Diagnostische und therapeutische Überlegungen
von Tim Richardson und Christoph Scheid
Anamnese
Eine 65-jährige Patientin stellte sich auf Überweisung ihrer Hausärztin in unserer Ambulanz vor. Seit etwa eineinhalb Jahren berichtete sie über eine zunehmende Müdigkeit, reduzierte körperliche Belastbarkeit und anhaltende Abgeschlagenheit. In diesem Zeitraum war es wiederholt zu Infekten der oberen Atemwege gekommen, die insbesondere im letzten Jahr häufiger auftraten und mehrfach antibiotisch behandelt werden mussten.
Seit mehreren Monaten bestanden zudem belastungsabhängige Knochenschmerzen, vor allem im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule. Hinweise auf ein Trauma oder eine akute Verletzung ergaben sich nicht. Eine orthopädische Abklärung inklusive MRT ergab keinen Hinweis.
Eine vermehrte Blutungsneigung war erstmals im Rahmen eines zahnärztlichen Eingriffs aufgefallen. Nach einer Zahnextraktion war es zu einem prolongierten Nachbluten gekommen, das eine lokale Nachbehandlung erforderlich machte. Zusätzlich berichtete die Patientin über eine vermehrte Hämatomneigung bei Bagatelltraumen.
Ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder Fieber wurden verneint. Als Vorerkrankungen bestanden eine arterielle Hypertonie und eine Osteopenie. Eine maligne Grunderkrankung war bislang nicht bekannt.
Klinischer Untersuchungsbefund
- Allgemeinzustand leicht reduziert, Ernährungszustand altersentsprechend.
- Blasse Hautfarbe, multiple kleinere Hämatome an Unterarmen und Unterschenkeln.
- Kein Hinweis auf Lymphknotenvergrößerungen oder Hepatosplenomegalie.
- Druckschmerzhaftigkeit über der thorakolumbalen Wirbelsäule.
- Kardiopulmonaler und abdominaler Untersuchungsbefund unauffällig.
Laborwerte
Die Tabelle zeigt ausgewählte Laborbefunde bei Erstvorstellung der Patientin. Aufgrund der Anämie, der Hyperproteinämie sowie der Infektanfälligkeit wurde eine weiterführende Eiweißdiagnostik veranlasst.

Spezielle Diagnostik
In der Serumelektrophorese zeigte sich ein schmalbasiger, deutlich abgrenzbarer M-Gradient im Gamma-Bereich (siehe Abbildung).
Die anschließende Immunfixation ergab ein monoklonales Immunglobulin vom Typ IgG κ. Die Bestimmung der freien Leichtketten zeigte eine pathologisch erhöhte κ/λ-Ratio. In der Knochenmarkuntersuchung fanden sich 14 Prozent klonale Plasmazellen. Eine bildgebende Staging-Diagnostik mittels Low-dose-CT des Skeletts zeigte keine osteolytischen Läsionen oder pathologischen Frakturen.
Dr. Tim Richardson arbeitet an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln. Professor Dr. Christoph Scheid ist dort Oberarzt und Leiter der Stammzelltransplantation.
Professor Dr. Malte Ludwig ist ambulant als Angiologe in Gmund am Teegernsee tätig und arbeitet in Kooperation mit dem Gefäßzentrum am Krankenhaus Agatharied. Er koordiniert und begleitet die Reihe inhaltlich.
Kurzanleitung zur „Zertifizierten Kasuistik“
Hinweis: Die 2 Fortbildungspunkte können über das System des Einheitlichen Informationsverteilers (EIV) Ihrem Punktekonto bei der Ärztekammer gutgeschrieben werden.
Es werden Ihre Einheitliche Fortbildungsnummer, die Veranstaltungsnummer und die Anzahl der Punkte übermittelt.
via Rheinisches Ärzteblatt
Im ersten Rheinischen Ärzteblatt des Quartals werden jeweils veröffentlicht: der einführende Artikel zum Thema, der Fragenkatalog und die Lernerfolgskontrolle mit Bescheinigung.
Ausführliche Informationen zur Differenzialdiagnostik werden im Internet unter www.aekno.de/cme veröffentlicht.
Zum Erwerb der Fortbildungspunkte müssen mindestens 70 Prozent der Fragen richtig beantwortet werden. In dem Fall können die Fortbildungspunkte über den Elektronischen Informationsverteiler (EIV) dem elektronischen Punktekonto des Arztes bei seiner Ärztekammer automatisch gutgeschrieben werden, falls die Einheitliche Fortbildungsnummer/Barcode auf die Lernerfolgskontrolle aufgeklebt und die Einverständniserklärung zur Datenübermittlung unterschrieben ist.
Einsendeschluss: Die Lernerfolgskontrolle muss spätestens bis Donnerstag, 28. Mai 2026 per Fax oder per Post eingegangen sein (Poststempel). Fax: 0211/4302 5808, Postanschrift: Ärztliche Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein, Tersteegenstr. 9, 40474 Düsseldorf.
Auflösung: im Rheinischen Ärzteblatt 6/2026 in der Rubrik Magazin.
via www.aekno.de
Die Zertifizierte Kasuistik findet sich auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein unter www.aekno.de/cme.
Anmeldung: Erstmalige Registrierung mit Nachnamen, Arztnummer, Einheitlicher Fortbildungsnummer (falls vorhanden) und einer aktuellen E-Mail-Adresse. An diese werden die Zugangsdaten geschickt. Die zukünftige Anmeldung erfolgt über die angegebene E-Mail-Adresse und das selbst gewählte Passwort.
In dem geschlossenen Bereich finden sich
- der einführende Artikel zum jeweiligen Thema,
- die ausführlichen medizinischen Informationen und
- der Fragenkatalog.
Die bisher veröffentlichten Kasuistiken der Reihe finden sich zu Übungszwecken unter www.aekno.de/cmetest.

