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Meinung

Vereinte Kraft

26.08.2020 Seite 3
RAE Ausgabe 9/2020

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 9/2020

Seite 3

© Jochen Rolfes

Die Corona-Pandemie fordert unsere Gesellschaft in uns bisher nicht bekannter Weise heraus. Sie durchdringt unseren Alltag und hat das Potenzial, gesellschaftliche Konflikte zu verschärfen. Weil kein Medikament richtig hilft und kein ausreichend erprobter Impfstoff existiert, heißen die wirksamen Mittel dagegen: Solidarität und Achtsamkeit. 

Stand Anfang August sehen wir wieder steigende Infektionszahlen. Das ist nicht überraschend, denn wir wissen: die Pandemie war nie weg. Wir werden in absehbarer Zeit nicht alle Infektionsketten vollständig unterbinden können und wir werden auch keinen Endpunkt erreichen, an dem wir sagen, jetzt gibt es keine Infektionen mehr. Was wir brauchen, ist daher ein möglichst nüchterner und achtsamer Umgang mit dem jeweiligen Infektionsgeschehen. Dass wir das können, hat unser Umgang mit der Pandemie in den vergangenen Monaten gezeigt.

Der Kreis Heinsberg hat im Februar als erste Region erlebt, was es heißt, wenn das neuartige Virus von jetzt auf gleich außer Kontrolle gerät. Doch die Zwischenbilanz aus der Region in dieser Ausgabe (Seite 12 f.) zeigt, dass die sektorenübergreifende Zusammenarbeit aller Beteiligten und der unbedingte Wille, das Schlimmste zu verhindern, am Ende zu einem positiven Fazit aller Akteure führen. Die in Heinsberg gewonnenen Erfahrungen machen Mut für die Herausforderungen, die sich uns als Nächstes stellen.

„Vereinte Kraft ist zur Herbeiführung des Erfolges wirksamer als zersplitterte oder geteilte“, sagte Thomas von Aquin. Es ist unsere Aufgabe als Ärzteschaft, uns an dieser Maxime auszurichten, sowohl nach innen wie nach außen. Wir bewältigen die Anforderungen der aktuellen Lage nur gemeinsam. Zusammen sollten wir die Rahmenbedingungen definieren, die uns in der aktuellen Situation helfen, unsere Patienten bestmöglich zu versorgen.

Denn uns sorgt gemeinsam, dass wir bei der reinen Fokussierung auf das Eindämmen der Corona-Infektionen unsere Nicht-Corona-Patienten aus dem Blick verlieren. Unsere ambulante Versorgung darf beispielsweise nicht durch die Vielzahl an Testungen, die vor allem den Hausärzten auferlegt werden, an Überforderungsgrenzen geführt werden, weil damit die Versorgung vieler chronisch kranker Patienten gefährdet würde. Hier benötigen wir Rahmenbedingungen, die es erlauben, das Testgeschehen außerhalb der Praxen zu realisieren. Unsere Gesundheitsämter benötigen schnell mehr qualifiziertes Personal, damit wichtige Aufgaben wie die Schuleingangsuntersuchungen nicht wegfallen, damit die Gesundheits- und Teilhabechancen von unzähligen Kindern nicht vermindert werden. Und bei der Krankenhausplanung müssen wir im Blick behalten, wie sehr es uns in der ersten Phase der Pandemie geholfen hat, dass wir den wahllosen Abbau von Versorgungskapazitäten, den verschiedene Politikberater empfohlen haben, bislang verhindern konnten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie alle helfen, jede und jeder an ihrem Ort, die aktuelle Situation so gut wie möglich zu bewältigen. Dafür danke ich Ihnen. Denn ich weiß, dass die ständigen neuen Auflagen und Erlasse, die zum Teil mit so viel Bürokratie verbunden sind, immer wieder zu neuen Belastungen in Ihren Praxen und Kliniken führen. Oft sind pragmatische Lösungen und Ideen gefragt. Treten Sie daher mit uns, in der Hauptstelle in Düsseldorf und in den Kreisstellen der Ärztekammer, in den Austausch, wenn Sie vor Ort gute Ideen zur Verbesserung der Versorgung unserer Patienten haben. Lassen Sie uns das weiterhin gemeinsam bewältigen.