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Und welche Internetseite empfehlen Sie Ihren Patienten?

18.03.2019 Seite 23
RAE Ausgabe 3/2019

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 3/2019

Seite 23

Wer im Internet nach Informationen zu Krankheitssymptomen, Krankheitsbildern oder Behandlungsmöglichkeiten sucht, wird mit einer unübersichtlichen Vielzahl von Internetseiten verschiedenster Anbieter konfrontiert. Doch welche Informationen sind sachlich richtig, aktuell und inhaltlich relevant? Gerade für medizinische Laien ist schwer zu erkennen, welchen Aussagen im Internet sie vertrauen und wie sie sich vor irreführenden Fehlinformationen schützen können. Der behandelnde Arzt kann dabei entscheidend unterstützen und lenken – vorausgesetzt, er kennt die für seinen Fachbereich hilfreichen und seriösen Internetquellen für Patienten.

von Elisabeth Lüking *

Mehr als 50  Prozent der Bevölkerung fühlen sich nach eigener Einschätzung nicht ausreichend in der Lage, mit gesundheitsrelevanten Informationen umzugehen. Das belegen Studien zur Gesundheitskompetenz in Deutschland. Trotzdem sucht die Mehrheit der Patienten im Internet nach Informationen zu Symptomen und vermuteter oder bestätigter Erkrankung. Infolgedessen sind die Betroffenen durch die ungefilterte Informationsflut häufig überfordert und können in der Regel nicht bewerten, was für ihren speziellen Fall relevant ist.  Gleichzeitig, oder gerade deswegen, legen Patienten großen Wert auf eine individuelle, persönliche Aufklärung und Beratung durch ihren Arzt. Für diesen bedeutet das jedoch, im Praxisalltag bei ohnehin schon knapp bemessener Zeit die vermeintlichen (Fehl)-Informationen zusammen mit dem Patienten „zurechtzurücken“, einzuordnen und bezogen auf die konkrete Behandlungssituation zu filtern. Wie kann dieser Entwicklung positiv entgegengewirkt werden? 

Feld nicht „Dr. Google“ überlassen

Das Internet hat das Arzt-Patienten-Verhältnis zwar verändert, die persönliche und individuelle Beratung durch den Arzt kann und wird es jedoch nicht ersetzen. Haus- und Fachärzte sind laut Studienlage immer noch die wichtigsten Ansprechpartner, wenn gesundheits- und krankheitsrelevante Informationen gesucht werden. Der Arzt kann das Bedürfnis des Patienten, sich zusätzlich im Internet zu informieren, jedoch aufgreifen und unterstützen, indem er Quellen für gute und seriöse Gesundheitsinformationen im Internet empfiehlt und im Beratungsgespräch laienverständliche Materialen einsetzt, auch aus dem Internet. Damit ist beiden Seiten geholfen und wertvolle Zeit gespart. 

Vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen sollten aktuell, sachlich richtig, laienverständlich, ausgewogen, werbefrei und transparent bezüglich der Informationsquelle und der Interessenslage des Anbieters sein. Basierend auf diesen Kriterien und speziell für Patienten aufbereitete Gesundheitsinformationen, auf die Ärzte verweisen können, werden zum Beispiel vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), einer gemeinsamen Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, bereitgestellt. Sehr hilfreich für die Praxis sind die vom ÄZQ erstellten Patientenleitlinien zu ausgewählten häufigen Erkrankungen (Nationale Versorgungsleitlinien und Leitlinienprogramm Onkologie) sowie die  „Kurzinformationen für Patienten“, die als doppelseitige DIN A4-Blätter zum Ausdrucken in kurzer Form leitlinienbasiert das Wichtigste für Patienten zusammenfassen. Diese sind teilweise auch auf Arabisch, Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch und Türkisch verfügbar.  

Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums bereiten auf ihren Internetseiten Informationen zu Krankheiten, Behandlungen und Gesundheitsthemen seriös und laienverständlich auf. Speziell zum Thema „Psychische Gesundheit“ stellt das Portal „Psychenet – Netz psychische Gesundheit“ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf wissenschaftlich fundierte, leicht verständliche Gesundheitsinformationen zu häufigen psychischen Erkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Diese und weitere empfehlenswerte Internetseiten mit seriösen Gesundheitsinformationen für Patienten finden Sie in dem Infokasten. Sie stehen auch auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein unter www.aekno.de/patientenberatung bereit.

Gewinn für Arzt und Patient

Ein gut informierter Patient, der sich durch seinen behandelnden Arzt in seinem Bestreben nach Eigeninitiative und gesundheitsbezogenem Informationsgewinn unterstützt fühlt, wird sich leichter auf notwendige Therapieentscheidungen einlassen und diese konsequenter und eigenverantwortlicher umsetzen. Das hat positive Effekte auf Therapietreue und Behandlungserfolg. Gleichzeitig schafft die Transparenz bezüglich der Informationsquellen, auf deren Basis medizinische Entscheidungen getroffen werden, Vertrauen. Die Basiskomponenten einer guten ärztlichen Behandlung, nämlich die Fachkompetenz und die Erfahrung des Arztes sowie das persönliche, individuelle Beratungsgespräch, können durch die Offenheit des Arztes gegenüber guten Patienteninformationen aus dem Internet sinnvoll ergänzt werden.

* Dr. med. Elisabeth Lüking ist Referentin im Bereich Patientenberatung der Ärztekammer Nordrhein.

Auswahl von Internetseiten zu evidenzbasierten Gesundheitsinformationen und Patientenleitlinien

• Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) www.patienten-information.de/

• Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) www.gesundheitsinformation.de/

• Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums www.krebsinformationsdienst.de/

• Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: Psychenet – Netz psychische Gesundheit www.psychenet.de/de/

• Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) www.bzga.de/

• Patientenuniversität an der Medizinischen Hochschule Hannover www.patienten-universitaet.de