Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen hat zum dritten Mal in Folge einen neuen Höchststand erreicht: Dem Statistischen Bundesamt zufolge stieg sie binnen fünf Jahren um fast ein Drittel auf knapp 73.000 Fälle. In den meisten Fällen von Kindeswohlgefährdung stellten die Behörden Anzeichen von Vernachlässigung fest (58 Prozent). In 37 Prozent der Fälle fanden sie Hinweise auf psychische Misshandlungen, in weiteren 28 Prozent der Fälle gab es Indizien für körperliche Misshandlungen und in sechs Prozent für sexuelle Gewalt. Diese Zahlen aus dem Dezember 2025 zitierte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, zum Auftakt des 13. Kammerkolloquiums Kindergesundheit am 20. Juni im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Es beschäftigte sich mit der Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen im analogen und digitalen Raum. Christiane Thiele, Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein, betonte vor den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Wichtigkeit der Vernetzung beim Umgang mit dieser heiklen Thematik. „Wir brauchen den Austausch unter Kolleginnen und Kollegen ebenso wie den Austausch mit Jugendämtern sowie Lehrerinnen und Lehrern“, erklärte Thiele. Vernetzung sei wichtig, weil man sich in schwierigen oder uneindeutigen Fällen immer wieder Rat suchen müsse, um sich besser abzusichern. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Angebote des Kompetenzzentrums Kinderschutz im Gesundheitswesen NRW, das Angehörigen der Gesundheitsberufe per Telefon, E-Mail oder Online für Fragen zur Verfügung steht (www.kkg-nrw.de).
HK


