Stellen in den Kliniken, nicht zuletzt damit dort gute Weiterbildung stattfinden kann. Wir brauchen den Abbau von Bürokratie.

Ganz wesentlich wird auch sein, dass Ärztinnen und Ärzte Beruf und Familie künftig besser miteinander vereinbaren können, ich nenne hier nur das Stichwort Kinderbetreuung. Die junge Generation ist einfach nicht zur groben Selbstausbeutung bereit.

Wenn talentierte junge Leute keine vernünftigen Arbeitsbedingungen zu erwarten haben, wenn die Vergütung nicht ihrem Können, ihrem Wissen und ihrer Verantwortung entspricht, dann suchen sie sich Alternativen. Das ist doch völlig normal.

Es ist also unser gemeinsames Ziel, den Arztberuf attraktiver zu machen. Da ist eine Umstellung des Medizinstudiums auf eine drei- bis vierjährige Bachelor-Ausbildung, wie sie jetzt in Oldenburg und Groningen geplant ist, kontraproduktiv. Eine solche Ausbildung muss den Qualitätsstandard des Staatsexamens verfehlen, das kann nicht Sinn der Sache sein.

Ich habe eingangs gesprochen von der Wertschätzung der Bevölkerung unserem Beruf gegenüber. Diese hängt ebenso ab von einer hochwertigen Ausbildung und Weiterbildung wie von unserem Nimbus als Freiberufler, die jenseits der eigenen Interessen das Wohl der Patienten zu ihrem eigenen Anliegen machen.

Allerdings kann niemandem dauerhaft reiner Altruismus abverlangt werden, nur die wenigsten Menschen sind Heilige. Deshalb braucht die  Freiberuflichkeit den Rahmen einer Vergütungsordnung, die das vertrauensvolle Patient-Arzt-Verhältnis nicht beschädigt.

Genau das ist die Funktion, die eine Amtliche Gebührentaxe in unserem Gemeinwesen zu erfüllen hat. Sie soll die Vergütung zwischen Arzt und Patient auf klare und faire Weise regeln.

Doch wissen wir alle: Die derzeitige privatärztliche Gebührenordnung GOÄ ist dazu nicht mehr tauglich weil völlig veraltet. Nun geht die Regierung die überfällige Modernisierung wie im Koalitionsvertrag versprochen an. Die Bundesärztekammer ist gut gerüstet. Wir haben in jahrelanger Arbeit ein umfassendes Konzept erarbeitet, das eine angemessene Beschreibung und Bewertung ärztlicher Leistungen enthält.

Die Private Krankenversicherung jedoch will eine solche sachgerechte Referenzordnung für die Vergütung ärztlicher Arbeit durch eine Öffnungsklausel zur Makulatur machen. Dagegen werden wir uns wehren!

Denn eine eigenständige Gebührentaxe für den freien Arztberuf ist von größter Bedeutung für eine gute Medizin in Deutschland. Dumping-Wettbewerb durch selektive Verträge ist hier fehl am Platze!

Wer es ernst meint mit dem Satz, dass die Freiberuflichkeit der ärztlichen Tätigkeit ein tragendes Prinzip unserer Gesundheitsversorgung ist, sollte in dieser Auseinandersetzung auf unserer Seite stehen. Genau diese Formulierung vom tragenden Prinzip findet sich erfreulicherweise im Koalitionsvertrag.

Auf das Verhalten der Bundesregierung in einer anderen harten Auseinandersetzung sind wir ebenfalls sehr gespannt.

Sie alle wissen, dass die Kolleginnen und Kollegen an den Kliniken mit dem Marburger Bund ihre Stellung als eigenständige Tarifvertragspartei hart erkämpft haben − und das aus Unzufriedenheit mit der nivellierenden Tarifpolitik des früheren Partners, der DGB-Gewerkschaft Verdi.

Nun gibt es Bestrebungen der DGB-Gewerkschaften − und zwar Seite an Seite mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände BDA − die tarifpolitische Autonomie des Marburger Bundes zu brechen.

Sie wollen die Krankenhausärztinnen und -ärzte unter die Knute von Verdi zwingen. Nur diejenigen Tarifverträge sollen künftig verbindlich sein, an welche die Mehrheit der Mitglieder eines Betriebes gebunden ist.

Das würde bedeuten: Verdi hätte sehr gute Chancen, die arztspezifischen Tarifverträge des Marburger Bundes auszuhebeln, obwohl diese doch gut funktionieren und dringend weiterentwickelt werden müssen. Die DGB-Gewerkschaften aber wollen sich lästiger Konkurrenz entledigen, und der Gesetzgeber soll es über das Tarifvertragsgesetz richten.

Ein Großteil der Rechtswissenschaft hält das für verfassungswidrig, weil ein gröberer Eingriff in die Koalitionsfreiheit nach Artikel 9 Absatz 3 des Grundgesetzes kaum vorstellbar ist.

Ich habe zudem die große Sorge, dass sich bei einer nicht auf Ärztinnen und Ärzte zugeschnittenen Tarifpolitik der Ärztemangel an den Kliniken innerhalb weniger Jahre drastisch verschärfen wird.

Wir appellieren daher als gesamte Ärzteschaft an Bundesregierung und Parlament, dem Druck der mächtigen Dachorganisationen DGB und BDA nicht nachzugeben und jedem Versuch einer grundgesetzwidrigen Einschränkung der Koalitionsfreiheit eine klare Absage zu erteilen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine breite gesellschaftliche Debatte hat das Urteil des Bundesgerichtshofes vom Juli zur Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, ausgelöst. Im Kern geht es um die Frage, ob außerhalb des Mutterleibs gezeugte Embryonen mittels PID auf schwere Erbkrankheiten untersucht und gegebenenfalls vor der Implantation aussortiert werden dürfen. Die Richter haben die PID bei schwerwiegender Indikation aufgrund genetischer Belastungen der Eltern für zulässig erklärt.

Kritiker fordern nun ein gesetzliches Verbot. Dazu gehört auch die Bundeskanzlerin, gerade in der vergangenen Woche ist ihr der CDU-Bundesparteitag nach einer ausführlichen Debatte mit knapper Mehrheit gefolgt.

Die große Befürchtung der Kritiker ist, dass durch eine Anwendung der PID einer eugenischen Selektion Tür und Tor geöffnet wird. Das ist ein schwerwiegendes Argument, gerade in unserem Lande. Selbstverständlich ist ein solches Vorgehen auch nach geltender Gesetzeslage verboten, eine geschlechtsspezifische Auswahl etwa ist laut BGH-Urteil ebenso strikt untersagt wie die unbegrenzte Selektion von Embryonen.

Aber wo verläuft denn die Grenze zwischen einer schwerwiegenden Indikation und einer weniger schwerwiegenden?

Diese Frage kann die medizinische Wissenschaft jedenfalls nicht beantworten, geht es doch hier ganz wesentlich auch um weltanschauliche, ethische, religiöse und auch rechtspolitische Abwägungen.

Für uns bleibt klar: Das Ziel ärztlichen Handelns ist Heilung, Linderung oder Vermeidung von Krankheit und Behinderung, jedoch nicht die Tötung von Kranken und Behinderten.

Leider ist es aber nicht so einfach, dass die Welt durch ein Verbot der PID in Ordnung zu bringen wäre. Es wird immer ein Dilemma bleiben. Denn gegen die Kritik an der PID steht der verständliche Wunsch genetisch vorbelasteter Eltern nach einem gesunden Kind. Und nicht zuletzt muss die PID ja in engem Zusammenhang gesehen werden mit der Tatsache, dass nach einem auffälligen pränataldiagnostischen Befund die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs aufgrund der medizinischen Indikation besteht. Hier fragen natürlich die betroffenen Paare, ob sie nicht durch ein generelles Verbot der PID dem Risiko einer vermeidbaren schweren körperlichen und seelischen Belastung ausgesetzt werden.

All diese Fragen müssen sehr gründlich und in der gesamten Gesellschaft breit diskutiert werden. Am Ende der Diskussion wird es dann hoffentlich eine gesetzliche Regelung geben, die betroffenen Eltern und ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten wenigstens Rechtssicherheit bietet.

Eine breite öffentliche Debatte hat auch die Lebend-Nierenspende des SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Frank-Walter Steinmeier für seine Ehefrau ausgelöst. Die traurige Tatsache, dass deutschlandweit 12.000 Menschen auf eine Organspende warten, stand in allen Zeitungen. Jeden Tag sterben drei Patienten, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht. Wir müssen weiter intensiv darüber nachdenken, wie die Zahl der Spenden gesteigert werden kann.

Dabei sollten wir auch die sogenannte Widerspruchslösung in Betracht ziehen. Danach könnten Hirntoten Organe entnommen werden, sofern sie dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben. Zurzeit bedarf es ja einer ausdrücklichen Zustimmung. Die Diskussion über eine Widerspruchslösung ist aber mit Bedacht zu führen, denn es darf nicht zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung kommen.

Eine Widerspruchslösung wäre auch kein Allheilmittel. Mindestens ebenso dringend wie ein Überdenken der gesetzlichen Regelungen ist es, dass in den Krankenhäusern flächendeckend Transplantationsbeauftragte bestellt werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bis zum Jahresende will der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Wolfgang Zöller, sein Diskussionspapier zu einem Patientenrechtegesetz vorlegen. Die Ärzteschaft sperrt sich nicht gegen ein solches Gesetz, solange das bestehende Recht darin lediglich kodifiziert, nicht aber im Kern geändert wird. Denn bekanntlich ist Deutschland bei den Patientenrechten weltweit Spitze.

Eine wichtige Rolle im Patientenrechtegesetz sollen die Themen Behandlungsfehler und Fehlerprävention spielen. Die Ärztekammern in Deutschland können zu diesen Themenfeldern einen in 35 Jahren erworbenen Erfahrungsschatz beisteuern.

So lange bereits arbeitet beispielsweise die Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler bei der Ärztekammer Nordrhein auf dem Gebiet der außergerichtlichen Streitschlichtung in Arzthaftungssachen.

Damit bin ich bei unserem heutigen Arbeitsprogramm. Denn unter Tagesordnungspunkt 2 wird uns wie immer im Herbst der Vorsitzende unserer Gutachterkommission Bericht erstatten.

Dafür ­– und natürlich für die Arbeit im vergangenen Jahr – danke ich dem Herrn Präsidenten des Oberlandesgerichts a. D. Dr. jur. Heinz-Dieter Laum, und dem Geschäftsführenden Kommissionsmitglied Professor Dr. med. Lutwin Beck – stellvertretend für die ehrenamtlich tätigen Juristen und Ärzte – sowie dem hauptamtlichen Geschäftsführer der Kommission, Herrn Ulrich Smentkowski.

Im Februar übrigens wird die Gutachterkommission in bewährter Zusammenarbeit mit unserem Institut für Qualität im Gesundheitswesen IQN die 50. Fortbildung der gemeinsamen Reihe „Aus Fehlern lernen“ durchführen. Bei der Fortbildung in Sachen Behandlungsfehlerprophylaxe sind wir in Nordrhein vorn, und dafür danke ich der Gutachterkommission ebenso wie dem IQN und seiner Geschäftsführerin Dr. Martina Levartz.

Wir freuen uns auch darüber, dass das IQN, auf das die nordrheinische Ärzteschaft nicht verzichten kann, aller Voraussicht nach wie bisher in der Verantwortung beider ärztlicher Körperschaften weitergeführt wird.

Der zweite Klassiker unserer Herbstversammlung ist unser Versorgungswerk. Über dessen Geschäftsjahr 2009 gibt Ihnen Herr Dr. Gerhard Rosler Auskunft, der als Geschäftsführer gemeinsam mit Herrn Professor Dr. Dirk Lepelmeier die Geschäfte der Versorgung führt.

Ich darf schon einmal die erfreuliche Nachricht vorwegnehmen, dass unsere Versorgung im laufenden Geschäftsjahr 2010 einen Rechnungszins von 4 Prozent erzielen wird. Das ist nicht selbstverständlich angesichts der derzeitigen Niedrigzins-Phase. Bedanken will ich mich auch dafür, dass unser Versorgungswerk die direkte und persönliche Mitgliederinformation verstärkt hat, so wie wir in der gesamten Kammer immer stärker auf Service, Beratung und Information setzen.

Unter Tagesordnungspunkt 5 stehen die Finanzen unserer Kammer und der Akademie zur Beratung an. Dieses Thema betreuen neben unserem Verwaltungsdirektor, Herrn Klaus Schumacher, die von Ihnen gewählten Mitglieder des Finanzausschusses. Dessen Vorsitzender, Herr Kollege Fritz Stagge, wird Ihnen berichten, ebenso Herr Kollege Dr. Rainer Holzborn als Verbindungsmann des Vorstandes zum Finanzausschuss.

Tagesordnungspunkt 6 ist dem Thema Telematik gewidmet.

Ich bin dankbar für die engagierte Debatte darüber in unserer Kammer. Sie ist deshalb so wichtig, weil mit dieser Frage das Patientengeheimnis und damit eine Grundfeste der ärztlichen Ethik verknüpft ist.

Die im Hippokratischen Eid enthaltene Verschwiegenheitspflicht ist die wohl älteste uns bekannte Datenschutznorm. Wenn nun die moderne Telekommunikations- und Informationstechnologie unseren Alltag in Klinik und Praxis immer stärker durchdringt, so ist es eine ureigene ärztliche Aufgabe, auf einem hinreichenden Schutz der Patientendaten zu bestehen.

Ist dieser garantiert, sind wir offen für neue Technologien. Denn sie bieten die Chance, durch schnellen und gut organisierten Informationsaustausch auf elektronischem Wege die Qualität der Patientenbehandlung zu verbessern und die Abläufe in Praxis und Klinik zweckmäßiger zu gestalten.

Genau darauf konzentrieren sich unser Ausschuss E-Health und der ärztliche Beirat auf Landesebene. Ich danke dem Ausschuss und den Beiratsmitgliedern für ihre Arbeit – ganz besonders unserer Vorsitzenden der beiden Gremien, Dr. Christiane Groß, die heute in den Tagesordnungspunkt einführen und den Antrag des Vorstandes erläutern wird.

Zur Landesgesundheitspolitik. Die Zusammenarbeit mit der neuen Landesregierung und der neuen Ministerin, die ja auch bei unserem Sommerempfang zu Gast war, lässt sich gut an. Das ist für uns sehr wichtig, denn die gesundheitliche Daseinsvorsorge ist in Deutschland nach dem Grundgesetz bekanntlich Aufgabe der Bundesländer.

Tatsächlich aber spielen Vorgaben der Bundesebene, etwa des Gemeinsamen Bundesausschusses, eine immer größere Rolle.

Außerdem gefährden der immer stärkere Einfluss wirtschaftlicher Aspekte und die Selektivvertragsbestrebungen bundesweiter Krankenkassen den Gestaltungsanspruch der Bundesländer in der Gesundheitsversorgung.

Die Landesgesundheitsminister haben das erkannt und suchen nach Möglichkeiten, die Gestaltungskraft der Länder wieder zu stärken. Sie wollen ein Gremium zur sektorübergreifenden Versorgungsplanung auf Landesebene einrichten, einen sogenannten Gemeinsamen Landesausschuss.

Wir begrüßen es sehr, dass die Länder ihre Verantwortung für die gesundheitliche Versorgung so ernst nehmen. Wir halten auch eine sektorübergreifende Perspektive bei der Versorgungsplanung für richtig.

Für dieses Thema sind wir als Ärztekammer wie geschaffen, schließlich vertreten wir sektorübergreifend alle Ärztinnen und Ärzte. Wir kümmern uns über die Sektorengrenzen hinweg um Weiterbildung und Qualitätssicherung. Wir beweisen in Nordrhein-Westfalen im Landesausschuss für Krankenhausplanung, dass ärztlicher Sachverstand für eine gute Versorgungsplanung unerlässlich ist. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass das Land den Ärztekammern in dem geplanten neuen Gremium zur sektorübergreifenden Planung Sitz und Stimme geben wird.

Zur Landeskrankenhausplanung hat Ministerin Steffens gesagt, dass nun zügig ein neuer Plan erarbeitet wird. Die Diskussion darüber darf sich aus unserer Sicht nicht nur um Bettenkapazitäten drehen, erst recht nicht einseitig um Bettenabbau.

Der neue Plan soll vielmehr den Krankenhäusern und ihren Partnern vor Ort einen möglichst großen Gestaltungsspielraum geben, er soll Qualität und Kooperationsbereitschaft fördern. Er soll die regionale Versorgungssituation in den Vordergrund stellen.

Die Krankenhauskommission unserer Kammer hat dazu einen Kriterienkatalog erarbeitet. Darin steht, woran sich gute Planungsentscheidungen aus ärztlicher Sicht orientieren sollen. Der Kommission und ihrer Vorsitzenden Dr. Anja Mitrenga dafür vielen Dank.

Ausschlaggebend für die Qualität eines Krankenhauses ist nach unserer Überzeugung zuallererst der Faktor Mensch: Auf die im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und Ärzte kommt es an!

Außerdem natürlich auf die Pflegekräfte und die anderen Gesundheitsberufe. Die Qualifikation zählt, und all diejenigen, die sich um die Patienten kümmern, brauchen dazu gute Arbeitsbedingungen, vor allem auch wieder mehr Zeit für die menschliche Zuwendung.

In diesem Sinne begrüßen wir Forderung der Ministerin nach dem menschlichen Krankenhaus und werden in den Gesprächen zum neuen Krankenhausplan immer wieder daran erinnern.

Was ich zur sektorenübergreifenden Bedarfsplanung gesagt habe gilt auch für die sektorenübergreifende Qualitätssicherung: Für dieses Thema ist die Ärztekammer geradezu prädestiniert.

Nun hat der Gemeinsame Bundesausschuss hierzu eine Richtlinie erlassen. Danach soll die Behandlung eines Patienten zukünftig vom niedergelassenen Kollegen über ein weiterbehandelndes Krankenhaus und zurück zum nachbehandelnden Kollegen sektorenübergreifend erfasst und bewertet werden.

Diese neue Qualitätssicherung wird zu einem Schlüssel für die Beurteilung der Qualität der medizinischen Versorgung – und vielleicht auch für ihre zukünftige Steuerung. Deshalb ist die Beteiligung der Ärztekammern, die bisher nicht geregelt ist, dringend erforderlich.

Das habe ich dem Bundesgesundheitsminister geschrieben, und die Antwort ist vielversprechend. Die Bundesärztekammer wie auch die Landesärztekammern sollen ihre umfassenden Erfahrungen in die weitere Entwicklung der Qualitätssicherung einbringen können.

Die Verantwortung unserer Kammer für eine hohe Qualität der ärztlichen Versorgung erfordert es auch, in der Weiterbildung neue Wege zu gehen.

Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Hausärztemangels haben wir inzwischen 14 regionale Weiterbildungsverbünde in der Allgemeinmedizin angestoßen, weitere 10 werden in Kürze hinzukommen. Wir hoffen, dass es durch die gemeinsamen Initiativen von Niedergelassenen und Klinikern gelingt, mehr Nachwuchs für die hausärztliche Versorgung zu gewinnen. Ich danke all denjenigen, die sich für die Projekte eingesetzt haben, ganz herzlich.

Eine gute Weiterbildung kann es nur geben, wenn die Weiterbildungsbefugten gut informiert und sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst sind. Deshalb haben wir regelmäßige Veranstaltungen für Befugte eingeführt nach dem Motto „Fortbildung für Weiterbilder“ und freuen uns, dass dies auf sehr positive Resonanz stößt.

Die bundesweite Evaluation der Weiterbildung, die Hinweise auf weitere Verbesserungen liefern soll, wird im kommenden Jahr in modifizierter Form erneut stattfinden. Mit Unterstützung der Weiterbildungsbefugten wollen wir dann direkt in Kontakt mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung treten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich habe nun das Zeitbudget, das ich mir für heute mit Blick auf die umfangreiche Tagesordnung gesetzt habe, bereits leicht überschritten. Deshalb nur noch einige wenige Bemerkungen.

Zunächst die Bitte um Aufmerksamkeit für den Jahresbericht 2010. Er liegt auf ihren Plätzen und stellt die Aktivitäten unserer Kammer umfassend dar.

Dann noch etwas zur Arbeit unserer Untergliederungen. Im März gab es hier einen Antrag, über deren Struktur und Aufgabenstellung nachzudenken. Der Antrag ist an den Vorstand überwiesen worden. Inzwischen gibt es gute Ideen, über die wir bei der Klausursitzung des Vorstandes im Februar beraten werden. Ich werde dann im März über die Ergebnisse berichten.

Wichtiger noch finde ich, dass Hauptstelle und Untergliederungen in den vergangenen Monaten spürbar enger zusammengerückt sind. Darüber freue ich mich, und dafür bedanke ich mich bei allen Beteiligten, vor allem bei unserem Vizepräsidenten Bernd Zimmer.

Er war es, der bereits im vergangenen Jahr in Begleitung der Geschäftsführung in Essen, Krefeld, Aachen und Köln Informationsveranstaltungen für die Mandatsträger vor Ort geleitet hat, die sehr gut angekommen sind. Das war eine regelrechte Initialzündung mit nachhaltiger Wirkung in diesem Jahr, und ich glaube darüber hinaus.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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letzte Änderung am: 25.11.2010



Kammersymposium zur Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderung

Logo Ärztekammer Nordrhein

Die Ärztekammer Nordrhein veranstaltet am Freitag, 23. Februar 2018 von 15 bis 19 Uhr ein Symposium mit dem Thema "Gesundheitsversorgung von Menschen mit geistiger Behinderung - Wo stehen wir heute?" Neben dem Grußwort des NRW-Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann stehen Vorträge und Diskussionsrunden mit Vertretern verschiedener Bereiche des Gesundheitswesens auf dem Programm.

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Rheinisches Ärzteblatt

Heft 2/2018

Titel 2/2018 Titelillustration nach einem Entwurf von Alexandra Wilhelm, Titelkonzept Eberhard Wolf

Titelthema

Gute Medizin sieht Vielfalt

aktuelle Ausgabe

Dokumentation: Cannabis auf Rezept?
Cannabis als Medikament Foto: Africa Studio - Fotolia.com

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Am Freitag 8. Dezember 2017 veranstaltete die Ärztekammer Nordrhein das Kammersymposium "Cannabis auf Rezept? Cannabinoide in der Medizin im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Einige der gehaltenen Referate stehen zur Verfügung.

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Ärztekammer begrüßte neue Mitglieder

Begrüßungsveranstaltung für neue Mitglieder November 2017 Foto: Jochen Rolfes 

Am Samstag, 25. November 2017 begrüßte Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, zum 15. Mal neue Kammermitglieder im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft.

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Die Ärztekammer Nordrhein hält zahlreiche Informationsbroschüre und Flyer für Ärztinnen und Ärzte, Bürgerinnen und Bürger oder auch zur Auslage im Wartezimmer bereit. Die Materialien können einfach ein bereitgestelltes Online-Formular bestellt werden.

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