FAQs zur Fortbildungsverpflichtung
- 1. Für wen besteht die Fortbildungsverpflichtung nach § 95d SGBV / § 136b SGB V?
Die sozialrechtliche Fortbildungspflicht knüpft nicht an den zeitlichen Umfang der Tätigkeit an. Entscheidend ist vielmehr, dass nach dem Sinn und Zweck des Gesetzes jede im Rahmen der gesetzlichen Versorgung erbrachte ärztliche Leistung auf dem aktuellen Stand der Medizin zu erfolgen hat.
- § 95d SGB V
Die Fortbildungspflicht nach § 95 d SGB V gilt für alle Vertragsärztinnen und -ärzte sowie angestellte Ärztinnen und Ärzte eines Vertragsarztes (z.B. Jobsharing Partner) oder eines medizinischen Versorgungszentrums sowie für ermächtigte Ärztinnen und Ärzte nach § 116 SGB V. Die Regelungen gelten uneingeschränkt auch für Ärztinnen und Ärzte, die in erlaubter Teilzeit sind.
§ 95d SGB V
- § 136b SGB V
Die Regelungen des Gemeinsamen Bundesausschusses gelten für alle in nach §108 SGB V zugelassenen Krankenhäusern tätigen Fachärztinnen und Fachärzte aber nicht für Belegärztinnen und -ärzte im Sinne von § 121 Abs. 2 SGB V und für ermächtigte Ärztinnen und Ärzte nach § 116 SGB V.
Ein Facharzt / eine Fachärztin ist in diesem Sinne für ein Krankenhaus tätig, wenn er aufgenommene Patientinnen und Patienten innerhalb des nach dem Krankenhausplan geförderten Bereichs behandelt. Auch Ärztinnen und Ärzte, die nicht direkt in den Behandlungsprozess eingreifen, können durch regelhafte Beteiligung am gesamten Versorgungsprozess (z.B. durch Leistungserbringung im Rahmen der Diagnostik oder regelmäßige fachlich medizinische Beratung) indirekt in die Behandlung involviert sein und somit der Fortbildungsverpflichtung unterliegen.
§ 136b SGB V
- § 95d SGB V
- 2. Wie ändert sich mein Nachweiszeitraum, wenn ich meine Praxis aufgebe und ins Krankenhaus wechsle?
Der Nachweiszeitraum für niedergelassene Fachärzte wird (seit 2006) gemäß § 95d SGB V ab der Kassenzulassung von der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) berechnet. Wird die Praxis aufgegeben, um im Krankenhaus tätig zu werden, sind diese Fachärzte zwar nicht mehr gegenüber der KV nachweispflichtig, sondern gegenüber ihrem Ärztlichen Direktor. Der laufende Fünfjahreszeitraum verändert sich in der Regel jedoch nicht.
- 3. Wie ändert sich mein Nachweiszeitraum, wenn ich aus dem Krankenhaus in eine Praxis oder in ein MVZ wechsle?
Wechselt ein Facharzt aus dem Krankenhaus in eine eigene Praxis beziehungsweise wird als Angestellter Facharzt in einer Praxis / in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) tätig, wird ein komplett neuer Zeitraum von der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung definiert. Dieser beginnt in den meisten Fällen mit dem Datum der Kassenzulassung. Alle bisher erworbenen Punkte sind nicht mehr berücksichtigungsfähig.
- 4. Wie ändert sich mein Nachweiszeitraum, wenn ich im Krankenhaus tätig bin und im Laufe meines Fünfjahreszeitraum eine Ermächtigung erlange?
Wird ein Facharzt im Laufe seines laufenden Fünfjahreszeitraums ermächtigt, ist er ab diesem Datum gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) nachweispflichtig und fällt demnach unter die Regelung des § 95d SGB V. Es beginnt ein komplett neuer Fünfjahreszeitraum. Alle bisherigen Punkte sind nicht mehr berücksichtigungsfähig. Auch die Verwaltung im Krankenhaus muss sich nun nach dem neuen von der KVNo vorgegebenen Zeitraum richten und kann nicht zu einem früheren Zeitpunkt einen Nachweis verlangen.
- 5. Wie viele Fortbildungspunkte sind zum Erwerb des Fortbildungszertifikats nachzuweisen? / Welche Fortbildungen können anerkannt werden?
Innerhalb eines gesetzlich vorgeschriebenen Fünfjahreszeitraums sind insgesamt mindestens 250 Punkte nachzuweisen. Im Rahmen der gesetzlichen Verpflichtung können den Ärztinnen und Ärzten nur solche Fortbildungsveranstaltungen angerechnet werden, die zuvor von einer Ärztekammer oder anderen Heilberufskammern anerkannt und mit Fortbildungspunkten bewertet wurden. Die Anerkennung von Fortbildungsmaßnahmen regelt die Fortbildungsordnung der nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte.
- 6. Können überschüssige Fortbildungspunkte aus einem Fünfjahreszeitraum in den folgenden Fünfjahreszeitraum übertragen werden?
Eine Gutschrift von überzähligen Punkten für den folgenden Fünfjahreszeitraum wird durch die gesetzlichen Formulierungen ausgeschlossen.
- 7. Starte ich automatisch einen neuen Zeitraum, wenn ich vor Ablauf der Fünfjahresfrist das Fortbildungszertifikat bei der Ärztekammer beantrage?
Nein, die Fristen bemessen sich nicht nach dem Zeitpunkt der Erteilung des Fortbildungszertifikats. Eine Nachweispflicht besteht immer aus einem mindestens 5 Jahre umfassenden Zeitraum. Wird ein Fortbildungszertifikat vor Ablauf der 5 Jahre beantragt, ändert dies nichts am Nachweiszeitraum. Punkte die nach Ausstellung des Zertifikats, jedoch vor Beginn des neuen Fünfjahreszeitraums erlangt werden, können nicht in den neuen Zeitraum übertragen werden.
- 8. Wie stelle ich den Antrag auf Ausstellung des Fortbildungszertifikats?
Der Antrag auf Ausstellung des Fortbildungszertifikats kann bei Erreichen der 250 Punkte – unter Berücksichtigung des gesetzlich vorgeschriebenen Zeitraums – schriftlich formlos entweder
- per Post Ärztekammer Nordrhein Abteilung Weiterbildung, Tersteegenstr. 9, 40474 Düsseldorf
- per E-Mail an punktekonto(at)aekno.de
- oder über das Mitgliederportal meine ÄkNo
gestellt werden.
Gebühr: Die Gebühr für die Bearbeitung eines Antrags auf Erteilung des Fortbildungszertifikats beträgt derzeit 20 Euro. Bitte zahlen Sie die Gebühr erst, wenn Sie das Zertifikat und die Rechnung erhalten haben.
- 9. Kann auf ein Fortbildungszertifikat verzichtet werden?
Fachärztinnen und Fachärzte, die gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung (KVNo) nachweispflichtig sind, müssen für den Nachweis über die Erfüllung der Fortbildungspflicht gegenüber der KVNo kein Fortbildungszertifikat beantragen. Die KVNo kann auf elektronischem Weg Einsicht in das Punktekonto nehmen.
Ermächtigte Krankenhausärzte müssen jedoch gegebenenfalls zusätzlich gegenüber ihrem Arbeitgeber die Erfüllung ihrer Fortbildungspflicht nachweisen. Hierfür kann die Ausstellung eines Fortbildungszertifikates erforderlich sein.
- 10. Welche Konsequenzen ergeben sich für niedergelassene Ärzte bei Nichteinhaltung der Fortbildungspficht?
Der Gesetzgeber hat in § 95d SGB V neben finanziellen Sanktionen sogar einen Entzug der Zulassung festgelegt. Die Kassenärztliche Vereinigung ist gezwungen, diese Maßnahmen einzuleiten. Genauere Informationen hierzu erhalten Sie von der KV Nordrhein.
- 11. Welche Konsequenzen ergeben sich für Krankenhausärzte bei Nichteinhaltung der Fortbildungspflicht?
Da es sich um eine Maßnahme der Qualitätssicherung bei zugelassenen Krankenhäusern gemäß § 136b SGB V und nicht um eine Regelung für Vertragsärztinnen und -ärzte handelt, können sich etwaige Konsequenzen auch nicht unmittelbar auf die betreffenden Fachärzte erstrecken, sondern sind gegebenenfalls auf die betreffenden Krankenhäuser gerichtet.
Gleichwohl liegt es im Ermessen der Krankenhausleitung im Rahmen der innerbetrieblichen Organisation beziehungsweise der arbeitsvertraglichen Regelungen mögliche Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Fortbildungspflicht vorzusehen.
- 12. Der Fünfjahreszeitraum hat bereits geendet, jedoch habe ich nicht genug Fortbildungspunkte erworben um die Fortbildungspflicht zu erfüllen. Kann ich die fehlenden Punkte nachholen?
Fehlende Fortbildungspunkte können innerhalb von maximal zwei Jahren nachgeholt werden. Die nachgeholten Fortbildungen zählen gemäß § 136 b SGB V nicht für den neuen Nachweiszeitraum. Dieser wird auch nicht verlängert. Sollten für das Nachholen der fehlenden Fortbildungspunkte also zwei Jahre benötigt werden, bleiben für die Erfüllung der Fortbildungspflicht im Folgezeitraum nur noch drei Jahre um die erforderlichen 250 Fortbildungspunkte nachzuweisen.
- 13. Wie soll ich vorgehen, wenn Fortbildungspunkte nicht in meinem Punktekonto erscheinen?
Sofern Fortbildungen rund ein bis zwei Monate nach Absolvierung der Fortbildung noch nicht im Punktekonto erscheinen, müssen die entsprechenden Teilnahmebescheinigungen in Kopie bei der Ärztekammer Nordrhein eingereicht werden, damit die Punkte nachgetragen werden können.
- 14. Wie kann ich Fortbildungsunterlagen zur Ärztekammer Nordrhein schicken? Sind Originale notwendig?
Teilnahmebescheinigungen für noch fehlende Fortbildungspunkte können in Kopie bei der Ärztekammer Nordrhein eingereicht werden. Bitte reichen Sie keine Originalbescheinigungen ein, da die Unterlagen nach der Bearbeitung vernichtet werden.
Die Kopien der Teilnahmebescheinigungen können
- per Post Ärztekammer Nordrhein Abteilung Weiterbildung, Tersteegenstr. 9, 40474 Düsseldorf
- gut leserlich abfotografiert oder eingescannt per E-Mail an punktekonto(at)aekno.de
- oder über das Mitgliederportal meine ÄkNo
eingericht werden.
Um eine optimale Lesbarkeit Ihrer Unterlagen zu gewährleisten, bitten wir Sie, möglichst auf den Versand per Fax zu verzichten, da die Qualität von Faxübertragungen häufig beeinträchtigt ist.
Die anschließende Gutschrift der Fortbildungspunkte kann zwischen 4 – 8 Wochen dauern.
Sollte Ihr Anliegen aufgrund eines endenden Nachweiszeitraumes oder Ähnlichem besonders dringend sein, teilen Sie uns dies bitte bereits in der E-Mail beziehungsweise dem Anschreiben mit, damit wir die Dringlichkeit entsprechend berücksichtigen und eine möglichst zeitnahe Bearbeitung gewährleisten können.
- 15. Was bedeutet die "automatische Übermittlung" der Fortbildungspunkte?
Veranstalter sind verpflichtet, die Fortbildungspunkte der anerkannten Fortbildungsmaßnahmen elektronisch an die Ärztekammern zu übermitteln.
Herzu müssen die Teilnehmer ihren Barcode in eine entsprechende Anwesenheitsliste einkleben oder, sofern möglich, ihren Arztausweis scannen lassen. Es ist in der Regel nicht ausreichend, nur den Namen oder die EFN (Einheitliche Fortbildungsnummer) per Hand in die Teilnehmerlisten einzutragen.
- 16. Ich war während meines laufenden Nachweiszeitraums in Elternzeit / erkrankt. Was ist notwendig, um diese Zeit auf den Fünfjahreszeitraum anrechnen zu lassen?
Sind Fachärztinnen oder Fachärzte aufgrund von Mutterschutz, Elternzeit, Pflegezeit oder wegen einer länger als drei Monate andauernden Erkrankung nicht berufstätig, kann diese Zeit auf den laufenden Nachweiszeitraum angerechnet werden.
Fachärztinnen oder Fachärzte, die in der Klinik tätig sind, reichen bei der Ärztekammer Nordrhein per E-Mail eine Bescheinigung des Arbeitgebers ein, aus der die genauen Daten hervorgehen, in denen sie nicht tätig waren. Der Nachweiszeitraum wird dann um die entsprechende Zeit, jedoch maximal um zwei Jahre, verlängert.
Fachärztinnen oder Fachärzte, die vertragsärztlich tätig sind, wenden sich bezüglich der Verlängerung des Nachweiszeitraumes an die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein.
- 17. Ich möchte eine Hospitation in einer Praxis / in einem Krankenhaus durchführen und mir dafür Fortbildungspunkte anrechnen lassen. Was muss ich tun?
Mindestens einen Monat vor Beginn einer Hospitation ist ein formloser schriftlicher Antrag bei der Ärztekammer zu stellen, aus dem
- die genaue Dauer,
- der Ort,
- der Leiter der Hospitation und
- das Thema
hervorgehen.
Um Fortbildungspunkte geltend machen zu können, muss der Leiter der Hospitation eine entsprechende Weiterbildungsbefugnis besitzt. Sofern dies gegeben ist, erhalten Sie seitens der Ärztekammer ein Bestätigungsschreiben, aus dem alle nötigen Informationen bezüglich der Hospitationsbescheinigung hervorgehen. Diese Bescheinigung muss vom Leiter der Hospitation unterschrieben beziehungsweise ausgestellt und im Anschluss an die Hospitation bei der Ärztekammer eingereicht werden. Laut Kategorie G der Fortbildungsordnung für die nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte können 4 Punkte für einen halben und 8 Punkte für einen ganzen Tag vergeben werden.
Zum 1. Januar 2026 ist die neue Fortbildungsordnung für die nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte in Kraft getreten. Laut § 10 (2) sind Wohltätigkeitsarbeiten / humanitäre Dienste (…) nicht anerkennungsfähig und gelten nicht als Hospitation.
- 18. Ich möchte eine Fortbildung im Ausland besuchen. Worauf muss ich achten?
Für Auslandsveranstaltungen erkennt die Ärztekammer Nordrhein nur Fortbildungspunkte an, die von der zuständigen Institution im Ausland, beispielsweise der Ärztekammer des jeweiligen Landes oder in Europa auch durch die Union Européenne des Médecins Spécialistes (UEMS) beziehungsweise European Accreditation Council for Continuing Medical Education (EACCME) vergeben wurden.
Fortbildungspunkte aus dem Ausland können nicht elektronisch in das Punktekonto übermittelt werden. Daher muss die entsprechende Teilnahmebescheinigung (mit Angabe der entsprechenden Anerkennungshinweise / erworbenen CME-Credits) in Kopie bei der Ärztekammer Nordrhein eingereicht werden.
- 19. Ich habe bereits an einer Fortbildung im Ausland teilgenommen, die nicht von einer der oben genannten Stellen mit Fortbildungspunkten / CME-Credits anerkannt ist. Ist eine Gutschrift von Fortbildungspunkten trotzdem möglich?
Auslandsfortbildungen, die nicht von einer der oben genannten Stellen mit Fortbildungspunkten / CME-Credits anerkannt wurden, können laut §12 der Fortbildungsordnung für die nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte nur dann für das Fortbildungszertifikat anerkannt werden, wenn diese den Anforderungen der oben genannten Fortbildungsordnung entsprechen.
Um dies zu prüfen, muss die Ärztin / der Arzt aussagekräftige Unterlagen / Nachweise über die Art und den Inhalt der Auslandsfortbildung bei der Ärztekammer Nordrhein einreichen. Das Einreichen der Teilnahmebescheinigung allein ist in diesem Fall nicht ausreichend.