Das Wahlfach „Öffentliches Gesundheitswesen“ im Praktischen Jahr (PJ) kann – NRW-weit erstmals – seit dem Wintersemester 2025/2026 beim Gesundheitsamt der Stadt Köln absolviert werden. Die erste Absolventin blickt sehr zufrieden auf diesen Ausbildungsabschnitt zurück.
von Thomas Gerst
Gefragt, ob sich ihr PJ-Wahltertial beim Gesundheitsamt der Stadt Köln denn gelohnt habe, kommt von Greta Hoffmann ganz schnell die Antwort: „Auf jeden Fall – klar.“ Vieles andere kenne man bereits aus dem Medizinstudium, „aber der öffentliche Gesundheitsdienst war einfach eine komplett neue Erfahrung mit einem ganz anderen Blickwinkel“. Hoffmann war eher durch Zufall darauf gestoßen, dass es für Medizinstudierende nunmehr möglich ist, einen PJ-Abschnitt beim Gesundheitsamt zu absolvieren. Auch wenn sie derzeit noch nicht weiß, für welche Fachrichtung in der Medizin sie sich später entscheiden wird, will sie die Erfahrung aus ihrer Zeit beim Kölner Gesundheitsamt nicht missen. Beindruckend fand sie dort insbesondere die Vielfalt der Aufgabenbereiche. „Ich bin fast jeden Tag nach Hause gegangen und hatte was Neues erlebt. Die Erfahrungen im öffentlichen Gesundheitswesen sind definitiv etwas, was ich in allem, was ich später einmal tun werde, mitnehme“, berichtet sie im Video-Call aus ihrer nächsten PJ-Station in Medellín, Kolumbien. Public-Health-Zusammenhänge würden zwar auch im Medizinstudium angesprochen, doch seien dies eher theoretische Splitter; wie die Umsetzung erfolge, wie sich die Arbeit im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) konkret gestalte, komme als Thema nicht vor.
Änderung der Approbationsordnung
Ausgangspunkt dafür, dass Hoffmann das PJ-Wahlfach „Öffentliches Gesundheitswesen“ überhaupt wählen konnte, war die Änderung der Ärztlichen Approbationsordnung im Jahr 2021. Die Coronapandemie hatte der Politik eindringlich die Bedeutung des ÖGD vor Augen geführt. Eines der Ziele des eigens aufgelegten Pakts für den ÖGD war die stärkere Verzahnung von Lehre und Wissenschaft mit dem ÖGD gewesen. Studierende der Medizin sollten an Themenfelder des öffentlichen Gesundheitswesens herangeführt werden, nicht zuletzt um ausreichend Nachwuchs für eine Tätigkeit im ÖGD zu gewinnen. „Es war auch erklärter Wille der NRW-Landesregierung, auf der Grundlage der neuen Approbationsordnung das Fach ,Öffentliches Gesundheitswesen‘ als PJ-Wahlfach umzusetzen“, betont Dr. Margot Denfeld M. Sc., Leiterin des Gesundheitsamts der Stadt Köln, im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Viele vorbereitende Maßnahmen seien allerdings erforderlich gewesen, um im Mai 2025 das PJ-Wahlfach für das folgende Wintersemester anbieten zu können. Sehr wichtig sei die Gründung des bundesweit ersten Instituts für Öffentliches Gesundheitswesen an der Universität zu Köln im November 2023 gewesen; darüber sei koordinierend ein Netzwerk der acht medizinischen Fakultäten in NRW ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, in Abstimmung mit den Gesundheitsämtern die praktischen Voraussetzungen für das Wahlfach „Öffentliches Gesundheitswesen“ zu schaffen. Federführend für das Kölner Gesundheitsamt war Dr. Regine Arnold daran beteiligt. In die Erstellung des Logbuchs für das Wahlfach, das heißt in den Ausbildungsplan für die praxisorientierten Kompetenzen, die im Praktischen Jahr erworben werden sollen, sei inhaltlich vieles eingeflossen aus den Gesundheitsämtern – für Arnold „ein schönes Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der acht medizinischen Fakultäten in NRW“. So könne grundsätzlich jedes der 53 Gesundheitsämter in NRW die entsprechende Ausbildung für die angehenden Ärztinnen und Ärzte erbringen. Für die Akkreditierung als akademisches Lehrgesundheitsamt der Universität zu Köln war zudem noch erforderlich, einen separaten Lehrplan zu verfassen. Passend zu den Lernzielen mussten zudem noch 16 Fortbildungen entwickelt werden.
Für Arnold geht es bei all diesen Bemühungen auch darum, mit der Ausbildung im PJ-Tertial einen Anstoß dafür zu geben, dass künftig in den Gesundheitsämtern weitergebildete Fachärztinnen und -ärzte für Öffentliches Gesundheitswesen ausreichend zur Verfügung stehen. „Natürlich wollen wir so auch motivierte Kolleginnen und Kollegen gewinnen“, sagt Arnold, die Weiterbildungsberechtigte für das Fach Öffentliches Gesundheitswesen ist. Der öffentliche Gesundheitsdienst brauche ebenso wie die Kliniken und Praxen qualifiziertes Personal.
Grundlage für alle Fachbereiche
Zunächst aber müssen Medizinstudierende für das neue PJ-Wahlfach Öffentliches Gesundheitswesen, das bald auch an anderen Gesundheitsämtern in NRW angeboten werden soll, gewonnen werden. „Wir wünschen uns mehr interessierte Studierende,“ merkt die Leiterin des Kölner Gesundheitsamts an. Wichtig sei, dass die Studierenden auf dieses Wahlfach aufmerksam werden und registrieren, wie viele positive Ansätze man für die ärztliche Tätigkeit dort mitnehmen könne. Denn der ÖGD als dritte Säule der Gesundheitsversorgung sei im Medizinstudium noch nicht ausreichend vertreten. „Man muss nicht seinen künftigen Beruf im Öffentlichen Gesundheitsdienst sehen, wenn man das PJ-Wahlfach dort absolviert. Aber dort werden Grundlagen vermittelt, die in allen Bereichen der Medizin zum Tragen kommen“, führt Denfeld aus. „Wichtig ist, dass das breite Spektrum der Bevölkerungsmedizin als wichtige Perspektive die spätere fachärztliche Tätigkeit unabhängig von der Fachrichtung ergänzt.“
Zufriedene erste Absolventin
Rückblickend sieht Greta Hoffmann viele gute Argumente für ein PJ-Tertial im ÖGD. Ihre anfängliche Skepsis, was sie aus der Tätigkeit dort für das Fach Medizin mitnehmen könne, sei sehr rasch gewichen. Die Zusammenarbeit mit Fachärzten aus unterschiedlichen Fächern habe einen guten Einblick in zukünftige Arbeitsbereiche ermöglicht. „Zudem gab es eine engmaschige Betreuung, die Fortbildungen standen nicht nur auf dem Papier, sondern waren Realität.“ Als Rückmeldung zu ihrem Erfahrungsbericht über ihr PJ-Wahlfach im ÖGD sei von vielen Kommilitonen gekommen: „Das hätte ich auch gerne gemacht.“

