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Essener Ärzteschaft geht der "Künstlichen Intelligenz" auf den Grund

Gruppenfoto Referenten Essen Künstliche Intelligenz in der Medizin
Diskutierten über die Künstliche Intelligenz in der Medizin (v.l.n.r.): Dr. Anke Diehl M.A., Dr. Ludger Wollring, Dr. Christiane Groß M.A., Dr. Johannes Haubold und Professor Dr. Jochen A. Werner. © Foto: Köhring

Düsseldorf, Essen, 4.4.2019. Wohin geht die Reise bei Gesundheitsanwendungen via Internet, Health-Apps und Intelligenten Systemen? Dieser Frage ging am Mittwoch, den 3. April die Mitgliederversammlung der Essener Kreisstelle der Ärztekammer Nordrhein nach.

Vor 100 Kolleginnen und Kollegen  berichtete Dr. Ludger Wollring, Vorsitzender der Essener Kreisstelle, im Hotel Franz von einer Analyse von mehr als 300.000 validierten Datensätzen von Augenhintergründen verschiedener Patienten mittels einer speziellen Software. "Wir haben festgestellt, dass das System uns mit einer sehr, sehr hohen Treffsicherheit das Geschlecht des Patienten mitteilen konnte. Das hat uns alle überrascht. Wir können uns das nicht erklären", sagte der Gastgeber des Abends. Zudem habe die Software mit einer Genauigkeit von 10 mmHg den Blutdruck ableiten können und auch das Alter des Patienten treffend bestimmt. Die konservative Augenheilkunde stehe vor einem "brutalen Umbruch".

Dr. Johannes Haubold vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Essen stellte in seinem Impulsvortrag Anwendungen vor, die Ärzten der Klinik die Arbeit erleichtern und die Patientenversorgung verbessern helfen sollen.Entwickelt wird in Essen derzeit eine automatisierte Knochenalterbestimmung. Sie soll den Zeitaufwand im Vergleich zur bisherigen Bestimmung um 90 Prozent senken können. Haubold trat Befürchtungen entgegen, dass Intelligente Systeme (Künstliche Intelligenz, KI) den Arzt ersetzen werden. Vielmehr sei damit zu rechnen, dass die KI als "Co-Pilot" fungieren werde.

Digitalisierung müsse nicht nur die Versorgung aus ärztlicher Perspektive verbessern, sondern auch im Sinne der Patienten erfolgen, sagte Dr. Christiane Groß M.A., Vorsitzende des Ärztlichen Beirats zur Begleitung des Aufbaus einer Telematik-Infrastruktur für das Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen. Wichtig sei der Nutzen für Arzt und Patient.

Die Digitalisierung werde die Medizin viel schneller und radikaler verändern, als dies alle anderen Entwicklungen in der Medizingeschichte bislang zu tun vermocht hätte, sagte Professor Dr. Jochen A. Werner. Er warb für einen positiven Umgang mit Künstlicher Intelligenz. "Wir brauchen nicht darüber diskutieren, ob die Künstliche Intelligenz kommt oder nicht. Natürlich kommt sie." Die Geschwindigkeit des Wandels werde so rapide erfolgen, dass vor der Einführung von Anwendungen künftig nicht mehr alle Institutionen und Akteure um ihre Meinung gefragt werden würden. Vor diesem Hintergrund rief Werner die Kollegen auf, offen mit der Thematik umzugehen und mitgestalten zu wollen.

Sie wünsche sich eine um sinnvolle KI-Anwendungen bereicherte Präzisionsmedizin, eine personalisierte Medizin für die Menschen, sagte Dr. Anke Diehl M.A., Digital Change Managerin am UK Essen. Leider stelle sich die Situation dar, dass manche System-Entwicklung trotz extrem aufwendiger Verifizierung und Validierung daran scheitere, dass die benötigten Daten in unterschiedlichsten Formaten abgespeichert seien.

Einen ausführlichen Bericht über das Thema KI und die Mitgliederversammlung der Essener Ärzteschaft lesen Sie im Mai-Heft des Rheinischen Ärzteblattes

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