7. Oberhausener Ärztetag: Hygiene – Hand drauf!

Nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenzen sind Gegenstand vieler fachlicher und auch öffentlicher Diskussionen. Vor Ort kommt es umso mehr auf pragmatische Lösungsansätze und eine gute regionale Kooperation an. Der Oberhausener Ärztetag rückte daher in seiner 7. Ausgabe das Schwerpunktthema „Hygiene in der Medizin“ in den Fokus.

von Ulrikes Schaeben

Dr. Britt Hornel Foto: Andreas Köhring

Dr. Britt Hornei, Leitende Ärztin für Krankenhaushygiene am
EKO und Referentin des 7. Oberhausener Ärztetages.
Foto: Andreas Köhring

Ein Blick auf die Krankheitslast macht deutlich: Nosokomiale Infektionen, allen voran die Pneumonie, haben doppelt so hohe Krankheitsfolgen wie andere Infektionskrankheiten. Die öffentliche Diskussion über Hygiene in Krankenhäusern und Pflegeheimen schürt häufig die Verunsicherung der Bevölkerung. Daher rückte die Kreisstelle Oberhausen der Ärztekammer Nordrhein das Thema „Hygiene in der Medizin“ in den Fokus des 7. Oberhausener Ärztetages. Dr. Britt Hornei, Leitende Ärztin für Krankenhaushygiene des Evangelischen Krankenhauses Oberhausen (EKO), stellte nach einem Faktencheck zu nosokomialen Infektionen aktuelle Hygienestrategien vor und lieferte damit die Grundlage für eine angeregte Diskussion.

Einzelmaßnahmen oder Gesamtstrategie?

Seit vielen Jahren sind Hygienemaßnahmen ein integraler Bestandteil der Medizin. Eine Einflussmöglichkeit auf die Übertragung multiresistenter Erreger (MRE) durch Händehygiene ist wissenschaftlich erwiesen, auch ihre ökonomischen Effekte sind durch Studien belegt. In den Hygienestrategien der Krankenhäuser steht daher die alkoholische Händedesinfektion an erster Stelle: Sie ist preiswert, schnell verfügbar und reduziert nicht nur Patientenleid, sondern auch die Folgekosten: Vier oder fünf mittelschwere nosokomiale Infektionen kosten etwa so viel wie ein gesamtes Krankenhaus-Jahresbudget für Händehygiene-Produkte, errechneten Experten schon im Jahr 2001.

Jedoch steht und fällt der Erfolg der Händehygiene mit der konsequenten Umsetzung. Daher sollen die Mittel gut verträglich und vor allem schnell verfügbar sein: „Der Spender gehört dahin, wo er gebraucht wird, nämlich an das Patientenbett“, so lautet eine scheinbar banale Regel.

Deutschland hat mittlerweile, auch dank Aufklärungskampagnen wie der „Aktion Saubere Hände“, gute Erfolge zu verzeichnen: Sowohl die Personalausstattung im Hygienebereich wie auch der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln wurden im Erhebungszeitraum der nationalen Prävalenzstudien zu nosokomialen Infektionen (2011 und 2016) signifikant verbessert. Die Kehrseite der Medaille: Deutschland stagniert auf hohem Niveau, eine wirksame Steigerung der Compliance ist nur schwer zu erzielen und hat praktisch keinen Einfluss mehr auf die Senkung der MRE-Rate.

Aktuell setzen die Hygieneexperten daher vermehrt auf Bündelstrategien, in denen mehrere Einzelmaßnahmen zur Infektionsprävention zusammengefasst werden. Die Implementierung der evidenzbasierten, abgestimmten und einfach durchführbaren Maßnahmen soll mit einem Feedback über die Erfolge bei der Senkung der Infektionszahlen verbunden sein, um die Compliance nachhaltig und messbar zu verbessern.

Ihr insgesamt positives Fazit zur Hygienesituation im deutschen Gesundheitswesen verband Hornei mit einer Warnung: „Ein Zusammenhang zwischen personeller Besetzung und dem Risiko nosokomialer Infektionen ist nachweisbar. Zunehmende Probleme bei der Personalausstattung im Gesundheitswesen bergen die Gefahr, bisherige Erfolge wieder zunichte zu machen. Die Sicherheit der Patienten darf nicht durch eine unzureichende Personalsituation gefährdet werden.“ Deswegen sind neue Ideen gefragt: Die aktive Beteiligung der Patienten an Hygienemaßnahmen wie präoperative Waschungen zur Dekolonisation, aber auch technische Ideen wie selbstdesinfizierende Oberflächen oder Reinigungsroboter können helfen, den erfolgreichen Weg fortzusetzen.

Etablierung von Standards kostet Zeit und Geld

Dieser Appell war ein idealer Ausgangspunkt für die anschließende Podiumsdiskussion, bei der Ärzte und Vertreter des öffentlichen Gesundheitsdienstes den Fokus vermehrt auf den ambulanten Bereich richteten. Besonders im Bereich des ambulanten Operierens kostet die Etablierung hoher Hygienestandards Zeit und Geld, Vorschriften sind häufig nicht praxisnah formuliert und nicht alle Materialien werden von den Kostenträgern erstattet.

Doch das Fazit war insgesamt positiv: Hygiene hat ein großes Potenzial in der Infektionsprävention, das es weiter zu heben gilt. Umfassende Verhaltensänderungsstrategien und eine enge Verzahnung von ambulantem und stationärem Bereich helfen, aber ebenso einfache Maßnahmen, zum Beispiel das Einbestellen betroffener Patienten in den Praxisrandzeiten.

Für den Vorsitzenden der Kreisstelle Oberhausen der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Peter Kaup, steht fest: „Durch engen Kontakt zwischen Gesundheitsbehörden, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen, wie in Oberhausen seit Jahren praktiziert, können wir Probleme schnell erkennen und einer Verbreitung multiresistenter Erreger wirksam begegnen.“

Dr. phil. Ulrike Schaeben ist Referentin Koordination Kreis- und Bezirksstellen der Ärztekammer Nordrhein.

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letzte Änderung am: 28.11.2017



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