Vorlesen

Düsseldorf: Ausstellung „zwangssterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934–1945“


Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte

bis Sonntag, 28. August 2022

Zu den „vergessenen Opfern“ der NS-Diktatur gehören bis heute diejenigen Menschen, die einer Zwangssterilisation unterzogen wurden. Die „Unfruchtbarmachung“ von Männern und Frauen, die man als angeblich „erbkrank“ und als Gefahr für die „Rassenhygiene“ des deutschen Volkes einstufte, war keine Randerscheinung: Zwischen 1934 und 1945 wurden alleine in Düsseldorf tausende Menschen Opfer dieses entwürdigenden Eingriffs. Das eigens eingerichtete "Erbgesundheitsgericht" an der Mühlenstraße entschied über das weitere Leben der Betroffenen. Vielfach waren es Wohlfahrtsämter, Heime oder Pflegeanstalten, die als „erbkrank" stigmatisierte Menschen anzeigten. Die Maschinerie, die mit einer "Meldung" beim Gesundheitsamt einsetzte und dann nach mehreren Instanzen bis in den OP-Saal führte, wurde von zahlreichen Verantwortlichen in Gang gesetzt: Amtsärzte, Juristen und Behördenvertreter, Vormünder und Anstaltsleiter, Hausärzte und Psychiater wirkten an diesen Vorgängen aktiv mit.

Allein im Stadtarchiv haben sich über 3200 Akten des Erbgesundheitsgerichtes erhalten. Hinter jeder Akte steht eine betroffene Person, manchmal auch ganze Familien, die von der NS-Idee eines „gesunden Volkskörpers“ heimgesucht wurden und meist der Zwangssterilisierung zum Opfer fielen. Dieses über viele Jahre wenig beachtete Kapitel der NS-Zeit, das auch ein Vorläufer der vom NS-Staat durchgeführten „Krankenmorde“ war, wird anhand lokaler und regionaler Quellen untersucht und aufbereitet.

Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, des Stadtarchivs Düsseldorf und des Gesundheitsamts Düsseldorf. Zahlreiche Partner haben die Entstehung der Ausstellung unterstützt: der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf, die Ärztekammer Nordrhein, das Kulturamt Düsseldorf, die Landeszentrale für politische Bildung NRW, die Evangelische Kirche im Rheinland, die Kaiserswerther Diakonie, die Graf Recke Stiftung und der Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V. Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Bastian Fleermann und Hildegard Jakobs (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf) und Dr. Benedikt Mauer (Stadtarchiv Düsseldorf). Gestaltet wurde sie durch Thomas Ullrich (buero ullrich düsseldorf).

Der Eintritt ist frei.

Ort: Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, 40213 Düsseldorf

Mahn- und Gedenkstätte

Öffnungszeiten: So, Die - Frei: 11 - 17 Uhr, Sa: 13 - 17 Uhr, Mo: geschlossen