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Gesundheits- und Sozialpolitik

Dialogforum: Ärztliche Selbstverwaltung ist kein Selbstzweck

24.06.2026 Seite 24
RAE Ausgabe 7/2026

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 7/2026

Seite 24

Das Dialogforum hat sich zu einem sehr beliebten Format entwickelt. © Sven Ludwig
Wie kann der ärztliche Nachwuchs dazu motiviert werden, sich noch stärker in die Arbeit von Selbstverwaltung und Ärztekammern einzubringen? Antworten auf diese Frage wollten die Teilnehmenden des Dialogforums mit jungen Ärztinnen und Ärzten liefern, das traditionell im Vorfeld des Deutschen Ärztetages stattfindet. In einem Punkt herrschte Konsens: Eigenverantwortung und auch ein intrinsischer Antrieb sind mindestens genauso wichtig wie Anreize von außen.

von Sven Ludwig 

Das Dialogforum am Montag vor der offiziellen Eröffnung des 130. Deutschen Ärztetages Mitte Mai in Hannover ist mehr als gut besucht. Die Präsidentin der gastgebenden Landesärztekammer Niedersachsen, Dr. Marion Charlotte Renneberg, setzte den Ton: „Die Bereitschaft, sich in berufspolitischen Gremien zu engagieren, ist nicht selbstverständlich und der Weg in die ärztliche Selbstverwaltung nicht einfach. Wir müssen Strukturen schaffen, die interessierten jungen Kolleginnen und Kollegen das Mitmachen erleichtern.“
 
Denn die Gestaltungsmacht der ärztlichen Selbstverwaltung sei groß, erklärte Professor Dr. jur. Ulrich Wenner, ehemaliger Vorsitzender Richter am Bundessozialgericht. So habe der Gesetzgeber den Ärztekammern die Regelungsmacht in für den Berufsstand zentralen Bereichen übertragen: etwa in der fachärztlichen Weiterbildung, bei der Berufsaufsicht und auch bei der Altersvorsorge für Ärztinnen und Ärzte. Wer sich in der Selbstverwaltung engagiere, könne aktiv die eigene Zukunft mitgestalten.

Für Theresa Buuck, Allgemeinärztin aus Mecklenburg-Vorpommern, ist Selbstverwaltung „das Herz des ärztlichen Berufsstands“. Damit Selbstverwaltung eine Zukunft habe, müsse sie aber deutlich vielfältiger, jünger und weiblicher werden. Es gelte, unterschiedliche Perspektiven zu Arbeitsbedingungen und der Vereinbarkeit von Privatleben, Beruf und ehrenamtlichem Engagement zu berücksichtigen. Gleichzeitig müsse Teilhabe aber auch ermöglicht werden. Deutlich mehr Online- und Hybridformate seien wichtig, damit für Jüngere die Hemmschwelle sinke, sich aktiv in Gremien der Selbstverwaltung einzubringen.
 
Den Platz am Tisch selbst holen

Auch Andrej Weissenberger, angehender Kinderarzt und in der Ärztekammer Nordrhein Vorsitzender des Ausschusses „Junge Ärztinnen und Ärzte“, beschreibt die Selbstverwaltungsstrukturen als oft abstrakt, bürokratisch und unnahbar, was zu einem ernüchternd geringen Engagement gerade der jüngeren Ärztinnen und Ärzte führe. Gleichzeitig betont er: „Wenn wir etwas verändern wollen, dürfen wir uns nicht hinter Zeitmangel oder hoher Arbeitsbelastung verstecken oder darauf warten, dass uns der rote Teppich ausgerollt wird.“ Die ärztliche Selbstverwaltung sei kein Selbstzweck, sondern ein hohes Gut. Sie sei eine Brandmauer gegen eine reine Staatsmedizin. Er selbst betrachte es als Privileg, dass die Ärzteschaft beispielsweise die fachärztliche Weiterbildung selbst gestalten dürfe und damit die eigene berufliche Zukunft gestalten könne. „Wir sind die Kammer“, betonte Weissenberger. „Und wenn uns manche Themen zu fern sind, müssen wir unsere eigenen Themen auf die Agenda setzen.“
 
Digitalisierung, Diversität und Teilhabe
 

Konkrete Vorschläge zur besseren Einbindung des Nachwuchses in die ärztliche Selbstverwaltung erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Dialogforums in kleinen Diskussionsrunden. Einen hohen Stellenwert nahm dabei eine bessere Digitalisierung der Kammern ein, um beispielsweise Online-Sitzungen und Hybrid-Veranstaltungen zu fördern. Klar wurde auch, dass es insbesondere Ärztinnen und Ärzten mit Migrationshintergrund an einer Repräsentanz fehlt. Diskriminierung müsse deshalb beim Namen genannt werden, Ombudsstellen eingerichtet und Diversitätsbeauftragte benannt werden, lautete eine Forderung aus dem Dialogforum. Der Anspruch müsse sein, die unterschiedlichen Arztgruppen zu adressieren, sie einzubinden und ihnen den Austausch sowie ein Engagement aktiv anzubieten. Einen sinnvollen Ansatz sahen Teilnehmer zudem in einer Quote für junge Kolleginnen und Kollegen bei Kammerwahlen und eine Altersparität in den Gremien. Für eine bessere Ansprache der jüngeren Mitglieder könnten darüber hinaus auch attraktiver gestaltete Social-Media-Kanäle und bessere Webauftritte der Landesärztekammern sorgen.