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Mail aus Bonn

22.08.2019 Seite 10
RAE Ausgabe 9/2019

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 9/2019

Seite 10

Marie Noëlle Engels © privat

Wenn es ein Fach gibt, in dem ich mich nach diesem Semester gut auf das Staatsexamen vorbereitet fühle, dann ist es, für mich überraschend, Arbeitsmedizin. Das ist sicher keinem übermäßigen Interesse meinerseits an diesem Fach zu verdanken, sondern vielmehr dem Engagement von Dr. Henrike Steudel, der scheidenden Lehrbeauftragten für Arbeitsmedizin.
In ihren Seminaren sah ich mich das erste Mal seit der Schulzeit wieder gezwungen, ein selbstgeschriebenes Namensschild an meinem Platz aufzustellen. Das kann man gut oder schlecht finden, so oder so erhöht sich automatisch die Aufmerksamkeit der Studentinnen und Studenten. In einem Studium voller ehemaliger Lehrerlieblinge wird kaum einer gerne mit Namen angesprochen und hat dann keine Ahnung, worum es überhaupt geht. Zu Beginn jedes Seminars wurden Studentinnen und Studenten aufgerufen und zu den Themen der letzten Woche befragt.
Besonders beliebt dabei: „Wenn ich Sie um fünf Uhr nachts aufwecke und frage, was die wichtigste Aufgabe der Arbeitsmedizin ist, dann sagen Sie mir …?“. Ich weiß jetzt und wahrscheinlich für den Rest meines Lebens: Die Antwort lautet: Gefährdungsbeurteilung.


Einer von vielen Gefahrstoffen, denen man in seinem Arbeitsleben ausgesetzt sein kann, ist Wismut. Das in Wismut enthaltene Uran wandelt sich im Körper zu Radon um und lässt bis heute tödliche Bronchial-Karzinome in den Bronchialverzweigungen ehemaliger Bergbauarbeiter der DDR entstehen. Tragisch bis ironisch erscheint vor diesem Hintergrund, dass jedem dieser Bergbauarbeiter in der DDR je nach Beschäftigungsort monatlich zwischen einem und sechs Litern eines Branntweins namens „Kumpeltod“ zustanden. Ein weiteres Thema des Seminars war die Gültigkeit von Unfallversicherungen. So weiß ich jetzt, dass ich als Studentin gegen Unfälle auf dem Weg zur Mensa, nicht aber in der Mensa versichert bin. Gleiches gilt übrigens für den Weg zur Toilette verglichen mit dem Aufenthalt in derselben.
Wie erlebt Ihr das Studium der Humanmedizin? Schreibt mir an medizinstudium(at)aekno.de.