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Sektorenübergreifende Versorgung

Ärzteverbände kritisieren Vorstoß von AOK und Klinikbetreibern

24.09.2021 Seite 9
RAE Ausgabe 10/2021

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 10/2021

Seite 9

Der Virchowbund und der Hartmannbund haben unabhängig voneinander Vorschläge des AOK-Bundesverbandes und der Krankenhausträger Diakoneo, Bezirkskliniken Mittelfranken und Helios kritisiert, die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung vollständig aufzulösen. Die Versorgung solle künftig auf Basis konkreter, auch regionaler Versorgungsverträge organisiert werden, heißt es in einem Positionspapier „Veränderung ermöglichen“, das die AOK und die drei Klinikbetreiber Ende August vorgelegt haben. Dazu sei es notwendig, die Krankenhausplanung und die vertragsärztliche Bedarfsplanung zusammenzuführen. Zudem müssten gering ausgelastete, für die Versorgung nicht notwendige Klinikstandorte geschlossen werden. Auch beim Thema Vergütung muss es dem Papier zufolge künftig mehr Spielraum geben. Denkbar seien beispielsweise Budgets für regionale Versorgungsaufträge oder Elemente einer erfolgsabhängigen Vergütung.
 
Als „zerstörerisch“ für die Gesundheitsversorgung der Kassenpatienten bezeichnete der Virchowbund die Vorschläge. Das bestehende System aus niedergelassenen Haus- und Fachärzten sei gerade der große Versorgungsvorteil in Deutschland. Regional ausgeschriebene Versorgungsaufträge bedeuteten dagegen das Ende des KV-Systems. Sie seien letztlich Wegbereiter der umfassenden Öffnung der Krankenhäuser.
 
Mit dem Positionspapier verfolge die AOK in erster Linie Einsparungsabsichten, kritisierte der Hartmannbund. Würden diese realisiert und immer mehr ambulante Leistungen an die Krankenhäuser verlagert, verschlechtere sich die Versorgung der Patientinnen und Patienten deutlich.

HK