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Katastrophenmedizin

Oberbergische Ärzte diskutierten Status quo der Versorgung bei Großschadensereignissen

Gruppenfoto Fortbildung Remscheid
Stellten den Status quo der Versorgung in der Region bei Großschadensereignissen vor (v.l.n.r.): Malte Pütz, Rettungsingenieur und Dozent an der Landesschule Nordrhein des Deutschen Roten Kreuzes, Dirk Wagemann, Vorsitzender der Kreisstelle Remscheid, Dr. Björn Kentemich, Leitender Notarzt Oberbergischer Kreis, Dr. Volkhart Rolf , Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Sana-Klinikum Remscheid und Fortbildungsbeauftragter der Kreisstelle Remscheid. © Bülent Erdogan

Düsseldorf/Remscheid, 29.10.2019 (ÄkNo). Aktuelle Versorgungskonzepte bei Unfällen, Katastrophen,  Terroranschlägen oder Amokläufen mit Verletzten in höherer zweistelliger oder gar dreistelliger Zahl, die richtige Einsatztaktik von Rettungskräften und Notärzten und die Einbeziehung ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzten zur Entlastung von Krankenhäusern standen im Fokus einer Fortbildungsveranstaltung der Kreisstellen Remscheid, Solingen, Wuppertal, Mettmann und Oberbergischer Kreis der Ärztekammer Nordrhein am Montag, den 28. Oktober 2019.

Auf der gut besuchten Veranstaltung in der Klosterkirche in Remscheid-Lennep stellte Malte Pütz, Rettungsingenieur und Dozent an der Landesschule Nordrhein des Deutschen Roten Kreuzes, aktuelle Erkenntnisse über die rettungsdienstliche und ärztliche Bewältigung von Großschadensereignissen vor. So gelte es, die anfangs in aller Regel begrenzte Ressource des Notarztes anhand einer Triage auf die „roten Patienten“ zu lenken, also auf jene Verletzte oder Erkrankte, die ohne ärztliche oder rettungsdienstliche Hilfe zu versterben drohen, erstversorgt aber realistische Chancen auf ein Überleben haben. Zudem müsse es in der Folge darum gehen, schwerstverletzte Patienten in die Klinik zu bringen, die für das Verletzungsbild die besten Versorgungsmöglichkeiten habe, und zugleich noch an der Einsatzstelle dafür zu sorgen, die aufnehmenden Kliniken nicht zu überfordern und dort „Chaos“ anzurichten.

„Als Ärzte sind wir es gewöhnt, uns um einen Patienten zu kümmern“, sagte Dirk Wagemann, Anästhesist und Vorsitzender der Kreisstelle Remscheid. Doch bereits bei der Not-Sectio gehe es darum, ärztlich für zwei Patienten da zu sein. Bei Massenanfällen von Verletzten (MANV) müssten Ärzte schließlich einen „schmalen Grat“ beschreiten, wem sie welche Hilfe zuerst leisten – und dies auch erst nach einer initialen Sichtung des Einsatzortes. Wagemann warb dafür, Ärztinnen und Ärzte früher und intensiver als bislang für solche Situationen aus- und fortzubilden. In der Vergangenheit sei das Thema vernachlässigt worden, die Triage als Sichtungsalgorithmus sei gar tabuisiert worden. 

Dr. Björn Kentemich, Leitender Notarzt (LNA) im Oberbergischen Kreis, erläuterte gesetzliche Grundlagen in NRW und darauf basierende Befugnisse des LNA am sogenannten Einsatzabschnitt auch im Verhältnis zu anderen an den Ort geeilte Kolleginnen und Kollegen. Sinnvoll könne die Organisation sogenannter ambulanter Ärztlicher Unterstützungsgruppen (ÄUG) sein, in erster Linie Anästhesisten und Unfallchirurgen, die bei MANV der Kategorien drei und vier alarmiert werden könnten, um die Kliniken im Laufe der Bewältigung einer Großschadenslage zu unterstützen.

Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung lesen Sie in der Dezemberausgabe des Rheinischen Ärzteblattes.

ble
 


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