„Medizin studieren ist Masochismus“ – Bochumer Studie offenbart alarmierende Zukunftsperspektiven der Medizinstudenten

Über 70 Prozent der deutschen Medizinstudierenden können sich vorstellen, nach Abschluss des Studiums eine Stelle im Ausland zu suchen. Skandinavische Länder, die Schweiz, England, Österreich, die USA und Australien sind mögliche Ziele. Das ergab eine Umfrage der Ruhr-Universität Bochum unter Medizinstudentinnen und -studenten, an der sich rund 4.000 Studierende aus ganz Deutschland beteiligt haben (siehe
dazu auch Rheinisches Ärzteblatt 10/2008, S. 10)
. Über 77 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen auf ihre eigene Berufs- und Lebensplanung auswirken würden. Als Negativfaktoren im ärztlichen Alltag stuften die Befragten vor allem die Arbeitszeiten, die Budgetierung der Leistungen und die Vergütung ärztlicher Leistungen in Deutschland ein. Nur knapp ein Fünftel der Befragten plant, sich in Deutschland als Arzt niederzulassen. Die hausärztliche Tätigkeit erscheint vielen unattraktiv. Lediglich 17 Prozent gaben an, als Hausarzt arbeiten zu wollen.

Die Online-Umfrage bot den Teilnehmern auch Raum für Kommentare und Freitext. Davon machten mehr als 2.500 der Befragten Gebrauch. Die häufigsten Themen waren die gesundheitspolitische Entwicklung und die damit zusammenhängende eigene berufliche Perspektive. Beispielsweise kommentierten Teilnehmer die Lage mit folgenden Worten: „Die Situation in Deutschland ist so verfahren, dass man nicht mehr hier arbeiten kann.“ - „Das deutsche Gesundheitssystem ist ernüchternd. Hier bleibe ich sicher nicht nach dem Studium“. - „Medizin studieren ist Masochismus“. - „Die Leidtragenden sind die gesetzlich Versicherten, die die Leistungen, die die Ärzte ihnen bieten könnten, nicht wahrnehmen können, da sie die Kosten immer häufiger selber tragen müssen …“.

Die Zukunftswahrnehmung unterschied sich deutlich je nachdem, ob die Studenten einen Regelstudiengang absolvieren oder einen praxisorientierten Modellstudiengang durchlaufen. Der Vergleich der Antworten von Medizinstudierenden im Regelstudiengang mit Studierenden des Modellstudiengangs Medizin der Ruhr-Universität in Bochum brachte interessante Ergebnisse. Etwa zwei Prozent der Studierenden des Modellstudiengangs sehen die fachlichen Anforderungen im ärztlichen Alltag als Problem; unter den Studierenden im Regelstudiengang sind es rund zwölf Prozent. Die Kooperation zwischen Arzt und betriebswirtschaftlichem Management sehen im Regelstudiengang 39 Prozent als problematisch an, im Modellstudiengang nur rund 22 Prozent. „Das zeigt, dass eine praxisbezogene Lehre durchaus Einfluss auf die Einschätzung des Arztberufs haben kann“, sagt die Projektleiterin, Dr. Dorothea Osenberg von der Abteilung für Allgemeinmedizin an der Ruhr-Universität Bochum.

Unter den etwa 4.000 Studien-Teilnehmern waren rund 1.300 Medizinstudierende der Ruhr-Universität. Das Durchschnittsalter lag zwischen 25 und 26 Jahren, 62,3 Prozent waren Frauen. Fast ein Viertel der Teilnehmer hatte vor dem Studium einen Beruf erlernt, zumeist im Gesundheitswesen. Gut 40 Prozent der Befragten hatten sich aus Interesse an medizinischen Zusammenhängen für ein Medizinstudium entschieden, 20 Prozent wegen der damit verbundenen Hilfeleistung, 16 Prozent wegen der Vielseitigkeit der möglichen Berufsausübung und 13 Prozent aus Freude am Kontakt mit Menschen. Fast 62 Prozent würden sich wieder für ein Medizinstudium entscheiden.

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letzte Änderung am: 06.01.2009



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