Mail aus Köln

29.03.2019 Seite 10
RAE Ausgabe 4/2019

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 4/2019

Seite 10

Anja Klutsch © privat

Seit Innere, – und Chirurgietertial Pflichtteile des Praktischen Jahres (PJ) sind, gibt es eine Menge Medizinstudentinnen und -studenten, die beklagen, in ihrer Auswahl zu eingeschränkt zu sein. Nur ein viermonatiges Wahltertial sei vielen zu wenig, um ihre eigenen Interessen ausreichend zu erproben. Besonders wenn Innere oder Chirurgie so gar nicht ins Interessengebiet fallen und man eigentlich zwischen Psychiatrie und Pädiatrie schwankt.

Auch ich gehörte zu der Gruppe der Klagenden. Im Laufe des gesamten Studiums fürchtete ich mich zunehmend vor der Chirurgie. Bei Blockpraktika versteckte ich mich immer hinter den anderen, wenn gefragt wurde, wer gerne mit dem Oberarzt am OP-Tisch stehen wolle. Nach fünf Jahren hatte ich mich noch kein einziges Mal „eingewaschen“.

Nun nach Ablauf meiner Zeit in der chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Dormagen hat sich meine Einstellung zu dem Fach um 180 Grad gedreht. Meine Angst hat sich zu einer Art Besessenheit entwickelt. Wie ein kleines Kind freute ich mich, wenn morgens der Wecker um halb sechs klingelte oder wenn ich auf dem OP-Plan des nächsten Tages entdeckte, dass ich als Assistenz für eine dreistündige laparotomische Sigmaresektion eingetragen war.

Durch gute Lehre, respektvollen Umgang im Team und Vertrauen kann ich es nun kaum erwarten, nach dem Examen meine erste chirurgische Assistenzarztstelle anzutreten.

Wie erlebt Ihr das Studium der Humanmedizin? Schreibt mir an medizinstudium(at)aekno.de.