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Mail aus Aachen

28.07.2020 Seite 10
RAE Ausgabe 8/2020

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 8/2020

Seite 10

© privat

Mit einem Semester dieser Art hätte vergangenes Jahr wohl niemand gerechnet. Den Professor sieht man nur noch online, die Kommilitonen sieht man nur zu Klausuren und hinter Atemmasken. Ausgerechnet mein letztes Semester ist so untypisch wie sonst noch nie. Trotzdem finde ich es an vielen Stellen beeindruckend, wie schnell die Koordinatoren unseres Studiengangs es geschafft haben, ein komplett neues Programm auf die Beine zu stellen. Praktika und Vorlesungen werden aufgezeichnet, Seminare interaktiv vor dem Bildschirm gehalten, und es gibt einen komplett neuen Ablauf der Klausuren. Alles, damit dieses Semester lückenlos stattfinden kann und wir im Oktober unser Staatsexamen ablegen können.

In der Zwischenzeit habe ich mir etwas Geld dazuverdient mit der Arbeit auf der neurologischen Intensivstation.

Selbst die Rekrutierung von neuen Patienten für meine Promotion wurde auf Eis gelegt. Ich habe also (endlich) mal Zeit, mich um Einleitung, Methodenteil und die ersten Ergebnisauswertungen meiner Doktorarbeit zu kümmern.

Trotzdem bin ich froh, dass das soziale Leben langsam wieder startet. Im Hinblick auf Restaurantbesuche und Shoppingtouren bin ich noch etwas verunsichert. Umso mehr freue ich mich, dass meine Bands endlich wieder proben dürfen. Mit Mindestabstand und viel Desinfektionsmittel. Mit viel Planung konnten wir Mitte Juni auch ein Livestream-Konzert spielen. So nehme ich die Zeit gerade als eine gute Chance wahr, unerledigte Dinge, vom Schreiben meiner Doktorarbeit bis zum Frühjahrsputz, ohne Stress in die Hand nehmen zu können. Und vielleicht werde ich dann mein M2 im Herbst viel gelassener angehen können.

Wie erlebt Ihr das Studium der Humanmedizin? Schreibt mir an medizinstudium(at)aekno.de.