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Gesundheits- und Sozialpolitik

Gewappnet für Extremwetter-Ereignisse?

21.05.2026 Seite 19
RAE Ausgabe 6/2026

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 6/2026

Seite 19

Durch den Klimawandel treten Extremwetterereignisse wie Starkregen und Fluten immer häufiger auf. Die „Jahrhundertflut“ 2021 hat auch zahlreiche Krankenhäuser und Arztpraxen in NRW schwer beschädigt. Wie sich das Gesundheitswesen heute auf solche Ereignisse vorbereitet.

von Marc Strohm 

Im St.-Antonius-Hospital in Eschweiler war Geschäftsführer Elmar Wagenbach grundsätzlich auf ein Hochwasser vorbereitet: Bereits 2011 hatte er dafür einen Notfallplan erstellen lassen. Als jedoch am 14. Juli 2021 anhaltender Starkregen einsetzte und der Pegel des nahen Flüsschens Inde unaufhörlich stieg, zeigte sich, dass auch sorgfältige Planung an Grenzen stoßen kann, wie Wagenbach im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt (RÄ) berichtet.

Zunächst versuchte das Team des Krankenhauses, die von Norden heranströmenden Wassermassen mit Spundwänden und Sandsäcken abzuwehren. Doch gegen 3:30 Uhr überwanden die Fluten den 3,40 Meter hohen Hochwasserschutz, drangen in das Gebäude ein und überschwemmten beide Untergeschosse. Mit großer Wucht schoss das Wasser durch das Gebäude und riss sogar ein rund vier Tonnen schweres MRT-Gerät aus seiner Verankerung. Allein im St.-Antonius-Hospital entstand ein Schaden von rund 120 Millionen Euro. Insgesamt belief sich der Schaden der Flutkatastrophe in NRW auf etwa 5,5 Milliarden Euro, 180 Menschen verloren ihr Leben.

Experten zufolge werden Extremwetterereignisse wie Starkregen und Fluten künftig häufiger auftreten. Die Flutkatastrophe habe deutlich gemacht, dass Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen besser auf Extremwetter vorbereitet werden müssen, erklärt das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage des RÄ. Es sieht zunächst die Einrichtungen selbst in der Pflicht, eigenverantwortlich vorzusorgen, etwa durch Versicherungen gegen Elementarschäden oder bei Ausfällen, wenn es durch Katastrophen zu Unterbrechungen im Betrieb kommt. Zugleich fördert die Landesregierung bauliche und technische Maßnahmen der Krankenhäuser für mehr Resilienz. So wurden 2023 rund 100 Millionen Euro für die Verbesserung der Notstromversorgung bereitgestellt, etwa für größere Kraftstofftanks. 

Um die vielfach veralteten Gebäudebestände besser gegen Extremwetter zu wappnen, sind nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) jedoch deutlich höhere Investitionen erforderlich. Ein Gutachten aus dem Jahr 2022 beziffert den Bedarf auf 7,5 Milliarden Euro, um die Infrastruktur klimaresilient zu machen. Von Bund und Ländern fordert die KGNW zudem verlässliche Mechanismen für schnelle finanzielle Hilfe im Katastrophenfall, damit Wiederaufbau und Ersatzbeschaffungen zügig erfolgen können. Die Vorbereitung auf Krisenfälle werde aktuell erschwert, weil verbindliche Vorgaben fehlten, sagt Matthias Blum, Geschäftsführendes Präsidialmitglied bei der KGNW. Um die Krankenhäuser dabei zu unterstützen, sich auf den Umgang mit Naturkatastrophen, die Folgen des Klimawandels und sicherheitspolitische Krisen vorzubereiten, hat die KGNW im Herbst vergangenen Jahres die Initiative „Resilienz und Nachhaltigkeit im Krankenhaus“ gestartet. 

Die Lehren aus der Flut

Zugleich habe man Lehren aus der Flut gezogen, insbesondere mit Blick auf die bauliche Absicherung der Gebäude: Notstromaggregate befänden sich häufig ebenerdig oder im Kellergeschoss und damit in besonders gefährdeten Bereichen, weshalb alternative Standorte geprüft werden sollten, erklärt Blum. Allerdings setzten statische Gegebenheiten hier Grenzen – etwa bei der Verlagerung schwerer Geräte wie MRT-Anlagen in höhere Stockwerke. 

Neben mehr als 60 Krankenhäusern waren 2021 auch rund 200 Arztpraxen von der Flutkatastrophe betroffen. Die ambulante Versorgung habe unter den außergewöhnlichen Umständen insgesamt gut funktioniert, erklärt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO). Die KVNO habe betroffene Praxisinhaber mit schnellen, unbürokratischen Maßnahmen unterstützt, etwa durch zügige Genehmigungen für Standortverlagerungen. Sie informierte zudem über Entschädigungsmöglichkeiten, half bei der Antragstellung und vereinfachte Genehmigungsverfahren. Für künftige Krisenszenarien wird eine stärkere Einbindung der ambulanten Versorgung in dezentrale Planungsstäbe als wichtiger, bislang jedoch nicht gesetzlich verankerter Baustein betrachtet. Allerdings fehle bislang eine rechtssichere Definition, wie die ambulante Versorgung im Krisenfall konkret organisiert werden soll, so die KVNO.

Im St.-Antonius-Hospital in Eschweiler hat Geschäftsführer Elmar Wagenbach nach der Flut die Schwachstellen analysiert und einen neuen Hochwasserschutzplan entwickelt. Dieser sieht unter anderem einen 4,50 Meter hohen, teils mobilen Hochwasser-Schutz vor, der im Ernstfall wie ein Burgwall um das Gelände errichtet werden kann. Zudem werden zusätzliche Lebensmittel, Medikamente und medizinisches Material bevorratet. Die Telefon- und IT-Infrastruktur wurde in höhere Stockwerke verlegt. Eine verbesserte Protokollierung soll künftig ermöglichen, Entscheidungen wie Evakuierungen im Nachgang besser nachvollziehen zu können. „Aber auch die beste Vorbereitung bietet keine hundertprozentige Garantie, dass es bei der nächsten Katastrophe besser läuft“, sagt Wagenbach. Denn letztendlich seien Naturkatastrophen unberechenbar.

Hitzeaktionstag am 11. Juni  

Neben Extremwetterereignissen wie Flutkatastrophen werden infolge des Klimawandels künftig auch Hitzewellen häufiger auftreten. Vor diesem Hintergrund findet am 11. Juni erneut ein Hitzeaktionstag statt, getragen von mehr als 100 Organisationen des Gesundheitswesens, darunter die Bundesärztekammer.

Ziel ist es, die Akteure im Hitzeschutz besser zu vernetzen. „Hitzeprävention gilt als wichtiger Baustein im Umgang mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels und zunehmenden Extremwetterereignissen“, betont Dr. Oliver Funken, Vorsitzender des Ausschusses für Prävention, Gesundheitsförderung und Klimawandel der Ärztekammer Nordrhein. Mit Blick auf diese Szenarien müsse die Aufklärung und Eigenverantwortung der Patienten weiter gestärkt werden. 

Infos unter: www.hitzeaktionstag.de