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Aachener Ärzteschaft

Digitalisierung und Datenschutz im Gesundheitswesen

Referenten der Veranstaltung "Digitalisierung im Gesundheitswesen"
Sprachen über Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitswesen (v.l.n.r.): Claus-Hinrich Buschkamp, Fachanwalt für Medizinrecht der Rechtsabteilung der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Karola Klutmann, Vorsitzende der Kreisstelle Kreis Aachen, Dr. Detlef Houdeau, Senior Director Business Development bei Infineon Technologies, und Dr. Ivo Grebe, Vorsitzender der Kreisstelle Stadtkreis Aachen. © Bülent Erdogan

Düsseldorf/Aachen, 8. November 2019 (ÄkNo). So viel Digitalisierung wie dieser Tage war im Gesundheitswesen wohl lange nicht: Am Donnerstag (7. November) hat der Deutsche Bundestag das sogenannte Digitale-Versorgungs-Gesetz beschlossen. Eine prominente Neuerung: Gesundheits-Apps, die vom  Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) positiv auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft worden sind, sollen vorläufig von der GKV erstattet werden. Da passte es gut, dass die Kreisstelle Kreis Aachen und die Kreisstelle Stadtkreis Aachen am Mittwochabend (6. November) ihre Mitglieder zur Fortbildung „Digitalisierung und Datenschutz im Gesundheitswesen“ einluden, um über Chancen und Risiken zu reden, die sich aus dem zunehmenden Einsatz Intelligenter Systeme und der Vernetzung von Arztpraxen, Kliniken und anderen Akteuren ergeben.

„Digitalisierung sollte mehr bedeuten, als nur das Papier gegen den Bildschirm einzutauschen“, sagte Dr. Karola Klutmann, Vorsitzende der Kreisstelle Kreis Aachen im Forum M in der Aachener City. Mit Blick auf die elektronische Gesundheitskarte (eGK) wünscht sich Klutmann, dass die eGK neben den Anwendungen eines elektronischen Arztbriefes oder einer e-Patientenakte auch dazu führen wird, dass der Ärzteschaft für die Behandlung ihrer Patienten hilfreiche, weil miteinander verknüpfte Daten zur Verfügung stehen werden. Datensicherheit sei auch und gerade im Gesundheitswesen „ein Riesenthema“, sagte Dr. Ivo Grebe, Vorsitzender der Kreisstelle Stadtkreis Aachen. Jede Röntgen-CD, jedes Langzeit-EKG, jeder Langzeit-Blutdruck stelle einen Datensatz dar, der angegriffen werden oder auch verlorengehen könne. 

Dr. Detlef Houdeau, Senior Director Business Development bei Infineon Technologies und  Mitglied der Plattform Lernende Systeme, stellte Anwendungsgebiete für Intelligente Systeme vor, zum Beispiel zur frühzeitigen Erkennung von Parkinson (App: i-PROGNOSIS) oder Depression, zur Pflege-Dokumentation, zur Vermeidung von Nebenwirkungen bei Polymedikation und zur Begleitung chronisch erkrankter Menschen oder von Menschen mit Prä-Diabetes mit dem Ziel, den Krankheitsausbruch zu verhindern. Künstliche Intelligenz lebe davon, mit möglichst vielen Daten zu trainieren. Notwendig sei, diese Daten in Hinsicht auf ihre Qualität, Authentizität und Vollständigkeit zu prüfen, so Houdeau. Auch die Manipulation von Daten oder von KI-Systemen müsse ausgeschlossen werden. Patientendaten müssten anonymisiert oder pseudonomisiert „gepoolt“ werden. Unabhängige Experten müssten das Ergebnis von KI verifizieren können.

Dr. Claus-Hinrich Buschkamp, Fachanwalt für Medizinrecht in der Rechtsabteilung der Ärztekammer Nordrhein, zog eine Zwischenbilanz des Inkrafttretens der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 28. Mai 2018. Die gute Nachricht: Die befürchtete Abmahnwelle von Arztpraxen hat es bislang nicht gegeben. Buschkamp stellte wesentliche Aspekte der DSGVO vor und machte deutlich, dass Arztpraxen auch vor dieser EU-Richtlinie zu einem umfassenden Schutz der ihnen vorliegenden Daten verpflichtet waren, und zwar auch von nicht-elektronischer Daten wie den Patientenakten in Papierversion.

Eine Bilanz zog auch Privatdozent Dr. Stefan Beckers, MME, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Stadt Aachen mit Blick auf das europaweit erste umfassende telemedizinische Rettungsassistenzsystem „Telenotarzt“ der Stadt Aachen (wir berichteten). So habe man mit dem System in den vergangenen fünf Jahren den Anteil der Rettungseinsätze, in denen auch ein Notarzt am Einsatzort tätig ist („Notarzt-Quote“), von 37 Prozent auf 19 Prozent senken können. Möglich wurde dies durch den Einsatz speziell ausgestatteter Rettungswagen und die Arbeit von erfahrenen Notarztkollegen in der Leitstelle, die bei Bedarf mit Rettungskräften oder Notärzten vor Ort kommunizieren können. Die „Bindezeit“ der Notärzte je Fall sei von 53 Minuten auf 9,5 Minuten gesunken, damit gehe eine deutliche Steigerung notärztlicher Kapazitäten einher.

ble
 


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