Beim Thema ambulante Eingriffe setzt die Vogtei-Praxisklinik in Geilenkirchen zukunftsweisende Maßstäbe. Das OP-Zentrum ist ein gutes Beispiel dafür, wie leistungsstark das ambulante System ist – und welches Potenzial noch in ihm steckt.
von Jana Meyer
Die Zahl an Patientinnen und Patienten ist beeindruckend. 84.000 Personen hat das Team der Vogtei-Praxisklinik seit Eröffnung 1994 behandelt – die Fallzahl liegt drei- bis viermal höher. „Wir operieren alles, was Menschen nicht haben möchten: von Rhizarthrose über Hernien bis hin zur Analfistel; dazu kommen Akutfälle“, sagt Dr. Manfred Weisweiler. Das Team versorgt im ländlichen Raum niedrigschwellig, wohnortnah, persönlich. „Wir sind eine chirurgische Hausarztpraxis“, beschreibt es der Chirurg.
400 Quadratmeter, zwei OPs und ein 14-köpfiges Team, das absolut eingespielt ist. Michael Schneiders und Manfred Weisweiler arbeiten seit Jahrzehnten zusammen. Praxismitgründer Dr. Michael Simons ist kürzlich in Rente gegangen. Nachfolger ist sein Sohn Julien. Gemeinsam mit Weisweiler kümmert er sich um die chirurgischen und unfallchirurgischen Fälle, Schneiders Schwerpunkt: plastisch-ästhetische Chirurgie. Die Praxis ist auf ambulante Eingriffe spezialisiert, barrierefrei und mit modernster Technik ausgestattet. Bis zu 19 chirurgische Verfahren führt das Team pro Tag durch. Im Jahr sind es rund 2.500 Operationen unter Vollnarkose oder in Lokalanästhesie. Das Spektrum an Beschwerden ist breit. „Wer bei uns operieren will, muss Allrounder sein“, sagt Weisweiler.
Eingespieltes Team
Manfred Weisweiler steht vor der roten Linie zwischen dem Türrahmen. Sie markiert den Übergang zum OP-Bereich. Sterile Zone, Zutritt nur mit OP-Kleidung. Die Abläufe sind für den erfahrenen Chirurgen absolute Routine. Der Patient im OP ist bereits in Vollnarkose, als Weisweiler den Raum betritt. Alles ist vorbereitet. Das Team ist eingespielt. Die Timings sitzen. Weisweiler muss nur noch das Skalpell ansetzen, gekonnter Schnitt an der Handfläche. „Karpaltunnelsyndrom, ein häufiger Eingriff bei uns“, erklärt der Fachmann. Zwischendurch wird gescherzt. Die Atmosphäre ist familiär. Ein weiteres Plus für gute Zusammenarbeit.
Der Eingriff dauert nicht lange. Während die OP-Assistentin den Patienten in den Aufwachraum schiebt, lässt bereits die Narkose nach. Kurz darauf kann der Mann nach Hause gehen. Gut zwei Stunden war er im OP-Zentrum. In einer Klinik hätte der Patient deutlich mehr Zeit verbracht, betont Weisweiler. Und mit den Standards dort kann die Praxis locker mithalten. Wie effizient und leistungsstark das ambulante System ist, zeigt sich in Geilenkirchen ebenso wie das Potenzial, das noch in ihm steckt. Und wer auf der Suche nach guten Konzepten und Ideen für zukunftssichere Versorgung ist, wird in der Vogtei-Praxisklinik fündig.
Raum für „Belegärzte“
Ein Ansatz ist besonders interessant, weil er durch Kooperation Niedergelassener dafür sorgt, dass sich das System selbst stärkt: ein ambulantes Äquivalent zum Belegarztsystem in Kliniken. Aktuell nutzen Augenärztinnen und Augenärzte ohne eigenen OP einmal in der Woche Slots in den Räumlichkeiten in Geilenkirchen. „Wir haben die Kapazitäten, um dieses Angebot auszuweiten“, so Weisweiler. Er glaubt, dass durch dieses Konzept mehr Kolleginnen und Kollegen ambulante Eingriffe durchführen würden, für die sich ein eigener OP in der Praxis nicht lohne.
Prädestiniert sei zum Beispiel auch das Fachgebiet der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde mit hohen Fallzahlen bei Mandel- und Polypen-Operationen. „Umgekehrt würde sich die Finanzierungsgrundlage für Praxen wie unsere durch die Synergien verbessern“, ordnet der Chirurg ein. Gleichzeitig würden so mehr Anreize geschaffen, sich niederzulassen. Gerade in ländlichen Bereichen wie Geilenkirchen könnte das doppelte Effekte haben. Als klares Zukunftsmodell sieht Manfred Weisweiler eindeutig das Hybrid-DRG-System: „Mit der Umstellung hat sich die Situation für uns stark verbessert. Ambulantes Operieren wird dadurch für Niedergelassene deutlich attraktiver.“
Hybrid-DRGs ausweiten
Jetzt sei es an der Politik, den Katalog an Leistungen auszubauen. Erst recht mit Blick auf die gewünschte Ambulantisierung. Dabei sollten laut Weisweiler vorrangig Eingriffe aufgenommen werden, die besonders häufig durchgeführt würden. In seinem Fachbereich beträfe das zum Beispiel Handoperationen und Arthroskopien, bei HNO-Kolleginnen und -Kollegen Mandel- und Polypen-Operationen – bisher keine Hybrid-DRG-fähigen Leistungen. Neben der Praxistätigkeit engagiert der Chirurg sich ehrenamtlich in der Berufspolitik, setzt sich unter anderem als stellvertretender Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein für die Belange der Niedergelassenen ein. „Leider verkennt die Politik immer noch die Leistungsfähigkeit, die in Praxen wie unserer steckt“, bedauert Weisweiler. Mit seiner Erfahrung aus mehr als 30 Jahren als Niedergelassener hat er viele Ideen – auch zum Thema Patientensteuerung. „Wenn der Rettungswagen unsere Praxis anfahren dürfte, könnten wir Fälle übernehmen und die Notaufnahmen in den Kliniken entlasten“, nennt er ein Beispiel. Einzig an Personal müsse die Praxis aufstocken, alle anderen Voraussetzungen seien gegeben.
Kaum ernsthafte Komplikationen
„Ich bräuchte mal eben deine Einschätzung“, unterbricht ihn Julien Simons. Weisweiler kennt die ältere Dame gut, die sein junger Kollege gerade behandelt. Sie ist langjährige Patientin. „Viele ältere Menschen sollten besser nicht stationär operiert werden. Das Risiko ist hoch, dass sie dort psychische Probleme entwickeln“, erklärt Weisweiler. In der Praxis könnten sie diese Eingriffe hingegen problemlos durchführen. Ernsthafte Komplikationen gibt es sehr selten. Weniger als einmal im Jahr muss eine Patientin oder ein Patient aus dem Aufwachraum ins Krankenhaus verlegt werden. Ein weiterer Vorteil von OPs in der Praxis? „Wir haben kaum Infektionen. Die gefährlichen Krankenhauskeime gibt es bei uns nicht“, sagt der erfahrene Chirurg.
Julien Simons ist erst kürzlich von der Klinik in die Praxis gewechselt. Weisweilers Sohn wird ihm folgen, wenn er seine zweite Facharztweiterbildung im Krankenhaus beendet hat. Der Plan: Die Praxis ihrer Väter gemeinsam weiterführen. Simons erlebt die Arbeit in der Niederlassung als sinnstiftend und lebensnah. „Mit fußchirurgischen Eingriffen beispielsweise können wir Menschen wieder fit für normales Schuhwerk und damit für den Alltag machen“, beschreibt er. Viele Krankheitsbilder, mit denen die Patientinnen und Patienten in die Praxis kämen, kenne er aus der Klinik nicht. Denn wie es in einer klassischen Hausarztpraxis ist, so ist es eben auch in der chirurgischen Hausarztpraxis in Geilenkirchen: „Die Menschen kommen mit allem, was es so gibt“, formuliert Simons salopp und lacht.
Und das ist es, was sein älterer Kollege an seiner Arbeit ebenfalls sehr schätzt: die Abwechslung. In der Klinik könne es hingegen passieren, dass eine Chirurgin oder ein Chirurg irgendwann nur noch Hüften oder Knie operiere, ergänzt Simons. Bis er ein echter Allrounder ist, muss der Neuniedergelassene sicher noch einige Male das Skalpell ansetzen. Genug Unterstützung hat er jedenfalls durch das erfahrene Team. Und Simons Kollegen denken noch nicht ans Aufhören. „Dafür macht die Arbeit einfach zu viel Spaß“, sagt Manfred Weisweiler.
Die Vogtei-Praxisklinik in Geilenkirchen zeigt eindrücklich, was ambulante Versorgung kann und wohin der Weg künftig gehen muss: Mit Hybrid-DRG wird Ambulantisierung gelebte Praxis. Faire Finanzierung schafft Kapazitäten und verbessert die Versorgung für alle – effizient, persönlich.
Jana Meyer ist Redakteurin bei der KV Nordrhein.
Hybrid-DRG: KVNO bietet das Plus an Service
Damit Sie ambulante, Hybrid-DRG-fähige Eingriffe schnell und bequem mit den Kostenträgern abrechnen können, hat die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) eine einfache und zuverlässige Lösung entwickelt: Hybrid-DRG Plus. Haben Sie Fragen dazu oder allgemein zum Thema Hybrid-DRG? Dann vereinbaren Sie einfach einen Termin in der Hybrid-DRG-Sprech-stunde der KVNO am Mittwochnachmittag (E-Mail an direktabrechner@kvno.de).
Alle Infos unter www.hybrid-drg-plus.de


