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Meinung

Vorsatz: Hinschauen und verändern!

13.12.2019 Seite 3
RAE Ausgabe 1/2020

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 1/2020

Seite 3

© Jochen Rolfes

Der Jahreswechsel ist die Zeit guter Vorsätze. Wir denken darüber nach, was in unserem Leben wichtig ist und was bloß wichtig erscheint. Gute Wünsche zum Fest und zum Neuen Jahr!

In wenigen Tagen geht  wieder ein turbulentes Jahr zu Ende. Wie viele von uns nehmen sich für die kommenden Feiertage vor, Familie, Freunden und uns selbst ein wenig mehr Zeit einzuräumen? Wenn wir zur Ruhe kommen denken wir auch nach über das vergangene Jahr, über unsere Arbeit und darüber, was im Leben wirklich wichtig ist. Die eine oder der andere mag sich sogar darauf besinnen, dass wir an Weihnachten der Geburt Christi gedenken.

Der Blick zurück lohnt, weil uns im schnelllebigen Alltag nicht so selten auch einmal die wichtigen Dinge entgleiten und wir dem pragmatischen Imperativ folgen „Augen zu und durch“. Doch dieser Imperativ ist tückisch, denn er nimmt uns die Chance, unserem Weg die Richtung zu geben, die zu unseren Zielen führt.
Wer 2019 die Zeitung aufgeschlagen hat, kam um folgende Überschriften nicht herum: „Ärzte im Konflikt zwischen Ethik und Ökonomie “, „Arztstellen bleiben lange unbesetzt“ oder „Wenn Ärzte zu Patienten werden“. Jede Überschrift für sich zeigt schwache Stellen in unserem Gesundheitswesen auf, bei denen wir mit der Devise „Augen zu und durch“ nicht weiterkommen. Letztlich geht das „Augen zu und durch“ sogar zu Lasten der sich uns anvertrauenden Patientinnen und Patienten.

„Hinschauen und verändern“ ist der Vorsatz für 2020. Denn es kann weder uns noch der Gesellschaft egal sein, wenn Kolleginnen und Kollegen in einer zunehmenden Fragmentierung der medizinischen Handlungsprozesse, durch zunehmende Arbeitsverdichtung und Bürokratisierung oder durch ständige Verletzungen der Arbeitszeiten die Freude am Beruf verlieren.

Auf unserem Beratungstag für junge Kammermitglieder haben Kollegen beklagt, dass sie schon im ersten Jahr ihrer Weiterbildung ihre Entscheidung, den Arztberuf zu ergreifen, bereuen, weil ihnen Ansprechpartner in der Klinik fehlen, weil sie aufgrund fehlender Zeit nicht systematisch eingearbeitet werden, weil Dienste von mehr als 10 Stunden Dauer die Regel sind. Das können und wollen wir nicht übergehen (siehe Seite 26). Auch wenn krankmachende Arbeitsbedingungen zunächst den einzelnen Arzt und die einzelne Ärztin treffen, sind sie langfristig ein gesamtgesellschaftliches Problem. Sie gehen zu Lasten der medizinischen Erfordernisse und zu Lasten unserer Patienten. Nicht einmal der Wirtschaftlichkeit der Betriebe tun sie gut.

Es ist unser Auftrag, die auf Vertrauen gegründete persönliche Beziehung zum hilfesuchenden Patienten zu verteidigen, sowohl nach innen wie nach außen. Diese Aufgabe darf uns nie gleichgültig werden. Sonst folgen wir einem „Augen zu und durch“, das in die Irre führt. Daran müssen wir uns messen lassen, wenn wir uns den vielen Themen des kommenden Jahres widmen: der neuen Approbationsordnung, der Entwicklung der Bereitschaft zur Organspende, der Teilhabechance vermeidbar trachealkanülierter Menschen, der Vorbereitung auf das Thema Klimaschutz beim Deutschen Ärztetag, der Neugestaltung des Vergütungssystems der Krankenhäuser, der Reform der GOÄ, der Überarbeitung des Präventionsgesetzes, der kritischen Indikation nicht invasiver Pränataldiagnostik, dem neuen Krankenhausplan NRW, der Weiterentwicklung des Notfalldienstes und des Rettungsdienstes und dem Prinzip „Choosing Wisely“ in Praxis und Klinik.

Ihnen wünsche ich an dieser Stelle eine frohe, von Gott gesegnete und ungestörte Weihnachtszeit, ein paar Mußestunden und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2020. Mein besonderer Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen, die auch an den Feiertagen ihren Dienst in Klinik und Praxis verrichten!