Thema - 122. Deutscher Ärztetag

Weiterbildung: Grünes Licht für das elektronische Logbuch

25.06.2019 Seite 17
RAE Ausgabe 7/2019

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 7/2019

Seite 17

Der Kompetenzzuwachs während der ärztlichen Weiterbildung soll künftig in einem elektronischen Logbuch dokumentiert werden. Einen entsprechenden Beschluss hat der 122. Deutsche Ärztetag in Münster gefasst. © Westend 61/Fotolia
Die Weiterbildung soll in Deutschland künftig digital dokumentiert werden. Den Weg hierfür freigemacht hat der 122. Deutsche Ärztetag in Münster.

von Bülent Erdogan

Gehört das viele Kopieren von Antragsunterlagen zur Prüfungszulassung für angehende Fachärztinnen und -ärzte bald der Vergangenheit an? Geht es nach den Delegierten des 122. Deutschen Ärztetags, der Bundesärztekammer und der Software-Schmiede Steadforce, dann soll der fachärztliche Nachwuchs die Dokumentation seiner Weiterbildung schon in naher Zukunft online mittels eines elektronischen Logbuchs (eLogbuch) erledigen können. Einen entsprechenden Beschluss jedenfalls fassten die Delegierten in Münster.

Grundlage hierfür war ein Auftrag des 121. Deutschen Ärztetags in Erfurt im vergangenen Jahr an die Bundesärztekammer (BÄK), mit einem Hersteller eine betriebsfähige Anwendung eines eLogbuchs zu entwickeln. Mit Abschluss der Verträge zu Softwareerstellung, Wartung und Support mit der Firma Steadforce, die das Tool in Münster vorstellte, sollen die technischen Voraussetzungen für ein bundesweites System für das eLogbuch als Anwendung via Internetportal nun stehen. Für die Bundesärztekammer stellte Dr. Max Kaplan, Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der BÄK, klar: „Das Logbuch gehört dem Weiterzubildenden.“

Der Kompetenzzuwachs während der ärztlichen Weiterbildung soll verpflichtend und kontinuierlich in einem elektronischen Logbuch dokumentiert werden. Avisiert wurde in Münster auch die Option, die Antragsunterlagen für die Zulassung zur Facharztprüfung künftig online an die jeweilige Landesärztekammer absenden zu können. In weiteren Beschlüssen benannten die Abgeordneten wesentliche Aspekte, die bei der Umsetzung des eLogbuchs zu berücksichtigen sind: So forderten sie die Bundesärztekammer und die Landesärztekammern auf, das eLogbuch für den Wechsel zwischen den verschiedenen Landesärztekammern kompatibel zu gestalten. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass regionale Besonderheiten der Weiterbildungsordnung in den eLogbüchern abgebildet werden können. Auch solle das eLogbuch regelmäßig evaluiert und entsprechend der gewonnenen Erkenntnisse angepasst werden. Bezüglich der abzuleistenden Weiterbildungszeiten sprachen sich die Mitglieder des deutschen Ärzteparlaments für eine automatische Plausbilitätsprüfung aus. Vorgesehen werden soll auch die Aufforderung an den Weiterbildungsbefugten, auf vom angehenden Facharzt eingestellte Angaben zum Weiterbildungsfortschritt zeitnah zu reagieren.

„Das Logbuch gehört dem Weiterzubildenden.“

Jeder Eintrag im eLogbuch wird laut Ulf Kester von Steadforce mit einem Zeitstempel versehen, Rückdatierungen sind somit ausgeschlossen. Ein Eintrag kann nur wieder entfernt werden, so lange er noch nicht für andere sichtbar gewesen ist. Eine vorgenommene Korrektur wird ebenfalls dokumentiert, damit soll eine lückenlose Nachvollziehbarkeit der Einträge sichergestellt werden.

Mit dem eLogbuch wird nach Ansicht des Deutschen Ärztetags ein einfach zu benutzendes Instrument bereitgestellt, um die Planung der Weiterbildung vornehmen und die Dokumentation sowie Bewertung von erreichtem Wissens- und Erfahrungszuwachs übersichtlich erfassen zu können. Voraussetzung für den Einsatz auf Landesebene ist die Umsetzung der in den vergangenen Jahren angestoßenen Reformen der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in jeweiliges Kammerrecht. Die Ärztekammer Nordrhein wird sich am 16. November auf ihrer Kammerversammlung mit der Weiterbildung befassen. 
Die Bundesärztekammer rechnet damit, dass bereits nach einigen Jahren mehr als 100.000 Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung online dokumentieren werden, sofern die Landesärztekammern endgültig grünes Licht gegeben haben. Auch die Zahl der Weiterbildungsbefugten wird sukzessive in die Zehntausende gehen.