Medfluencer-Preis 2026
Gesundheit. Gut erklärt.
Die Gewinner des Medfluencer-Preises 2026

- David Reckers (in der Kategorie Ärztinnen und Ärzte)

© privat Laudatio im Wortlaut
Wie sieht der Arzt der Zukunft aus – hoffentlich ein bisschen so wie David Reckers:
Ein junger Mann, für den der hausärztliche Alltag ein Traumjob ist – mit allem was dazugehört: akute Schmerzen und schwere Erkrankungen behandeln. Seinen Patientinnen und Patienten zuhören und sie über viele Jahre begleiten. Angenehme und weniger angenehme Gespräche führen. Diagnosen stellen und verständlich machen, warum er das eine tut und das andere lässt. Mitdenken, offenbleiben und auch bei Stress und Hektik gut miteinander im Team arbeiten. Das alles kenne ich selbst als Hausarzt nur zu gut und es ist auch nach wie vor mein Traumjob.
Kollege Reckers hat sich aber gedacht: Das ist alles gut und richtig so, reicht mir aber nicht – ich möchte, dass möglichst viele Menschen wissen, was es mit bestimmten Beschwerden oder Krankheitsbildern auf sich hat, wie eine sinnvolle Medikation aussehen könnte, welche Impfstoffe welche Erkrankungen verhindern – sprich: Zu David Reckers Berufung gehört es offensichtlich auch, Medfluencer zu sein und seiner steigenden Zahl an Followern (knapp 90 Tausend) Gesundheitskompetenz zu vermitteln. Und zwar: Einfach erklärt, auf Augenhöhe und sympathisch. Wenn man sich David Reckers in seinen Reels anschaut, möchte man auch wirklich gerne Patient bei ihm sein, weil man denkt: Der weiß, was er tut und ich verstehe, was er meint.
David Reckers arbeitet in der hausärztlichen Praxis seines Vaters in Troisdorf-Sieglar.
Auf seinem Instagram-Account geht Herr Reckers hauptsächlich auf allgemeinmedizinische Themen und ihre Hintergründe ein.
In dem Beitrag, für den wir ihn mit dem Medfluencerpreis 2026 heute auszeichnen, wird die Wirkweise der sogenannten "Abnehmspritze" verständlich erklärt. Die ursprünglichen Einsatzgebiete und Zulassungsvoraussetzungen von GLP-1-Rezeptor-Agonisten werden deutlich gemacht und eingeordnet. Ziel des Videos ist es, eine klare Unterscheidung zwischen Abnehm-Wundermittel und evidenzbasierter Adipositas-Therapie zu treffen und erkennbar zu machen, dass die Medikamente wirksam sein können und gleichzeitig in einen langfristigen, ganzheitlichen Behandlungsansatz eingebettet werden müssen.
- Meret Leuthäuser (in der Kategorie Medizinstudierende)

© privat Laudatio im Wortlaut
Menschen die Angst vor der Narkose nehmen – erklären, wie ich meinen Körper lange so fit und gesund halte, dass ich schweren Erkrankungen so gut und gezielt wie möglich vorbeuge.
Und: Körperliche Funktionsweisen so erklären, dass prinzipiell jeder es verstehen kann und es außerdem im Kopf hängen bleibt.
Medizinstudentin Meret Leuthäuser hat sich dies parallel zu ihrem Studium der Humanmedizin an der Universität Duisburg Essen zur Aufgabe gemacht. Auf Instagram betreibt sie den Kanal _meeret_ (13,5 Tausend Follower) und nutzt ihn, um ihren Followerinnen und Followern über allgemeinmedizinische Themen als auch Themen zu körperlicher Fitness zu informieren. Das fällt ihr offenbar auch deswegen leicht, weil sie ausgebildete Physiotherapeutin ist.
Ich habe das Thema Narkose eben schon angesprochen: Aus eigener Erfahrung als Anästhesist weiß ich selbst nur zu gut, dass es viele Patientinnen und Patienten gibt, die Angst vor einer Narkose haben. Stichwort Prähabilitation: Gezielte körperliche und mentale Vorbereitung auf eine anstehende Operation – um Ängste zu nehmen und den "Akkustand" des eigenen Körpers möglichst hochzufahren.
Schon in der Antike hat man versucht, Schmerzen bei Eingriffen durch Opium aus Schlafmohn, Alkohol oder durch pflanzliche Kräuter wie die Alraune zu lindern. Im Mittealter wurden sogenannte Schlafschwämme mit Mischungen aus Pflanzenextrakten vor Mund und Nase gehalten. 1846 wurde Äther und 1847 Chloroform als Narkosemittel eingeführt, was allerdings noch lange nicht ungefährlich und frei von Risiken war. Im Rahmen der modernen Anästhesie im 20. Jahrhundert kamen dann zahlreiche neue Medikamente wie Propofol oder Fentanyl dazu.
Der Beitrag von Meret Leuthäuser "Was bei einer Narkose wirklich passiert" schafft verständlich und medizinisch fundiert Aufklärung über den strukturierten und sicheren Ablauf einer Narkose. Durch den Abbau von Ängsten und die Vermittlung evidenzbasierter Informationen stärkt er das Vertrauen in medizinische Behandlungen und leistet einen präventiven Beitrag zur Gesundheitskompetenz der Bevölkerung.
- Fatih Çalışkan (in der Kategorie Medizinstudierende)

© privat Laudatio im Wortlaut
Kennen Sie das, liebe ärztliche Kolleginnen und Kollegen – wenn Sie ein Video sehen, in denen irgendein selbsternannter Life-Coach erklärt, dass geimpfte Kinder, eben weil sie geimpft wurden, nun an ADHS oder Autoimmunerkrankungen leiden. Ich weiß nicht, wie es Ihnen mit so etwas geht – wenn ich das sehe, werde ich über solche Verantwortungslosigkeit, die viele Kinder das Leben kosten kann, einfach richtig wütend.
Es gibt mit Fatih Çalışkan einen ärztlichen Kollegen, der – nur zur Erklärung, als er sich für den Medfluencerpreis beworben hat, noch Medizinstudierender war – dieses absolute Unverständnis über solche Aussagen äußerst sinnvoll kanalisiert. Er hat sich gesagt: Ich will das so einfach nicht stehen lassen und arbeitet als seriöser Medfluencer daran, diese Falschinformationen als das zu benennen, was sie sind und ihnen Zahlen, Daten und Fakten entgegenzuhalten, die die realen Gegebenheiten deutlich machen. Auch wenn das sicherlich anstrengend ist und einige sich schlichtweg nicht von medizinischen Fakten überzeugen lassen wollen. Herr Çalışkan macht es trotzdem: Unaufgeregt, klar strukturiert und sachlich.
Was macht Fatih Çalışkan im beruflichen Leben: Er ist mittlerweile approbierter Arzt und arbeitet im Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Düsseldorf.
Auf seinem Account "fakten_auf_rezept" kommentiert er in erster Linie Videos von unseriösen "Medfluencern" und weist auf Gefahren hin, die von ihnen ausgehen.
Herr Çalışkan setzt mit seiner klaren, sachlichen und wissenschaftlich fundierten Art der Beiträge einen Gegenpol zu gefährlicher und gesundheitsschädlicher Desinformation. Damit erfüllt er in bemerkenswerter Weise die von der Jury gesetzten Kriterien.
In dem Beitrag, für den wir ihn auszeichnen, reagiert Herr Çalışkan medizinisch korrekt auf ein bekanntes Video, in dem Venen auf dem Handrücken abgedrückt und daraufhin wieder freigegeben werden, wodurch die Funktion der Venenklappen gut nachvollziehbar gemacht wird. Dabei erläutert er anhand des Videos auch die anatomischen und physiologischen Besonderheiten der Venen und geht auf Aspekte wie Druckverhältnisse, Blutflussrichtung und Venenklappen ein. Da es ihm Zitat "grundsätzlich wichtig ist, simpel und medizinisch korrekt über den Körper und die Medizin aufzuklären" – Zitatende – hat Herr Çalışkan, das Video für den Medfluencer-Preis eingereicht.
Die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe schrieben 2026 erstmalig einen Medfluencer-Preis für Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinstudentinnen und Medizinstudenten aus Nordrhein-Westfalen aus.
Die Schirmherrschaft zu dem Preis übernahm NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.
Mit diesem Preis wollen die Ärztekammern Videobeiträge auf Social Media auszeichnen, die
- informativ,
- wissenschaftsbasiert und
- verständlich
medizinische Sachverhalte aufbereiten.
Ausgezeichnet wurden fachlich fundierte und allgemeinverständliche Videobeiträge auf Social Media (Youtube Shorts, Instagram und TikTok).
Über die Vergabe der Preise entschied eine Jury.
- Kriterien zur Beurteilung der eingereichten Videobeiträge
- Für Ärztinnen und Ärzte
- Der Beitrag erklärt laienverständlich, zielgruppengerecht und informativ medizinische Sachverhalte.
- Der Beitrag dient maßgeblich der Steigerung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung.
- Der Beitrag setzt medizinische Sachverhalte originell und kreativ um und nutzt die technischen Möglichkeiten des Mediums.
- Wissenschaftliche Fakten werden anhand nachprüfbarer und aktueller Quellen /Leitlinien erklärt oder belegt.
- Es gibt eine klare Trennung von wissenschaftlichen Fakten und Meinungsäußerungen.
- Im Beitrag und in den Kommentaren wird die entsprechende Gesetzgebung (z.B. Heilmittelwerbegesetz, Datenschutz, Berufsrecht) beachtet. Sprich: Die Beiträge enthalten unter anderem keine Werbung für bestimmte Behandlungsmethoden oder Medikamente, kein Sponsoring.
- Es gibt keine Heilversprechen.
- Wird eine Behandlung besprochen, werden Vor- und Nachteile sowie mögliche andere Therapien genannt.
- Es gibt je nach Art des Beitrags den Hinweis, dass die betreffende Information nicht den Besuch einer Arztpraxis ersetzt.
- Im Beitrag und in den Kommentaren dürfen keine individuellen medizinischen Ratschläge gegeben, Diagnosen gestellt oder Therapien empfohlen werden.
- Der Beitrag verzichtet auf polarisierende und reißerische Aussagen zur Generierung von Reichweite.
- Die Follower werden gegebenenfalls zur eigenen kritischen Recherche ermutigt.
- Im Profil stehen möglichst ein Klarname und die berufliche Qualifikation (z.B. Approbierte Ärztin / Approbierter Arzt, Facharztbezeichnung).
- Für Medizinstudentinnen und Medizinstudenten
- Der Beitrag erklärt laienverständlich und informativ medizinische Sachverhalte rund um die Themenbereiche Prävention und Krankheitsbewältigung
- Der Beitrag dient maßgeblich der Steigerung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung.
- Der Beitrag setzt medizinische Sachverhalte originell und kreativ um und nutzt die technischen Möglichkeiten des Mediums.
- Wissenschaftliche Fakten werden anhand nachprüfbarer und aktueller Quellen /Leitlinien erklärt oder belegt.
- Es gibt eine klare Trennung von wissenschaftlichen Fakten und Meinungsäußerungen.
- Im Beitrag und in den Kommentaren dürfen keine Diagnosen gestellt oder Therapien empfohlen werden, da es sich hier um rein ärztliche Tätigkeiten handelt.
- Im Beitrag und in den Kommentaren wird die entsprechende Gesetzgebung (z.B. Heilmittelwerbegesetz, Datenschutz) beachtet.
- Auf mögliche Interessenkonflikte wie Sponsorings und Kooperationen wird auf den ersten Blick aufmerksam gemacht.
- Es gibt keine Heilversprechen.
- Es gibt den Hinweis, dass die betreffende Information nicht den Besuch einer Arztpraxis ersetzt.
- Die Follower werden zur eigenen kritischen Recherche ermutigt.
- Im Profil stehen möglichst ein Klarname und die berufliche Qualifikation (z.B. Art der Ausbildung im medizinischen Bereich, Medizinstudium).
- Mitglieder der Jury
- Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein

© Jochen Rolfes "Wir haben uns für die Ausschreibung eines Medfluencer-Preises entschieden, weil wir sehen, dass sich immer mehr Menschen auf den Sozialen Medien über Gesundheitsthemen informieren. Wir sehen in dieser Entwicklung Chancen und Risiken zugleich", begründet der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, die Ausschreibung. "Solange wir keine Qualitätssiegel für wissenschaftsbasierte Gesundheitsinformationen auf den Social-Media-Plattformen haben, müssen wir durch Aufklärung vermeiden, dass Bürgerinnen und Bürger durch gesundheitliche Fehlinformationen Schaden nehmen oder auf Fake-Accounts hereinfallen", so Dreyer.
- Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe

© Ärztekammer Westfalen-Lippe "Mit dem Preis möchten wir vertrauenswürdige Quellen für Gesundheitsinformationen auf Social Media fördern und Standards für guten Social Media Content in der Bevölkerung bekannt machen, so dass Bürgerinnen und Bürger seriöse und nicht seriöse Inhalte besser voneinander unterscheiden können," ergänzt Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe.
- Meral Thoms, MdL, Sprecherin für Gesundheitspolitik Bündnis 90/ Die Grünen

© Wilfried Meyer "Soziale Medien sind insbesondere für junge Menschen längst eine zentrale Quelle für Gesundheitsinformationen. Umso wichtiger ist es, evidenzbasierte Inhalte sichtbar zu machen und qualifizierte Medfluencer zu stärken. Mit dem Preis werden gezielt engagierte Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinstudierende ausgezeichnet. Dies ist ein wichtiger Schritt, um für die Qualität von Gesundheitsinformationen in sozialen Medien zu sensibilisieren."
- Dr. Heinz-Wilhelm Esser (Doc Esser), Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie

© Manfred Jasmund Dr. Heinz-Wilhelm Esser (Doc Esser), Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie, sieht in dem Preis die Chance zu verdeutlichen, welch besondere Verantwortung Ärztinnen und Ärzten, aber auch Medizinstudierenden zukommt, die als Medfluencer in den Sozialen Medien unterwegs sind. "Die meisten Menschen können nicht unterscheiden, ob etwas evidenzbasiert ist – oder einfach nur gut klingt. Meinung und Wissenschaft werden dabei häufig verwechselt und das mache einige Accounts von selbsternannten Gesundheitsexperten auch so gefährlich", so Esser und plädiert für Zertifizierungen für Medfluencer.
- Dr. Nibras Naami (handfussmund), Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

© privat Dr. Nibras Naami (handfussmund), Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, begründet seine Jurorentätigkeit wie folgt: "Der Impact guter Wissenschaftskommunikation wird in der Medizin immer noch unterschätzt. Ein kreativer, wissenswerter Beitrag kann Millionen von Menschen erreichen und aufklären. Dieser für die Gesellschaft wertvolle Beitrag muss aus meiner Sicht mehr gewürdigt werden, und ich freue mich, dass der Preis ein erster Schritt dahin ist."
- Stephanie Weltmann, WAZ (Funke Mediengruppe)

© FUNKE Foto Services Stephanie Weltmann, WAZ (Funke Mediengruppe), ergänzt: "Als Journalistin weiß ich, wie wichtig es ist, Inhalte und Quellen kritisch zu prüfen. Ich freue mich, Medfluencer auszuzeichnen, die seriöse und verständliche Gesundheitsinformationen liefern und Orientierung geben, ohne falsche Versprechen zu machen."



