Ärztekammern und KVen in NRW machen auf schwerwiegende Folgen der Genitalverstümmelung aufmerksam

Düsseldorf, 6.2.2015. Am „Internationalen Tag gegen die weibliche Genitalverstümmelung“ wird am 6. Februar weltweit auf die Menschenrechtsverletzung hingewiesen, unter der Millionen Frauen und Mädchen leiden – vor allem in Teilen Afrikas und in Südostasien. In Nordrhein-Westfalen leben nach Schätzungen von Experten derzeit etwa 6.000 Mädchen und Frauen, die Zwangsbeschneidungen erlitten haben.

„Die Folgen der Beschneidung sind schrecklich“, sagt Dr. med. Peter Potthoff, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein und Gynäkologe. „Die Zwangsbeschneidung ist eine traumatische Erfahrung für die Frauen und Mädchen – die Täter zerstören Leben. Nicht umsonst ist die Genitalverstümmelung in Deutschland eine Straftat (§ 226 a Strafgesetzbuch).“

„Die grausame Praxis der Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen muss noch stärker in den Fokus unserer Gesellschaft rücken“, sagt der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. Zum Beispiel in Schulen, Kindergärten oder Ausländerbehörden solle das Problembewusstsein geschärft werde, denn: „Bereits verstärkte Aufklärung über das Problem kann eine Vielzahl von Mädchen und jungen Frauen vor dieser schweren Menschenrechtsverletzung bewahren.“

Betroffene Patientinnen bedürften der besonderen ärztlichen und psychosozialen Betreuung und Beratung, sagt Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Ärzte müssen hier fachliche Kompetenz besitzen und besonders einfühlsam, kultursensibel sowie interkulturell kompetent agieren.“

„Die betroffenen Frauen leiden nicht nur an den akuten Verletzungen, sondern auch an chronischen Entzündungen, Harnwegsinfekten und Inkontinenz; dazu kommen Komplikationen bei Geburten und psychische Langzeitfolgen wie Angsterkrankungen, Depressionen und Psychosen“, sagt Dr. med. Wolfgang-Axel Dryden, 1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

In NRW sind die KV Nordrhein und die Ärztekammern Mitglieder des „Runden Tisches NRW gegen die Beschneidung von Mädchen“. Um den besonderen Anforderungen bei der Behandlung der Betroffenen Rechnung zu tragen, hat die Bundesärztekammer bereits 2005 Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung verabschiedet und 2013 aktualisiert. Inzwischen ist die weibliche Genitalverstümmelung auch Bestandteil der Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung.
2012 haben das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) NRW, die Ärztekammern, die KVen, der Landesverband der Hebammen und die Berufsverbände der Kinder- und Jugendärzte sowie der Frauenärzte gemeinsam einen Flyer entwickelt, der über die Formen weiblicher Genitalverstümmelung, die daraus entstehenden Krankheitsbilder sowie über rechtliche Grundlagen und Beratungsangebote informiert.

Der Flyer „Genitale Beschneidung / Verstümmelung (FGM) bei Mädchen und Frauen“ kann unter www.mgepa.nrw.de/ministerium/service kostenlos bestellt und heruntergeladen werden.

Flyer "Genitale Beschneidung / Verstümmelung (FGM) bei Mädchen und Frauen


Kontakt zur Pressestelle

Pressesprecher: Horst Schumacher
0211 / 4302 2010

stellv. Pressesprecherin: Sabine Schindler-Marlow
0211 / 4302 2030

pressestelle@get-your-addresses-elsewhere.aekno.de