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Meinung

Ausbilden – jetzt erst recht!

19.06.2020 Seite 3
RAE Ausgabe 7/2020

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 7/2020

Seite 3

Bernd Zimmer, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein © Jochen Rolfes
Die Corona-Pandemie macht nicht nur den Start in die Ausbildung schwierig, sie hat auch für viele Auszubildende den Abschluss der Lehrzeit kräftig durcheinandergebracht. Das gilt besonders für unsere Medizinischen Fachangestellten (MFA) und ihre Ausbildungspraxen. Doch wie es mit Stand heute aussieht, haben wir es durch den hohen Einsatz aller Akteure in Nordrhein-Westfalen geschafft, allen Medizinischen Fachangestellten die schriftlichen und praktischen Prüfungen zu ermöglichen. 

Unsere MFA-Auszubildenden können daher, sofern sie die Prüfungen bestehen, spätestens Ende Juli ihren Abschluss erhalten. Allen, die an der Organisation und Durchführung der Prüfungen in schwierigen Zeiten beteiligt waren, mein herzliches Dankeschön. Eine solche Spitzenleistung nicht mit einer wertschätzenden Lossprechung feiern zu können, macht mich besonders traurig, ist aber fachlich richtig. Wir wünschen daher auf diesem Wege allen neuen Medizinischen Fachangestellten einen erfolgreichen Berufsstart. 

Blicken wir nun auf das kommende Ausbildungsjahr. Auch hier wirft die Corona-Pandemie ihre Schatten voraus. 50.000 Ausbildungsstellen sind in NRW mit Stand Anfang Juni noch unbesetzt. Aktuell werden viele Entscheidungen zur Besetzung freier Ausbildungsstellen verschoben. So ist zu befürchten, dass in der Coronakrise viele junge Menschen in NRW keinen Ausbildungsplatz finden. 

Doch wer jetzt an die Zukunft denkt, wird wissen, dass die Praxen nach der ersten Corona-Welle sicherlich schnell wieder auf die gewohnten Patientenzahlen kommen. Aufgeschobene Arzttermine werden nachgeholt und schon sehr bald – da bin ich mir sicher – werden die Terminanfragen die Kapazitäten vieler Praxen wieder sprengen.
Da sind jene Praxen gut beraten, die mit gut ausgebildetem Personal vorgesorgt und mit der Ausbildung von Medizinischen Fachangestellten auch die Zukunft schon im Blick haben. Jede Fachkraft, die wir jetzt nicht ausbilden, wird uns bereits in naher Zukunft in unseren Praxen fehlen. 

Ich kann daher nur dringend gerade in der jetzigen Situation dazu raten, dass mehr Kolleginnen und Kollegen ihr Personal selbst ausbilden. 

Jetzt ist die beste Zeit, gute und hochmotivierte Jugendliche zu gewinnen. Unsere Praxen haben in Zeiten der Pandemie gezeigt, was sie können. Wir werden gebraucht, auch in der Zukunft. Nutzen Sie die Chance, suchen Sie Ihre Auszubildenden, während in Handel und Handwerk noch Unsicherheit und Zögern besteht. Haben Sie die Nase vorne mit Spitzenpersonal, im Team ausgebildet, für die Zeiten nach der Pandemie und vor der nächsten Herausforderung. Achten Sie auf die Möglichkeiten, die das Konjunkturpaket Corona der Bundesregierung bieten wird, wir werden Sie aktuell informieren.

Ich bleibe dabei: Nur mit qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir das Qualitätsversprechen, das wir gegenüber unseren Patienten abgeben, auch tatsächlich einlösen. Die besten Mitarbeiterinnen für unsere Praxen sind doch immer noch diejenige, die wir selbst ausgebildet haben.

Geben Sie jungen Menschen eine Chance auf ein erfüllendes Berufsleben. Geben Sie ihnen eine Ausbildungsstelle in einem der beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland und machen Sie ihnen damit Mut, nach einer so schweren Krise hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen. 

Lassen Sie uns die Gemeinwohlorientierung eines FREIEN BERUFES so gezielt unter Beweis stellen.
Ausbilden, – jetzt erst recht!