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Litembo

Mail aus Litembo

13.03.2024 Seite 10
RAE Ausgabe 4/2024

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 4/2024

Seite 10

Drei Famulantinnen vor dem Eingang des Litembo Hospitals: (v.l.n.r.): Lotta Klaßen, Anna Sailer und die Kolumnistin Hannah Stamm © privat

Diese Semesterferien bin ich gemeinsam mit zwei Freundinnen in eine etwas andere Famulatur gestartet. Nach einer aufregenden Anreise, die insgesamt vier Tage gedauert hat, sind wir im Litembo Hospital in Tansania angekommen. Die Stadt Litembo liegt im südlichen Hochland des ostafrikanischen Staates.

Die Gründung des Krankenhauses geht auf Brüder des Benediktinerordens zurück, die 1914 eine Missionsstation in Litembo auf­gebaut hatten. 1961 kam die deutsche Ärztin Dr. Irmel Weyer mit einigen Krankenschwestern nach Litembo und übernahm die Leitung. Bis 1996 ließ sie das Krankenhaus ausbauen und vergrößern. Mittlerweile gibt es hier Stationen für Pädiatrie, Gynäkologie, Chirurgie, Innere Medizin, HIV-Patientnen, einige Ambulanzräume (auch für Augenheilkunde, Mental Health und Zahnmedizin), einen großen Operationssaal, ein EKG-Gerät, ein Röntgengerät, ein Ultraschallgerät sowie ein Labor. Bei einer Bettenanzahl von rund 320 arbeiten hier elf Ärztinnen und Ärzte sowie sieben „Interns“, die mit unseren Studierenden im Praktischen Jahr vergleichbar sind.

Die Eindrücke und Erlebnisse hier sind bereits nach zwei Wochen zahlreich. Es ist beeindruckend zu sehen wie mit den im Vergleich zu Deutschland sehr begrenzten Mitteln nach bestem Wissen und Gewissen behandelt wird. Gleichzeitig ist es sehr bedrückend, manche Umstände und Geschichten zu hören und die Grenzen des hier Möglichen so direkt zu erfahren. So ist das System von staatlich finanzierten Krankenkassen noch lange nicht flächendeckend verbreitet, sodass manche Behandlungen schlichtweg an mangelnden finanziellen Mitteln scheitern.

Das fachliche und praktische Lernen ist auf jeden Fall ein Teil der Famulatur hier, aber vielmehr sind es für uns auch die Menschen vor Ort, die ihre Erfahrungen und Geschichten mit uns teilen und uns einen ganz anderen Einblick in Land, Kultur und Leute gewähren. Wir empfinden es als großes Privileg, daran teilhaben zu dürfen und beschäftigen uns viel mit der Frage, welche Rolle wir als weiße Europäerinnen, vor allem unter Berücksichtigung des geschichtlichen Kontextes, hier einnehmen. Es sind viele ethische Fragen, die wir gemeinsam mit den anderen Famulantinnen und Famulanten, aber auch mit den tansanischen Ärzten diskutieren. Der Austausch mit ihnen ist schon jetzt eine große Bereicherung für uns.
Wie erlebt Ihr das Studium der Humanmedizin? Schreibt mir an medizinstudium(at)aekno.de.