„Die heilen Zeiten sind vorbei. Wir Ärzte stehen im Kreuzfeuer knochenharter Kritik. Es gilt zu kontern, ja zu kämpfen“. Dr. Friedrich-Wilhelm Koch, vor 50 Jahren Präsident der Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo), fand auf der Kammerversammlung am 22. November 1975 deutliche Worte zur aktuellen Lage der Ärzteschaft. Das Rheinische Ärzteblatt berichtete in seiner ersten Dezember-Ausgabe 1975 über die Sitzung des nordrheinischen Ärzteparlaments. Mit sehr großer Mehrheit verabschiedeten die Delegierten das Statut der neu zu bildenden Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler. Die Kommission konnte somit wie geplant am 1. Dezember 1975 ihre Arbeit aufnehmen. Koch kündigte zudem an, dass die Öffentlichkeitsarbeit der ÄkNo im folgenden Jahr intensiviert werde. Es gehe darum, die spezifische Rolle des Arztes im Sozialgefüge Deutschlands der Öffentlichkeit deutlicher darzulegen und „Antworten aus ärztlicher Sicht auf die drängenden gesundheitspolitischen Fragen“ zu geben. Daneben beschloss die Kammerversammlung, die Renten der Nordrheinischen Ärzteversorgung „wesentlich zu erhöhen“. Heftig diskutierten die Delegierten den Haushaltsentwurf der ÄkNo für 1976, der mit einer Beitragserhöhung verbunden war. Die Beitragsanhebung wurde durch die „Verlagerung der Kosten der Arzthelferinnenausbildung auf den Kammerhaushalt“ notwendig. Bisher waren die Kosten über eine Sonderumlage bei den ausbildenden Ärzten gedeckt worden. Dieser Finanzierungsform hatten die Aufsichtsbehörde und die Rechtsprechung einen Riegel vorgeschoben. Trotz zahlreicher Vorschläge zur Kosteneinsparung wurden die neue Beitragsordnung und der Haushalt letztlich mit „deutlichen Mehrheitsbeschlüssen verabschiedet“.
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