Aktuell erlebe ich einen Zwischenraum in meinem Studium – ein letztes Freisemester, das ich mir bewusst genommen habe. Nach einem lernintensiven Sommer, drei anstrengenden M2-Prüfungstagen und einer wunderbaren Reise mit meinen Studienfreundinnen und -freunden hat eine Zeit begonnen, in der sich die Wege trennen. Während die meisten meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen ihre teils internationalen Tertiale des Praktischen Jahrs (PJ) angetreten haben oder sogar schon fertig mit dem Studium sind, habe ich mich entschieden, mir noch ein Freisemester zu nehmen und mich so voll auf die Fertigstellung meiner experimentellen Doktorarbeit zu konzentrieren.
Ich finde es schön, noch einmal einige Monate meinen Alltag frei einteilen zu können. Die Arbeit an meiner Promotion ist gerade sehr abwechslungsreich, denn ich beschäftige mich sowohl mit praktischem Arbeiten im Labor als auch mit Analysen am Computer und der kreativen Aufgabe, meine Forschungsergebnisse möglichst ansprechend auf einem Poster für den Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie darzustellen.
Außerdem genieße ich es sehr, noch einmal mein studentisches Leben mit Orchester, Sprachkurs und Mensa zu leben. Trotzdem ist das Ende meines Studiums im nächsten Jahr in greifbarer Nähe. Viele Jahre nach meiner letzten größeren Lebensentscheidung, der zum Medizinstudium, werde ich bald Fragen konkret beantworten müssen wie zum Beispiel: „In welcher Fachrichtung und an welchem Krankenhaus möchte ich mein Arbeitsleben beginnen? Wie möchte ich arbeiten und wie leben?“ Natürlich habe ich dazu schon einige Vorstellungen und bin mir bewusst, dass man sich auch umorientieren kann und viele Karrierewege ungeplante Wendungen nehmen – trotzdem ist das keine Kleinigkeit.
Zuerst erwartet mich aber ab Mai mein PJ. Ich freue mich darauf, täglich mit Patientinnen und Patienten zu interagieren, mein Wissen in die Tat umzusetzen und viel dazuzulernen. Außerdem ist das PJ eine fantastische Möglichkeit, in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land zu arbeiten. Deswegen werde ich mein Tertial der Inneren Medizin in München und ein halbes Chirurgie-Tertial in Kyoto verbringen. Auf die Zeit in Japan freue ich mich besonders. Ich bin sehr gespannt auf die Einblicke ins japanische Gesundheitssystem. Und wann werde ich wohl das nächste Mal die Gelegenheit haben, zwei Monate dort zu leben und zu arbeiten? Die Anki-Karten mit medizinischen Vokabeln lerne ich jedenfalls voller Vorfreude. Und wenn das PJ nach meinem Wahltertial in der Neurologie schließlich enden wird, sind vermutlich auch die Antworten auf die oben genannten Lebensfragen etwas näher gerückt.
Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium(at)aekno.de.


